Schriesheim Liederkranz – Auch der Terroropfer gedacht

November 2015 (Rhein-Neckar-Zeitung) Totengedenkfeiern des MGV Eintracht und des GV Liederkranz

 

Schriesheim. (sk) Der GV Liederkranz und der MGV Eintracht gedachten am Wochenende ihrer Verstorbenen.

Mit einem bretonischen Volkslied begann die Eintracht ihr Totengedenken; es war ein Zeichen der Trauer um die Opfer der Terroranschläge im Nachbarland. Vorsitzender Helmut Hölzel erinnerte später an die acht Mitglieder, die der Verein im Laufe des Jahres verlor, ließ den vielen Besuchern in der Friedhofskapelle aber auch Raum für ihre eigenen Gedanken. Vom Trauern erzählte auch der evangelische Pfarrer Lothar Mößner in seiner Predigt über die Begegnung, die zwei Jünger mit dem gerade auferstandenen Jesus hatten. Er begleitete sie auf dem Weg ins Dorf Emmaus, und der Geistliche bemerkte: „Einen schweren Weg geht man besser gemeinsam als allein.“ Das Sprechen über ihren Verlust habe den Männern geholfen, sie hätten gemerkt, dass da einer war, der keinen Bogen um sie machte und sich ihre Gedanken, Sorgen und Fragen geduldig anhörte. Deshalb hätten sie ihn auch gebeten, zu bleiben, und erst später erkannten sie, wer er in Wirklichkeit war.

„Vater unser im Himmel“ und zuvor „Wenn der Tag zu Ende geht“ waren zwei weitere Gesangsstücke des Chors, bevor Solist Peter Brenner, begleitet von Chorleiter Hans Kaspar Scharf am Klavier, einen tiefgründigen „Mississippi-Blues“ anstimmte. Noch einmal war Brenner mit einem Solo zu hören, ebenso wie Vizedirigent Markus Hölzel. Beide ließen die Gedenkstunde zusammen mit dem Chor in einem melodischen Spiritual ausklingen.

Eine zarte, getragene Version von „Ich bete an die Macht der Liebe“ eröffnete das Totengedenken beim Liederkranz-Denkmal. Am Stammplatz hoch über der Strahlenburg eröffnete diesmal der Liederkranz-Frauenchor die Feierstunde und ließ die „Irischen Segenswünsche“ folgen.

„Es gibt viel Trauriges auf der Welt und viel Schönes. Manchmal scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben, als man ertragen kann“, zitierte Vorsitzender Klaus Urban eingangs Hugo von Hofmannsthal und bezog sich auf die Terroranschläge von Paris, die Not und die Bürgerkriege in Syrien oder Afrika, die die Ursache für die gewaltigen Flüchtlingsströme seien. Eingedenk des mittlerweile 70 Jahre alten Friedens in Europa gelte es, „mahnend unsere Stimme zu erheben“ für den Erhalt des Friedens: „Denn das Vergessen gibt Nährboden für neue Konflikte.“

Zum Traurigen gehöre auch der Verlust lieber Menschen; neun Vereinsmitglieder und drei Angehörige von Mitgliedern waren in diesem Jahr verstorben. Ihrer wurde mit einer Schweigeminute gedacht, bevor ein Kranz mit schlichter weißer Schleife am Denkmal niedergelegt wurde. Tröstend ging es weiter mit dem Hofmannsthal-Zitat: „Dann stärkt sich indessen leise das Schöne und berührt wieder unsere Seele.“ Dazu passten die beiden Stücke, die der Männerchor zum Abschluss vortrug: „Sanctus“ und „Frieden“ intonierten die Sänger gemächlich über den Dächern der Weinstadt.

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Die Gedenkstunde der Eintracht (o.) fand in der Friedhofskapelle statt, der Liederkranz traf sich an seinem Denkmal. Fotos: Dorn