Leutershausen Sängereinheit – Frauen und Männer verschmelzen zu einem Klangkörper

April 2016 (Weinheimer Nachrichten) Chöre der Sängereinheit überzeugen beim Auftritt auch mit Gospels die Zuhörer in der Wallfahrtskirche

 

LEUTERSHAUSEN. Beinahe 20 Jahre ist es her, dass die Sängereinheit 1864 Leutershausen ein Konzert in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes gegeben hat. In diesem Jahr war es wieder so weit. Sängerinnen und Sänger erhoben wieder ihre Stimmen zum Lobgesang des Herrn. Der musikalische Leiter, Musikdirektor Thomas Reiß, hatte ein vielseitiges Programm für die Zuschauer zusammengestellt. Beide Chöre hatten viele Wochen zusammen geprobt, um den Gästen einen besonderen Konzertabend bereiten zu können. Das Interesse der Musikfreunde war riesig und so waren die Bänke und zusätzlich gestellten Stuhlreihen der großen Pfarrkirche gefüllt.

Eröffnet wurde das Konzert von den Aktiven des Männerchors mit Liedern der Komponisten Beethoven und Cherubini, die mit ihrer Musik die musikalische Epoche der Romantik einläuteten und damit den Beginn der großen Männerchorliteratur, die ihre Fortsetzung einige Jahre später mit Schubert fand. Doch der Männerchor war nicht nur großartig in der Interpretation der klassischen Männerchorwerke, sondern überzeugte auch in diesem Konzert mit Gospels und Spirituals, die teilweise in der Originalsprache Englisch und Latein gesungen wurden. Obwohl die mehrstimmigen Harmonien der klassischen Stücke „Dona Pacem“ und „0 Herr welch ein Abend“ perfekt präsentiert wurden, rissen die modernen Gospels und Spirituals das Publikum mehr mit.

Hofsänger Frank Häser zu Gast

Während des Stücks „Marching in the Light of God“ wippten sogar die meisten Füße in den Sitzreihen mit. Bei „Roll Jordan Roll“ und „Gelobt, gepriesen“ brillierten dabei vor allem die Solisten Dominik Richter, Gerd Schmitt, Christina Pietsch­Lang und der Mainzer Bass, Hofsänger Frank Häser, der schon im Jubiläumsjahr zusammen mit dem Männerchor aufgetreten war. Obwohl das Niveau der Sänger generell sehr hoch war, stach Häser mit seiner tiefen und vor allem voluminösen Stimme deutlich heraus – Profi

ist eben Profi. Einer der Höhepunkte des Konzerts war das Finale aus Giuseppe Verdis Oper „Die Macht des Schicksals“, in dem Häser und Chorsolistin Pietsch-Lang die Solopartien übernahmen. „Es ist schön, dass Frank Häser immer wieder mit uns singt“, merkte ein Mitglied des Frauenchores an, das vom Auftritt des Bass-Sängers ganz ergriffen war. Auch der Part des Frauenchors zeigte sich vielseitig und abwechslungsreich.

Wie im Eröffnungsteil des Männerchors durften sich die Zuschauer zuerst auf traditionelle geistliche Gesänge freuen. Besonders war dabei „Panis Angeliscus“ von Cesar Franck, in dem Frauenchor und Solistin sich in einer Art Echo-Gesang abwechselten.

Schon seit der Gründung des Frauenchors im Jahr 1982 sind in der Literatursammlung der Sängerinnen moderne Stücke enthalten. So sangen die Aktiven des Frauenchors auch in diesem Konzert viele englischsprachige Stücke, die teilweise in der Tradition der Gospels und Spirituals stehen.

Doch nicht nur geistliche Gesänge wurden von den Damen dargebracht. Auch den gesungenen Wunsch nach Frieden in der Welt, angelehnt an die berühmte Rede des Menschenrechtlers Martin Luther Kings, erklangen in der Pfarrkirche St. Johannes.

Hausherr Pfarrer Gerhard Schrimpf ließ es sich natürlich nicht nehmen, ein paar Worte an die Konzertbesucher zu richten. Erinnerte daran, dass die Musik etwas ist, das Menschen aus Afrika, Syrien, dem Irak und natürlich Deutschland zusammenbringt. Er selbst erlebe dies immer wieder im Pfarrhaus, wo sich Flüchtlinge zum gemeinsamen Musizieren treffen. Schrimpf hob auch den gesellschaftlichen Stellenwert der Sängereinheit hervor, die seit über 150 Jahren die Gemeinde prägt. Schrimpf: „Ihnen allen gilt Anerkennung für das, was Sie tun und ich wünsche, dass die Musik auch weiterhin in Ihre Herzen strahlen werde.“

Dass Männer- und Frauenchor Konzerte gemeinsam beschließen, ist mittlerweile zur Tradition geworden. Wie im gesamten Verlauf des Konzerts fanden sich auch im letzten Teil des Abends eine Mischung aus traditionellen Weisen und moderner Chorliteratur. Großer Höhepunkt zum Schluss war das berühmte Chorwerk „Halleluja“, das noch mal alle Zuschauer mitnahm

und für nicht enden wollenden Applaus sorgte.

Dass Männer und Frauen eigentlich getrennt singen, hätte keiner gemerkt, verschmolzen sie doch beim musizieren zu einer festen Einheit. Auch im kommenden Jahr wollen die Sängerinnen und Sänger wieder gemeinsam auftreten. soe

00-16 leutershausen se 4-20

Nach vielen Jahren erfreuten die Chöre der Leutershausener Sängereinheit die Zuhörer in der voll besetzten katholischen Wallfahrtskirche. BILD: GUTSCHALK