Laudenbach Cantabile – Zwei prächtig aufgelegte Chöre mit toller Mischung

Oktober 2017 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: „Cantabile Bergstraße“ und „Taktfest“ aus Lorsch unter der Leitung von Tobias Freidhof erfreuen ihr Publikum mit einem bunten Strauß aus Liedern

 

LAUDENBACH. Ein tolles Programm mit zwei prächtig aufgelegten Chören in einer ausverkauften TG-Halle – was wünscht man sich als Veranstalter mehr. Der war im vorliegenden Fall am frühen Sonntagabend identisch mit einem der beiden Chöre: „Canrabtle Bergstraße“, dem charmanten chormusikalischen Ableger der Turngemeinde (TGL).

Einen „Streifzug durch Schlager und Pop“ versprachen die Moderatorinnen Katja Zimmer und Sina Brandenburg. Sie vergaßen in ihrer Begrüßung nicht, Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Gerd Duddek, Schulchorchefin Petra Staubach und Christa Pittner als „Vertreterin“ ihres erkrankten Gatten Dr. Klaus­Jürgen Pittner, dem Ehrenvorsitzenden der TGL, zu erwähnen.

„Love, Love, Love“ war die Losung des Abends in betont stimmungsvollem Ambiente, ein ganz und gar liebevolles Programm in ebensolcher Dekoration mit schwebenden Herzen im wechselfarbigen Bühnenlicht, davor auf Podesten die 26 Damen in weißen Jeans und schwarzem T-Shirt. Im schwungvollen Dreivierteltakt nahm der Chor Anlauf mit Giovanni Gastoldis Ode an die Lieder der Freude ,,An hellen Tagen“, an denen Peter Cornelius im deutschen Text „Herzen schlagen“ hört. Es war der Auftakt zu lauter Liebesliedern, fröhlichen („Mit Lieb‘ bin ich umfangen“) und traurigen, wie zum Beispiel das in diesem Zusammenhang unentbehrliche Röslein, das ein Knab‘ einst stehen sah. Es war die Reminiszenz der Damen von „Cantabile“ an die Volksweisen alter Zeiten und sozusagen Vehikel zur Präsentation ihres Repertoires zeitgenössischer Schlagerund Popmusik.

Die kommt unter instrumentaler Begleitung natürlich deutlich einprägsamer daher, was Hariolf Maier am Piano, Gitarrist Markus Neeb und Bruno Bischler am minimalistisch perkussiven Schlagwerk bewiesen. „Tausendmal du“, nicht mehr ganz neu, aber als Dauerbrenner der „Münchener Freiheit“ in aller Ohren, sollte es besiegeln. Der Beifall war adäquat vehement und fand johlenden Höhepunkt nach Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, was alsdann mit Knalleffekt aus dem Hallenhimmel auch geschah. Zugegeben: Bette Midler kann’s besser, dafür aber verteilte „Cantabile“ mit deren Liebesinterpretation „The Rose“ mehrstimmig und mindestens genauso warmherzig so viel Gänsehaut, dass dem gerührten Publikum („Love is a flower“) ganz blümerant wurde. Dermaßen liebevoll eingestimmt, schien Elton Johns Frage „Can you feel the love tonight“ geradezu überflüssig.

„Taktfest“ ist eine rund zwanzigköpfige Formation des Männergesangvereins Lorsch. Auch sie hört, genau wie die Damen von „Cantabile“, auf das unmissverständliche Dirigat von Diplom-Kapellmeister Tobias Freidhof. „Taktfest“ bestritten als stimmgewaltiges Pendant auf gleicher Leistungshöhe den Mittelteil des Konzerts. Recht flott unter der betonten Gestik Freidhofs besangen die Lorscher die Moritat von der „Untreue“ am Mühlenrad im kühlen Grund, gefolgt vom ebenso eiligen und doch im piano wie im forte eindrucksvoll und deutlich akzentuierten „Lindenbaum“. „Dein ist mein ganzes Herz“ (nein, nicht das aus dem Land des Lächelns, sondern das von Heinz Rudolf Kunze) löste mit seiner choralen und dirigistischen Meisterleistung ebenso stürmischen Beifall aus wie „Only you“ (nein, nicht das von den Platters, sondern das von Vince Clarke).

Mit (berechtigten) Vorschusslorbeeren begrüßte das Publikum den Damenchor nach der Pause zum dritten Akt. „You raise me up“ rührt zu Tränen. „Cantabile“ zelebrierten den inspirierenden Pop-Song mit Gospel-Attitüde und kompliziertem Werdegang auf ihre Weise: gefühlvoll getragen mit großem Einsatz und aus vollem Herzen. Beinahe 50 Jahre hat Elton Johns „Your song“

auf dem Buckel und klingt doch verstaubter als manches Volkslied aus dem 16. Jahrhundert. Kein Wunder, Elton hat für die Komposition ganze zehn Minuten gebraucht. Aber es wurde sein erster großer Hit, Grund genug für „Cantabile“, sich daran zu versuchen. Zum Glück gab’s anschließend „You’ll be in my heart“ und „All of me“, wobei sich, Freidhofs Idee, dem Konzert eine Rhythmusgruppe hinzuzufügen, erneut als glücklicher Einfall erwies.

Jedenfalls geriet das Publikum bei dem „verrückten kleinen Ding namens Liebe“ schier aus dem Häuschen und bestätigte schließlich überwältigt, dass sich Liebeskummer nicht lohne.

Geschafft und im höchsten Maße erleichtert dankten die beiden Moderatorinnen und Chorchefin Alma Zimmer allen im Saal und besonders Tobias Freidhof. Der beorderte die taktfesten Lorscher Männer zu den Damen auf das Podest zum Zweck der gemeinsamen Weltpremiere mit „Bababa – Barbara Ann“ der legendären Beach Boys – chormusikalisch hinreichend chaotisch, aber außerordentlich lustig.   he

Der Frauenchor „Cantabile Bergstraße“, der charmante chormusikalische Ableger der Turngemeinde Laudenbach, stellte seine Vielseitigkeit unter Beweis. BILD: MARCO SCHILLING