Schriesheim Liederkranz – Junge Stimmen für Nepal

Dezember 2015 (Rhein-Neckar-Zeitung) Das beeindruckende Benefizkonzert zugunsten des Wiederaufbaus eines Kinderheims in Kathmandu brachte gut 1000 Euro ein

 

Schriesheim. (sk) „Ich hatte befürchtet, dass nur die Eltern oder Großeltern kommen würden“, sagte Heidi Kreuzwieser und versuchte, noch ein Fenster des evangelischen Gemeindehauses zu kippen. Sie täuschte sich gründlich: Jeder Stuhl war besetzt, ebenso die Fensterbänke, sogar die Tische mit den Flugblättern, und weitere Besucher standen dicht an dicht im Eingangsbereich. An die Fenster kam niemand mehr heran, also zog Kreuzwieser die Eingangstür auf, während ihre Mitstreiterin Renate Schulz die Begrüßung übernahm und sich die Nachwuchs-Chöre aufstellten: Knapp 50 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 20 Jahren, abgesehen von zwei erwachsenen „Helfern“ des Liederkranz-Männerchors, drängten sich auf der Bühne und leiteten das Nepal-Benefizkonzert ein mit dem klangstarken Kanon „Wünsch mir die Welt“.

Der Kinder- und Jugendchor des GV Liederkranz, die „Xong-Band“ mit Leiter Jens Nobiling sowie der Chor der Kurpfalz-Grundschule hatten knapp anderthalb Stunden Musik vorbereitet, darunter einen „Rap“, ein flottes Lied mit Zungenbrecher-Text und Kostproben aus dem Musical „Das Vierfarbenland“, zu denen Irmtrud Menz ihren Kinderchor dirigierte. Bewegungsspiele gehörten dazu, die das Ganze noch lebendiger machten und auch die jungen Sänger begeisterten. Elisabeth Marechs Schulchor trug ein Nonsenslied bei, und später am Abend sangen beide Chöre Adventslieder wie das anrührende Maierhofer-Stück „Engel gucken schon ums Eck“. Ihren ersten Konzertteil beendeten beide Kinderchöre mit einem gemeinsamen Lied von Margarethe Jehn. Zu „Geh mit mir, damit es wahr wird“ gingen sie eine Runde durch den Saal, einander an den Händen haltend. Das Symbol der Solidarität passte perfekt zu dem Konzert, bei dem die Besucher um Spenden für den Wiederaufbau des PAORC­Kinderheims in Kathmandu gebeten wurden. Der Dritte im Organisationsteam, Dr. Dieter Alt, hielt nun einen Vortrag über die Lage in dem erdbebengeplagten Land. Auf aktuellen Bildern bekam man einen Eindruck von den Arbeiten am Wiederaufbau des Kinderheims, für das die Schriesheimer bereits 13000 Euro spendeten. Wurden die Häuser früher aus Lehm und Glasflaschen errichtet, so erhalten die sieben Gebäude für 164 Kinder in Kathmandu und Gorkha nun ein stabiles Holzgerüst und Fachwerk. Heimleiter Sudarma Karki dankte in einem Brief in perfektem Deutsch, den Alt verlas, für die „überwältigende Hilfsbereitschaft aus Schriesheim“, die ihn mit großer Dankbarkeit erfülle: „Ein sicheres Umfeld für die Kinder und Bildung sind die Basis für den Weg in die Zukunft dieses Landes.“ Da wusste der Nepalese noch nicht, dass die Schriesheimer auch bei diesem Konzert sehr spendabel waren: In den Körbchen am Ausgang stapelten sich die Scheine, und als das Geld am Ende gezählt wurde, waren auch die Veranstalter überwältigt: Gut 1000 Euro kamen zusammen.

Der Erfolg war auch dem Jugendchor zu verdanken, der an diesem Abend mit stimmungsvollen Stücken und drei hoch musikalischen Solisten aufwartete. Sofia Hartmann sang ein wunderschönes „Oceans“ aus dem Album, „Ziori“ von Hillsong United, Lotte Pfleghars glasklare Stimme erklang zu „Make You Feel My Love“ von Bob Dylan, und Sherwin Ramzani gab einen großartigen Affenkönig aus dem „Dschungelbuch“, als er die englische Version von „Ich wär so gern wie du“ vortrug.

Die Jugendlichen hätten ihre Stimmen erhoben, sagte Lothar Mößner, und diese Stimmen würden bis nach Nepal reichen. Als Gastgeber bedankte sich der evangelische Pfarrer und betonte, dass der Mensch die Wahl habe, die Welt ein bisschen heller zu machen. „Wir haben die Wahl“ war eine Textzeile aus“ We Are The World“ von Michael Jackson. Das ergreifende Stück beschloss das Konzert, und, weil es so schön war, wurde es auch gleich noch einmal als Zugabe gespielt.

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Der Kinder- und Jugendchor des GV Liederkranz und der Chor der Kurpfalz-Grundschule sangen im evangelischen Gemeindehaus in der Kirchstraße. Foto: Kreutzer