Grosssachsen Sängerbund – Ein Deutsch-russisches „O du Fröhliche“

Dezember 2015 (Weinheimer Nachrichten) MGV Sängerbund und Petersburger Knabenchor singen gemeinsam in der Katholischen Christkönigskirche / Langjährige Freundschaft

 

Grosssachsen. Ein wahrhaft gelungenes Zusammenspiel des Musik­ und Gesangvereins (MGV) „Sängerbund“ Großsachsen und des russischen Knabenchors aus St. Petersburg erlebten zahlreiche Zuhörer in der Christkönigskirche. Der russische Chor ist zurzeit auf großer Deutschlandtournee und gastierte auch in der Region, wo er schon mit seinen stimmgewaltigen Gesängen die Patienten der Weinheimer GRN­Klinik begeisterte. Sein Konzert in der Christkönigskirche erreichte nicht nur eine beachtliche Anzahl an Zuhörern, sondern zelebrierte gleichsam das 50-jährige Jubiläum des Großsachsener Gotteshauses.

Dass zu diesem würdevollen Anlass der MGV mit drei Liedern vertreten war, rundete das perfekt getaktete Programm nicht nur ab, sondern besiegelte auch die Freundschaft zwischen Großsachsen und dem Knabenchor. Diese enge Verbindung entsprang einer ersten Idee des Großsachsener Friseurmeisters Stefan Adler, der den Chor dank der Hilfe von Musikdirektor Volker Schneider bereits im Jahr 1998 nach Hirschberg einlud.

Singen als Perspektive

Die Knabenchorschule von St. Petersburg besteht seit 1992 und gibt Kindern aus sozial schwachen Familien nicht nur Halt im alltäglichen Leben, sondern unterstützt sie auch finanziell mittels der eingenommen Spenden. Damit die drei- bis achtzehnjährigen Buben nicht in der Perspektivlosigkeit verharren, besuchen heute etwa 400 von ihnen die Chorschule, sowie auch zwei Mädchen, die allerdings nur Klavierunterricht erhalten. Vormittags findet der Unterricht beim Gründer und Leiter der Schule, Wadim Ptscholkin, Absolvent am Staatlichen Konservatorium N. A. Rimsky-Kosakov von St. Petersburg, statt. Nachmittags geht es dann an die nicht weniger disziplinierten Chorproben, wo mehr als 100 Singstimmen gefördert werden. Die Mühe zahlt sich aus: der Chor ist unter anderem Preisträger des Grand-Prix der Solisten und glänzt durch internationale Auftritte in Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich.

Einen solch erfolgreichen Chor an die beschauliche Bergstraße zu bringen, erscheint zunächst als unerreichbares Vorhaben, doch tatsächlich folgte der Chor Adlers Vorschlag und war das letzte Mal vor eineinhalb Jahren anlässlich seines 50. Geburtstags vor Ort. Das beschauliche Großsachsen sei für den ausgezeichneten Knabenchor zu einem Knoten- und Angelpunkt geworden, wenn nicht sogar zu einem kleinen Stück Heimat, wie Adler stolz betonte. Er selbst unterstütze den Knabenchor seit fast 20 Jahren tatkräftig.

Der gemischte Chor des MGV beteiligte sich am Gastkonzert mit drei nicht weniger perfekt einstudierten Liedern. Sein Begrüßungs-Jubilat stellte einen glänzenden Auftakt dar und gab mit Elena Kleiser, die der Chor in diesem Jahr einstimmig zur

Leiterin erwählte, eine charmante und vollendete Darstellung. Vor dem Hintergrund dieses gemeinschaftlichen Konzerts war es selbstredend, dass sich Kleiser als gebürtige Russin dazu berufen fühlte, dem Publikum mit ihrer natürlichen und unbefangenen Art den Geist des russischen Winters nahezubringen. „Hören Sie schon die Glöckchen der Troika, des Pferde-Dreiergespannst“, so kündigte sie das russische Lied „Troika“ an, und schon ertönte ein sanftes Klingen aus den Reihen der Sänger.

Kleiser funktioniere russische Holzlöffel zu Klanghölzern um und während der Chor, von Tatiana Worm-Sawosskaj am Klavier begleitet, in einen gemeinsamen Refrain einfiel, brillierte die Leiterin im Solopart durch ihre glockenreine Stimme. Dann sorgte der Knabenchor mit ausgewählten Stücken für Gänsehaut und legte sein ganzes Gefühl in den Gesang. Das Programm umfasste geistliche und weltliche Gesangsstücke in russischer, französischer und auch deutscher Sprache, welche Buben tadellos sangen. Das bemerkenswerte Repertoire reicht über traditionelle Weihnachtslieder wie „Es ist .ein Ros‘ entsprungen“, beinhaltet russische Volkslieder wie „Kalinka“ und monumentale Einlagen wie „Oh Fortuna“ aus Carl Orffs Carmina Burana.

Der Chor stand im Wechselspiel mit seinem Dirigenten, wurde von Ptscholkin geführt, dann wieder von ihm am Klavier begleitet, und schließlich war es Ptscholkin selbst, der als Klaviersolist das gefühlvolle Stück „Schneesturm“ zum Besten gab. Adler führte durch das abwechslungsreiche Programm, dessen Abschluss in der gemeinsamen Darbietung von „O du Fröhliche“ mündete. Der MGV und der Knabenchor veranlassten mit der deutschen und russischen Fassung sein Publikum zu frenetischem Beifall und lauten Bravo-Rufen.  lim

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Der gemischte Chor des MGV Sängerbunds sang ebenfalls beim Konzert des Petersburger Knabenchors am Sonntag in der katholischen Christkönigskirche in Großsachsen. BILD: GUTSCHALK