Hemsbach Liederkranz – Wo Sprache aufhört, beginnt Musik

März 2017 (Weinheimer Nachrichten) Kreissängertag: Hemsbacher Jubelverein richtet das Treffen des Dachverbandes aus / Neue Vorstandsmitglieder gesucht

 

HEMSBACH. Gemeinsamkeit und Pflege des Musikgutes – das zeichnet sowohl den Sängerbund Weinheim, aber auch den Gastgeber des 33. Sängertages, den MGV Liederkranz Hemsbach, aus. Im Saal des Pater-Delp-Gemeindehauses in Hemsbach begrüßte der Vorsitzende des Dachverbandes der regionalen Chöre, Rudi Neumann, die Vorsitzenden, Sänger und Dirigenten der angeschlossenen 38 Vereine mit ihren 58 Chören. Unter das Auditorium hatten sich auch Vertreter der Kommunalpolitik sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete gemischt und lobten den ausrichtenden Verein, wie den Sängerkreis, für ihre Tätigkeit zur Pflege des Liedgutes, wie zur aktiven Beteiligung am Leben in ihren Gemeinden.

Jubiläum des Liederkranz

Seit 150 Jahren ist in Hemsbach der MGV Liederkranz Hemsbach Garant für das kulturelle wie gesellige Angebot organisierter Vokalkunst. Dessen Vorsitzender Karl Engelsdorfer eröffnete die Versammlung und wies auf das Festwochenende seines im Jahre 1867 gegründeten Vereines hin, das am 30. September und 1. Oktober mit einem Festkommers und einem Freundschaftssingen gefeiert wird. Dass wunderschöne Melodien, von geübten Stimmen gesungen, an diesen Tagen keine Mangelware sein werden, stellte der Männerchor des Liederkranz unter musikalischer Leitung von Kreischorleirenn Edith Schmitt unter Beweis, der mit dem Lied „Weihe des Gesangs“ aus Mozarts „Zauberflöte“ und dem Musikstück „Die Dämmerung fällt“ für eine würdige musikalische Eröffnung der Versammlung sorgte. Anlässlich des Totengedenkens für die verstorbenen Mitglieder stimmte das Ensemble das Stück „Media Vita“ an. Zum zweiten Mal seit 2015 begrüßte der Hemsbacher Bürgermeister Jürgen Kirchner den Sängerkreis in seiner Stadt und überbrachte die Grüße der städtischen Gremien. Kirchner gratulierte dem örtlichen Gesangverein für sein Engagement, diese Veranstaltung zu organisieren, und lobte den Verein als den ältesten örtlichen Kulturträger. „Sie sorgen dafür, dass Gesang niemals alt wird“, sagte der Bürgermeister.

Landtagsabgeordneter Georg Wacker freute sich über die Teilnahme an der Veranstaltung, und das aus zwei Gründen. Zum einen sei das Chorwesen eine feste Säule der Ehrenamtslandschaft. Zum zweiten sei er als Berufsmusiker dem Vereinszweck persönlich sehr zugetan. Der Gesang sei eine Betätigung, die nicht nur kulturell von hoher Bedeutung sei, sondern die dem Menschen Gesundheit für Körper und Seele bis ins hohe Alter beschere.

Hohe Bedeutung der Musik

Auch Bundestagsabgeordneter Dr. Karl A. Lamers begrüßte die Gemeinschaft der Sänger. „Wo Sprache aufhört, fängt Musik und Gesang an“, sagte der Bundespolitiker und wies auf die hohe Bedeutung des Gesangs hin. Als Beispiel führte er das europäische Nachbarland Litauen an, wo der Gesang wesentlicher Bestandteil des Protestes zum Erreichen der nationalen Unabhängigkeit gewesen sei.

Bundestagsabgeordneter Lothar Binding ging der Frage nach, warum in den Grußworten die Faszination über das Tun der Sänger dem Sprecher stets anzuhören sei. Diese Faszination entstehe durch das gemeinsam geschaffene Werk der Sänger, bei der Präsentation der Melodien, die durch den Fleiß bei der Probe und das gekonnte Vertonen der Noten zu einem Gesamterlebnis werden, das in seiner Ganzheit größer sei, als die Summe der Teile, aus dem es bestehe.

Jahresbericht

Von einem lebhaften Jahr 2016 berichtete Vorsitzender Rudi Neumann, der im dritten Jahr dem Verband vorsteht. Die Ernennung von zwei Dirigenten zu Kreis-Ehrenchorleitern, Jubiläen und 14 Konzerte seien nicht nur musikalisch, sondern auch im Miteinander harmonisch absolviert worden. Mit dem Chor „Pop 21 Edingen“ sei ein neues Ensemble zu dem Verband hinzugestoßen, darüber hinaus sei bei zwei Chorleiterjubiläen die langjährige Tätigkeit von Dirigenten gewürdigt würden. 91 Jubilare der angeschlossenen Gesangsvereine seien bei 26 Veranstaltungen geehrt worden. Die angeschlossenen Gesangsvereine zählten 6300 Mitglieder und verfügten über je 1000 männliche und weibliche Vokalisten; diese Zahl habe sich im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig verändert. Neumann fügte an, das trotz der erreichten Stabilität der Mitgliederzahlen kein Grund gegeben sei, auf Werbung zu verzichten.

Hamburger will aufhören

Nach 35 Jahren Vorstandstätigkeit wird Ehrungssachbearbeiter Willi Hamburger im nächsten Jahr sein Amt in jüngere Hände abgeben. Die Tatsache, dass für ihn noch kein Nachfolger gefunden worden sei, fordere zu dringendem Handeln auf, sagte Neumann. Schließlich gelte es, mit der Einarbeitung in die Verwaltung der Datenbanken zügig zu beginnen, um einen reibungslosen Übergang zu gewähren.

An dieser Stelle seien die Gesamtvereine ebenso gefragt, wie bei der Suche nach einer Nachfolgerin für die Frauenbeauftragte des Sängerkreises. Kreis- Frauenbeauftragte Ingrid Müller forderte aus diesem Grund Interessierte auf, für diese für die Vereine sehr wichtige Position zu kandidieren. Eine interessante Tätigkeit, viele Begegnungen und schöne Momente habe sie während der Ausübung dieser Position erfahren.

Über getätigte und ausstehende Fortbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten informierte Kreischorleiterin Schmitt in ihrem Bericht. Einstimmig entschied sich die Versammlung, den Dirigenten Meinhard Wind in den Musikausschuss zu wählen.    uf

Einstimmung durch den Jubelverein: Der Männerchor des MGV Liederkranz Hemsbach, der seit 150 Jahren besteht, eröffnete den Kreissängertag mit einigen Liedern. BILD: PHILIPP REIMER