Laudenbach Singverein – Dem Phänomen ABBA gehuldigt

Mai  2017 (Weinheimer Nachrichten) Singverein: 25 Damen von CaraMia entführen in der katholischen Kirche in die musikalische Welt der schwedischen Kultband / Auch Vokalgruppe „Joyful Voices“ singt

 

LAUDENBACH. Singen stelle ein Humanum dar, eine unverzichtbare, elementare und emotionale Lebensäußerung des Menschen. Sagt man. Zu beweisen war es mit „Mamma Mia“, dem Laudenbacher Chor-Konzertereignis des Jahres schlechthin. Die 25 Damen von CaraMia, dem fest gefügten Frauenchor des Singvereins, huldigten am Samstagabend dem Phänomen „ABBA“ und würzten unter der Gesamtleitung ihres Chorchefs Friedemann Stihler mit Chor und Bigband des Bergstraßengymnasiums und der wunderbaren Mannheimer Vokalgruppe „Joyful Voices“ kräftig nach.

Dass der Singverein die chorerprobte katholische Kirche ausgesucht hatte, kam dem Klangerlebnis sehr entgegen, war indes als Ort popmusikalischen Geschehens nicht ganz alltäglich. Entsprechend herzlich fiel der Dank aus, den Singvereinschef Friedhelm Stiller an den Hausherrn und Pfarrer Klaus Rapp richtete. In der proppenvollen Kirche begrüßte Stiller die Gäste, zu denen sich Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Gerd Duddek ebenso gesellt hatte wie die Repräsentantin des Sängerkreises Weinheim, Theresa Raab, überließ die Moderation aber Alexandra Dietz. Die „Frau für die Gefühle“ (Stiller), charmant und – als Mitglied der Joyful Voices – höchst sachkundig, lud ein zum Mitsingen, Mitschunkeln und Mitwippen. Jedoch vorerst ohne nennenswerten Erfolg.

Denn die zwölf Mädels und Jungs der Bigband hatten unter der Stabführung von Klaus Weimar mit Paul McCartneys „Say Say Say“ alle Mühe, den Nachhall ihrer Blasinstrumente im hohen Kirchenraum zu bändigen. Großes Kompliment: Es gelang ihnen im sonoren Sound einer Brassband und als sie eine Stunde später „Lady Madonna“ ins Auditorium feuerten, war jedwede Nervosität sowieso vergessen. Gegen diese unvermeidliche Erfahrung mussten auch die jungen Damen und Herren (Dietz: „Lauter coole Menschen“) vom Schülerchor ankämpfen. Lukas Grahams „Seven Years“, die melancholische Rückbesinnung an verkorkste Ratschläge, kam daher in Begleitung der famosen dreiköpfigen Rhythmusgruppe plus Pianist Patrick Schilling und unter dem temperamentvollen Dirigat von Maria Löll entsprechend zögerlich.

Doch „Drops of Iupiter“ (Train) lösten die Spannung deutlich; gleichwohl wünschte man der 17-köpfigen Sangestruppe mit dem bemerkenswerten Männeranteil mehr Mut. In memoriam ABBA, nämlich ganz in Weiß mit glitzerfarbigen Akzenten, bestätigten die Damen von CaraMia in bester Sangeslaune das Motto des Abends mit „Mamma Mia“, und bemerkten mehrstimmig und fein austariert mit dem zuversichtlichen „Femendo“, dass da so etwas wie Freiheit in der Luft liege. Lauter weltbekannte Hits zum Mitsingen, ganz wie Alexandra Diefz es inzwischen mit deutlich mehr Erfolg – beim Publikum reklamierte, und bei „Knowing me, knowing you“ war der Bann sowieso gebrochen. Beziehungsweise der Damm, denn mit „Rhythm oft he rain“ (Cascades) machte Friedemann Stihler unmissverständlich klar, dass er in seinen Chören den musikalischen Anspruch ganz oben ansetzt.

„Joyful voices“ sind neben CaraMia der beste Beweis. Nur sechs Damen, rhythmisch getragen von zwei Herren, mischten das Publikum zu dessen hörbarem Vergnügen gehörig auf, und animierten die Luftschlagzeuger im Saal beim gut gelaunten „Daydream Lullaby“ in verhalten-komödiantischer Performance unmerklich, aber höchst wirksam, zum Mittrommeln. „Noch mehr Euphorie“ verlangte die aufgedrehte Moderatorin vom Publikum, was beim nachdenklichen „Chiquitta“, mit dem CaraMia Schauer des Wohlbefindens über den Rücken träufelte, nicht so ganz einfach war, bei „Money Money“ unter begeistertem Beifall aber prächtig funktionierte.

Im zweiten Programmteil, den die Bigband mit ihren „sexy Instrumenten“ (Dietz) einleitete, ließen die „Joytul voices“ endgültig keinen Zweifel mehr daran, wo es lang läuft. „This little light of mine“ fand als Spiritual fetzig, laut und fröhlich in der Kirche seinen angestammten Platz, was Solistin Astrid Bauer in einer erschütternden Mahalia-Jackson-Interpretation mit „To me it’s so wonderful“ unterstrich. Die Begeisterung des Publikums kannte keine Grenzen, Joyful Voices warfen das Programm über den Haufen und setzten mit „Born again“ (umwerfendes Solo von Anja Bachert) und „Joy to you and me“ so rasant nach, dass die Begleitband ins Straucheln geriet. Mit „Waterloo“, demABBA-Siegertitel aus einer Zeit, als im „ESC“ noch richtig gesungen wurde, leitete CaraMia den Reigen der gnadenlos herbeiapplaudierten Zugaben ein, die ihren Gipfel im großen ABBA-Medley und – natürlich – im Dank an die himmlischen Mächte fand: „Thank you for the music“.

Die Hiobsbotschaft des Abend sparten sich die darob zu Tränen gerührte Moderatorin Alexandra Dietz und Singvereinschef Friedhelm Stiller bis zum Schluss auf: Friedemann Stihler, Stabführer von CaraMia und den Joyful Voices, verabschiedet sich im Juni von seinen Chören mit Ziel USA, wo er sich neuen chormusikalischen Herausforderungen stellen will. he

Der Frauenchor CaraMia begeisterte mit Abba-Songs das Publikum in der katholischen Kirche. Auch die Vokalgruppe „Joyful Voices“ (Bild) überzeugte.   BILD: SASCHA LOTZ.