Hemsbach Liederkranz – Auf den Flügeln des Gesangs getragen“

Oktober 2017 (Hemsbacher Woche) MGV Liederkranz 1867 feierte sein Jubiläum

 

(bn). Einen beeindruckenden Festabend erlebten die zahlreichen Gäste am vergangenen Wochenende in der Sporthalle des Hemsbacher Bildungszentrums. Der Männergesangverein MGV Liederkranz 1867 Hemsbach hatte zu seinem 150-jährigen Jubiläum eingeladen.

Der Festabend wurde vom erfahrenen Mannheimer Journalisten und Fotografen Dieter Augstein moderiert, der eingangs das Gründungsjahr des MGV – 1867 – Revue passieren ließ: da wurde Kaiserin Elisabeth („Sissi“) zur Königin von Ungarn gekrönt, Kanada wurde unabhängig und Russland verkaufte Alaska an die USA. Nach diesem kurzen zeitgeschichtlichen Rückblick kündigte Augstein den Chor des MGV Liederkranz an. Es wurde ein Abend, wie es einem Gesangverein gebührt: der Chor des MGV begrüßte die Gäste auf seine Art, mit dem Musikvortrag „Weihe des Gesangs“, dem Priesterchor aus Mozarts „Zauberflöte“, Nach dieser und zwei weiteren klassischen Liedern aus dem Repertoire des Chores hieß der Vorsitzende Karl Engelsdorfer die Festgäste mit dem Leitspruch des Vereins: „Dir bin ich treu – Dein bin ich ganz, hell erklingt mein Lied im Liederkranz“ willkommen und übergab das „Wort“ dem MGV-Chor.

Zeitreise durch die Welt des MGV

Die vielbeachtete Festansprache von Bürgermeister Jürgen Kirchner beschäftigte sich mit der Entwicklung des Chores seit der Gründung im Jahre 1867 bis zum diesjährigen Jubiläum. Er erinnerte an die Gründung des ersten Gesangvereins, einer „Liedertafel“, durch den Komponisten und Musikpädagogen Carl Friedrich Zelter“1809 in Berlin und die vielen Schwierigkeiten, mit denen Gesangvereine Zeiten durchlebten, wie die Schreckensjahre der Weltkriege, aus denen viele Gesangesbrüder nicht mehr heimkehrten. Doch ungebrochen waren der Hang und der Drang zur Musik, die Liebe zum Gesang, beschrieb der Bürgermeister die Zeit nach 1945 und den Hunger nach Kultur. So lebte das Musikgeschehen in Hemsbach wieder auf und der MGV Hemsbach prägt seither das kulturelle, das soziale und gesellschaftliche Leben in Hemsbach. Nicht verhehlen wollte Kirchner die Nachwuchsprobleme des Gesangvereins, mit denen übrigens alle Vereine zu kämpfen haben. Er wünschte den Verantwortlichen bei der Suche nach jungen Mitgliedern viel Erfolg: „Sicher müssen neue Wege beschritten werden“ und er riet zu Optimismus und Standhaftigkeit. Zum Abschluss seiner Rede formulierte Jürgen Kirchner seine Wünsche an und für den Verein: „Möge der Liederkranz uns auf den Flügeln des Gesanges noch lange forttragen, weiterhin viele Herzen öffnen, uns viele schöne Auftritte bescheren und auch sangesfreudige Mitglieder anziehen.“

Ehrungen am Festabend

Rudi Neumann, Vorsitzender des Sängerkreises Weinheim, hob die Leistungen des Hemsbacher Männerchores hervor, der durch seine Konzerte, Liederabende und viele andere Veranstaltungen das Kulturgut Musik und Gesang seit 150 Jahren pflegt. Dazu gehören aktive Mitglieder, die dem Verein die Treue halten. „Mit Stolz kann der Liederkranz Hemsbach auf das bisher Geleistete zurückblicken“, erklärte Neumann, assistiert von Willi Hamburger, Ehrenbeauftragter des Gesangvereins aus Weinheim, und überreichte dem Verein vom Badischen und dem Deutschen Chorverband die Ehrenurkunde und vom Land Baden-Württemberg die Conradin-Kreutzer-Tafel. Geehrt für 50 Sängerjahre wurden Willi Höhnig und Peter Kleefisch mit der „Goldenen Ehrennadel“, Werner Walter konnte von Rudi Neumann die „Goldene Ehrennadel 60 Jahre“ und die „Schubert-Medaillle in Silber“ für sechs Jahrzehnte aktives Singen entgegennehmen.

Bürgermeister Jürgen Kirchner und sein Amtsvorgänger, Volker Pauli, erhielten für besondere Verdienste um den Chorgesang die „Goldene Schubertplakette“ des Sängerkreises Weinheim. Der Zweite Vorsitzende des Männergesangvereins, Günter Lohrbächer, dankte dem Vorsitzenden Karl Engelsdorfer für dessen jahrelanges Engagement. Es folgten Grußworte vom SPD­Bundestagsabgeordneten Lothar Binding, sowie von vielen verschiedenen Vereinen aus Hemsbach.

Ein Abend voller Musikbeiträge

Die musikalische Verantwortung der Musikvorträge lag in den Händen der Chordirektorin und Dirigentin Edith Schmitt, die für diesen Abend ein Freundschaftssingen der „Schmitt’chen Chöre“ als Jubiläumsgeste organisiert hatte. Neben Gastgeber Hemsbach präsentierten sich mit Vorträgen der MGV 1888 Liederkranz Viernheim, MGV 1878 Mannheim-Sandhofen, Chorgemeinschaft Buchklingen, Liederkranz 1919 Lampenhain und Xang-Selection. Nach diesen Musikbeiträgen kamen 312 Männer auf die Bühne – es waren alle Sänger des Abends. Unter der Dirigentin Schmitt versetzte dieser Chor die Gäste in luftige, aber stille, dreitausend Meter Höhe. Kraftvoll ertönte das Lied vom „Tal in den Bergen“ – „Benia calastoria“. Der italienische Komponist Bepi di Marzi hat sich einst mit diesem Lied in die Herzen der Bergsteiger verewigt und an diesem Abend die Zuhörer erfreut. Verstärkt wurde der Männerchor anschließend um die Sängerinnen der gemischten Chöre, um den Festgästen einen Wunsch auf den Heimweg mitzugeben: „Gott mit Euch“. Vorsitzender Karl Engelsdorfer dankte zum Abschluss der Festveranstaltung allen Beteiligten, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben und vor allem den Gästen bescheinigte er „eine hohe Aufmerksamkeit bei den Gesangsvorträgen“, so dass der musikalische Teil zum Genuss wurde.

Der zweite Festtag

Den Sonntag der Jubiläumsfeier des traditionsreichen Hemsbacher Gesangvereins gestalteten 19 Gastchöre mit einem Freundschaftssingen. In einer locker ablaufenden Veranstaltung, es war schließlich kein Wettbewerb, traten Chöre aus der Region auf die Bühne und bereiteten damit den Hemsbachern – dem Gesangverein und seinen Gästen – eine stimmungsvolle Geburtstagsfeier.

Der Chor des MGV beim Festabend mit seiner Dirigentin Edith Schmitt. Foto:bn