Schriesheim Eintracht – Haustiere und Männer bedürfen Führung

Januar 2017 (Weinheimer Nachrichten) Laienschauspiel: Eintracht spielt die Komödie „Männer im Herbst“ in der KSV-Halle / SVK-Vorsitzender Jürgen Gustke führt erstmals die Regie

 

SCHRIESHEIM/LEUTERSHAUSEN. Die Eintrachtfamilie war die erste, die in den Genuss des neuen Stücks der Theatergruppe kam. Doch bevor der Vorhang in der KSV-Halle sich öffnete, ehrte Vorsitzender Helmut Hölzel viele aktive Sänger, die in keiner Singstunde gefehlt hatten. Dank auch für die Helfer, die ihre Freizeit dem Verein opfern. Und wenn sich der Männerchor komplett vor der Bühne aufstellt, dann gibt es auch musikalische Leckerbissen.

Dreimal ertönt der Gong, dann öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf ein spießiges Wohnzimmer, in dem die fleißige Hausfrau (Erika Hölzel) den Staubwedel schwingt. Natürlich könnte die Geschichte der „Männer im Herbst“, die von ihren herrischen Frauen von Tisch und Bett verwiesen werden, überall spielen. Doch natürlich mischt die Bergsträßer Heimatbühne dem Stück einen lokalen Bezug bei: Beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster sieht man die Strahlenburg und die Weinberge.

Regie führte zum ersten Mal Jürgen Gustke, der auch die Rolle eines Pantoffelhelden spielt. Zudem ist Gustke seit Jahren Vorsitzender des Sing- und Volkstanzkreises Leutershausen und hält zur Storchekerwe auch die Kerweredd. Dass er ein Vollprofi im Boulevardfach ist, das ist bekannt. Doch dass er auch die Kunst der Regieführung beherrscht, das genoss das Publikum in vollen Zügen. Er stellte eine turbulente, kurzweilige Komödie mit einem total überraschenden Finale auf die Bühne.

Wenn sich Paare scheiden lassen, dann funkeln in den Augen der knallharten Scheidungsanwältin Verena Trenner (Sandra Hölzel) die Dollarzeichen. Sie vertritt zwei Damen: Constanze Schulze (Steffi Hildenbeutel), eine von Reblaus, die weit unter ihrem Stand den einfach gestrickten Busfahrer Charly Schulze (Michael Krämer) geheiratet hatte und Ausschau nach einem Mann mit Niveau hält. Zudem Elvira von Bumhold, Frau eines Forschers, der das Verhalten der Vogelspinne untersucht. Auf der Suche nach einem möblierten Zimmer kommen sie in das Haus der resoluten Berta Backes (Erika Hölzel), die gezwungen ist, zwei Zimmer in ihrem Haus zu vermieten, nur weil ihr Mann das ganze Vermögen verzockt hat. Viel zu melden hat der arme Heinz (Jürgen Gustke) wahrlich nicht, er steht unter der Fuchtel seiner herrischen Frau. Sie herrscht unter der Devise „Haustiere und Ehemänner bedürfen strenger Führung“. Zwei Leidensgenossen, beide von ihren Ehefrauen verjagte Männer, bewerben sich um ein Zimmer bei Familie Backes und bilden recht schnell mit dem Hausherrn eine „Männerschicksalsgemeinschaft“.

In den Hafen der Ehe will jedoch der in Lilli (Shaleen Flade), die Tochter des Hauses; verliebte Postbote Jens Stempel, dargestellt von Jürgen Mohr. Er scheitert an der resoluten Mutter. Der komische Höhepunkt ist dann das gemeinsame Kochen der Männer, das sie mit reichlich Whiskey begießen. Die spröde Anwältin trinkt auch davon, zeigt dann menschliche Züge und rät zur Einigung, um einen Haufen Geld zu sparen.

Ende gut, alles gut: Die Ehefrauen tauschen ihre Männer, und auch Lilly bekommt ihren Postboten, unter der Voraussetzung, dass er bald befördert wird. Es ist ein erfrischendes Stück mit enormem Lachpotenzial. Stehende Ovationen sind der Lohn für den wunderbaren Boulevard-Theater-Abend. Applaus, auch für die beiden Souffleusen Anette Edelmann-Scheid und Erika Bock,

ebenso für die Maskenbildnerinnen, Monika Harbarth-Würz und Erika Bock.

Das Stück ist am 5. Januar um 19 Uhr, am 6. Januar um 17 Uhr sowie am 7. Januar um 19 Uhr in der KSV­Halle zu sehen. Zudem am 22.Januar um 15.30 Uhr in der Keltensteinhalle in Rippenweier. Der Eintritt beträgt zehn Euro. greg

Prost: Die Herrenriege im Stück „Männer im Herbst“ will kochen, genießt aber vor allem jede Menge Whiskey. Natürlich gibt es am Ende ein Happy End.  BILD: GERLINDE GREGOR

SVK-Vorsitzender Jürgen Gustke führte erstmals Regie bei dem Stück der Bergsträßer Heimatbühne.  ARCHIVBILD: FRITZ KOPETZKY