Großsachsen Sängerbund – Mit der Julischka nach Afrika

Juni 2017 (Weinheimer Nachrichten) MGV Sängerbund: Gut besuchtes Chorkonzert in der Alten Turnhalle / Verkleidungen und Show-Einlagen

 

GROSSACHSEN. Im Film „Sister Act“ singen die Nonnen ihr Gospelstück „I will follow him“ in einer voll besetzten Kirche und vor keinem Geringeren als dem Papst. Zwar fehlte der beim Konzert des MGV Sängerbund, doch dafür kam die Lokalprominenz – ganz vorn saßen Bürgermeister Manuel Just und sein Amtsvorgänger Werner Oeldorf und, die schön geschmückte Alte Turnhalle war ausverkauft.

Für ihre Version der Filmmusik kamen die MGV-Sängerinnen in Nonnentracht auf die Bühne, und Annika Mayer steuerte ein großartiges, viel beklatschtes Sopran-Solo bei. Mit dem schwungvollen Lied besangen die verkleideten Klosterfrauen ihre eigene, 20-jährige Chorgeschichte, doch seit 2013 singen sie jetzt im gemischten Chor. Vielleicht als Anspielung auf die Fusion, vielleicht aber auch wegen der romantischen Lieder im Programm war der Abend überschrieben mit „Melodien zum Verlieben“. Dazu passte das Medley am Ende des ersten Konzertteils; da gab es Schlager Wie „Frühling in Sorrent“ oder „Gib Acht auf den Jahrgang“, das die Chöre zum Schluss noch einmal als Zugabe sangen.

In den Weinliedern ging es um Geselligkeit, beim Einzugsstück „Singen wir ein Lied“ wurde die Gemeinschaft beschworen. Dazu gab es einmal eine Tanz-Einlage, und immer wieder griffen die Akteure tief in die Klamottenkiste: Während Sängerin Martina Hahne in ihrem „Zauberflöte“-Solo einen verkleideten Vogelfänger darstellte, steckte sich Chorleiterin Elena Kleiser-Wälz Blumen ins Haar und kam im bunten Rock mit Schürze auf die Bühne. Karl-Heinz Deppe, der den Abend moderierte, wollte von den Zuhörern wissen, woher diese Tracht stammte.

Er bekam alle möglichen kreativen Antworten, doch nur eine, „Ungarn“, stimmte: Wer sie wusste, bekam eine Paprika, und gleich danach machte die Dirigentin das Klischee von der „Paprika im Blut“ wahr, als sie ein temperamentvolles Gesangssolo bei der „Julischka aus Budapest“ gab.

Aus der Pause kamen die MGV­Sängerinnen mit afrikanischen Tüchern zurück, passend zum Lied „Mamalie“, das der Chor mit ansteckender Begeisterung und einer schönen Trommelbegleitung von Lisa Göcke sang, gefolgt von einem englischen Gospel. „Die Texte dieser Lieder handeln von Freiheit und dem Glauben an Jesus“, erklärte Deppe, bevor ein inniges „Freedom is coming“ erklang.

Der Gastchor des Abends, die „Germania Rocks Neckarhausen“, griff das Afrika-Thema auf; das Ensemble, das ebenfalls von Kleiser­Wälz geleitet wird, baute eine Menge Bewegung in seine flott gesungene Interpretation „The lion sleeps tonight“ ein, tanzte zu „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“ und kam nur bei Nenas „99 Luftballons“ zum Stehen; der Schluss wurde von Bastian und Jonas gesungen, Söhne von Mitgliedern, die Luftballons steigen ließen.

Am Klavier saß Switlana Karikh, wenn die Chorleiterin nicht selbst die Begleitung übernahm. Das tat sie beim letzten Auftritt der Gastgeber, der das Publikum restlos begeisterte.

Los ging es mit „When I’m 64“, gefolgt von zwei Udo-Jürgens-Stimmungsgaranten. Anfangs zaghaft, dann immer kräftiger, kam aus dem Saal das „ohohoho“ bei „Aber bitte mit Sahne“, und das abschließende „Mit 66 Jahren“ sangen dann so ziemlich alle mit.

Nachdem die Vorsitzende Heidi Sacht Gäste, Solisten, Tontechniker Christian Mayer und Bühnenbildner Dieter Korsch mit Blumen oder Weinpräsenten versorgt hatte, endete der Abend noch lange nicht – viele folgten gern ihrer Einladung, noch zu bleiben und das eine oder andere Viertele zu trinken. stk

Von Gospels bis hin zu Evergreens reichte das Repertoire beim gut besuchten Konzert des MGV Sängerbund in der Alten Turnhalle in Großsachsen. BILD: MARCO SCHILLING