Laudenbach Singverein – Mit Clapton auf Weimartour eingestimmt

September 2017 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Chöre des Singvereins treten im Vorfeld ihrer sechstägigen Reise zum Konzert mit dem Philharmonischen Chor Weimar in der Aula der Sonnbergschule auf

 

LAUDENBACH. Die „sturmerprobten“ Damen und Herren der beiden Chöre des Singvereins haben viele Konzerte in ihrer Bergsträßer Heimat und weit darüber hinaus gegeben. Mit den Partituren und Liedern unzähliger Komponisten haben sie ihre Zuhörer gefesselt. Und doch blicken sie mit einem kleinen Lampenfieber auf die sechstätige Reise, die sie von Freitag an nach Weimar, Görlitz und Bautzen führen wird.

Höhepunkt der Ausfahrt ist nämlich ein Konzert, das die Laudenbacher Sänger gemeinsam mit dem Philharmonischen Chor Weimar aus Anlass dessen 40-jährigem Bestehen geben werden. Es ist also große Ehre und Vergnügen gleichzeitig, dem Ruf der Weimarer Freunde, zu denen der Singverein seit mehr als 25 Jahren eine prachtvoll funktionierende Vereinspartnerschaft pflegt, zu folgen. Noblesse oblige – Grund genug, dem ohnehin reichhaltigen Repertoire den passenden musikalischen Rahmen zu geben und in langen Probeabenden auch einzuüben, was chormusikalischen Bezug zu Weimar hat.

Das hörenswerte Ergebnis haben Chordirektor Thomas Wind und Andreas Luca Beraldo, die Chefs am Pult von Männerchor und dem Frauenchor CaraMia, am Freitagabend in der Aula der Sonnbergschule präsentiert, wo Singvereinschef Friedhelm Stiller ein zwar erwartungsfrohes, aber nicht allzu zahlreiches Publikum begrüßte. Die 29 Damen von „CaraMia“ hören seit wenigen Wochen auf Wort und Gestik ihres neuen Dirigenten Andreas Luca Beraldo.

Sie eröffneten den Liederabend frühlingshaft beschwingt mit Giovanni Gastoldis „An hellen Tagen“, einem 400 Jahre alten Schlager und folglich im Text arg lyrisch, musikalisch aber jedenfalls auch für heutige Ohren nachvollziehbar. Erst recht gilt das für die drei Stücke, die Beraldo aus dem Fundus des zeitgenössischen Komponisten Lorenz Maierhofer gefiltert hat. „Have a nice day“ kommt ordentlich swingend daher, ebenso aktuell und vielstimmig wie Eric Claptons „Tears in heaven“.

Die Damen verabschiedeten sich gutgelaunt mit „Good bye with a smile“ und nahmen dankbar den angesichts des harmonischen Vortrags und des engagierten Auftritts anhaltend warmherzigen Beifall des Publikums entgegen, ebenso strahlend aber auch die verdient hocherhobenen Daumen ihres Dirigenten. Als „Schubertiade“ bezeichnete die gediegene Bürgerschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts musikalische Zusammenkünfte, bei denen man die von Dichtem und Librettisten verfassten Texte in der Musik von Franz Schubert genoss.

Schwere Kost für unser heutiges Alltagsgemüt, das Singverein-Vize Heinz Hannemann in erklärenden Worten behutsam auf hohes Niveau einstimmte.

Vier thematisch verwandte Lieder hatte Chordirektor Thomas Wind aus der Sammlung der Schubertiaden gewählt – für die rund 40 Sänger des Männerchors eine große Herausforderung, die sie mit Ernst und mentalem Einsatz bravourös meisterten.

Wind selbst überraschte, als er die Teile der Partituren solistisch mit klarem Tenor zusammenfügte. Beifall erlaubte er erst am Ende dieses ersten Liedzyklus im „Abschied“ mit den aufmunternden Worten „Hoch die Freundschaft, hoch der Wein“.

Weimar ohne Goethe geht gar nicht“, ließ Heinz Hannemann wissen, worauf der Chor „Wanderers Nachtlied“ in einer Vertonung von Kurt Lissmann anbot und mit „Ergo bibamus“ daran erinnerte, dass in der alten Zeit nicht alles trist und staubig war oder, wie Goethe zu sagen pflegte: „Andere verschlafen ihren Rausch, meiner steht auf dem Papier“.

Akzentuiert und sehr getragen folgten die Sänger dem Dirigenten bei Eichendorffs „Komm Trost der Welt“ und leiteten mit „Der Jäger Abschied“ (Aha-Effekt: „Wer hat dich du schöner Wald … „) über zum eher volkstümlichen Liedgut.

Geradezu beispielhaft ist da das wunderschöne, aber eben auch sehr traurige Lied vom Liebchen, das aus dem Haus beim Mühlenrad verschwunden ist und natürlich „Der Lindenbaum“, ebenfalls aus der Feder Friedrich Silchers. Albrecht Wunderle gab den Liedern am Piano den musikalischen Zusammenhalt.

„Vivat la musica“ beschwor der Männerchor schließlich in nicht enden wollender Textschleife die Allmacht der Musik und erntete dafür und für diesen bemerkenswerten Liederabend insgesamt den verdienten Beifall: Weimar und seine Herausforderungen mögen kommen!  he

Der Frauenchor des Singvereins CaraMia (Bild) erfreute beim Konzert in der Sonnbergschule genauso wie der Männerchor. Das Konzert diente als Vorbereitung auf die Reise nach Weimar, zum Jubiläum des befreundeten Chors. BILD: MARCO SCHILLING