Sulzbach Liederkranz – Zweifache Ehrung krönt fünf Jahrzehnte

März 2016 (Weinheimer Nachrichten) Konzert MGV „Liederkranz“ Sulzbach verabschiedet seinen Dirigenten Ludwig Reinhard / Frauen, Kinder und Solisten präsentieren viele Facetten des Chorgesangs

 

SULZBACH. Am Ende hielt es keinen Besucher auf dem Stuhl. Alle applaudierten stehend im ausverkauften Gemeindesaal Ludwig Reinhard, dem Dirigenten, um den sich am Samstagabend alles drehte. 50 Jahre haben den Schriesheimer und die Sänger des MGV „Liederkranz“ Sulzbach regelrecht zusammengeschweißt. Wie sich das gesanglich anhört, war vor allem in den letzten

fünf Liedern dieses Abschiedskonzerts zu hören. Reinhard ließ den Chor mit seinen 46 Aktiven im Bass wie im Tenor im Einklang schwingen, in „My Lord, What A Mornin'“ – einem Paradestück des Chores – oder „There Is A Balm In Gilead“ Weite und Tiefe entfalten. Viel Pathetik und Emotion kam von der Bühne, wo Reinhard in einem extra gebauten, vorgelagerten Dirigentenstand alles gab und leidenschaftlich zu Werke ging.

Auf den Fensterbänken flackerten Kerzen in Kandelabern, glänzten einige goldene Pokale als Zeugnisse erfolgreicher Chorarbeit, die nun in die Hände von Reinhards Nachfolger Björn Karg übergeht, der ebenfalls im Publikum saß und dem Reinhard in seiner Abschiedsrede viele neue Sänger, eine glückliche Hand und „beste musikalische Erfolge“ wünschte. Das sich Messen mit anderen Chören war Reinhard immer wichtig.

Sensibilität und Ehrgeiz

Dass bei den Reden zu seinem Abschied auch Ehefrau Helga und seine drei Kinder mehrfach erwähnt wurden, sprach für den Familienmensch, der aber auch das Glück hatte, eine verständnisvolle Familie zu haben, die das jahrzehntelange Engagement für den Chorgesang mittrug. Vereinsvorsitzender Jochen Weber sprach von einem zuverlässigen Dirigenten, der sein eigenes Leben auf den Terminkalender des Vereins ausrichtete. Der Chor habe stets vom Einfühlungsvermögen und vom Ehrgeiz seines Dirigenten profitiert. Der Vorsitzende des Sängerkreises Weinheim, Rudi Neumann, seines Zeichens auch aktiver „Liederkränzler“, schrieb Reinhard Fachwissen und Können, gepaart mit Menschlichkeit, zu. Beide, Weber und Neumann, überreichten Urkunden, die Ludwig Reinhard zum Ehrenchorleiter des MGV „Liederkranz“ Sulzbach und zum Ehren-Kreischorleiter machten. Außerdem gab’s von Neumann eine Stimmgabel für den Dirigenten und einen Dirigentenstab für seine Frau, die ja doch letztlich den Ton angebe, scherzte Neumann in seiner bekannten Art.

Albert Klosa entfachte 1965 beim damals 22-jährigen Reinhard das Dirigentenfieber. 1966 wurde er unter Vorsitzendem Kurt Schork beim „Liederkranz“ Sulzbach Nachfolger von Eugen Zickwolf.

Eine Frau, die ebenfalls die Leidenschaft für den Chorgesang an Sängerinnen und Sänger weitergibt, war am Samstag ebenfalls im Gemeindesaal präsent. Peny Bauer führte den rund 30 Sängerinnen starken „Liederkranz“ ­ Frauenchor durch Volkslieder aus aller Welt und ergreifende Stücke wie den Musical-Evergreen „Memory“ aus „Cats“ oder den Elton John­Hit „Can You Feel The Love To night“. Die Ausflüge des Frauenchors in eine romantische, beseelte Welt versah Pianistin Renny Löffler durch ihre sensible Begleitung mit zusätzlichen Farbtupfern. Und wie eine stimmige Ergänzung trat zu Beginn der zweiten Programmhälfte Sopranistin Tanja Neuthinger-Gärtner ans Mikrofon und entführte zusammen mit Robin Keim in „Think Of You“ aus dem Phantom der Oper in die Musical-Welt.

Der launig und humorvoll durchs Programm führende Christian Behrens machte sich einen besonderen Spaß daraus, die „Disharmoniker“ des „Liederkranzes“ anzusagen. Die acht erfahrenen Sänger lobten im Kleinchor in nostalgischen Tönen die Vorzüge von Männern mit graumelierten Haaren und bekannten selbstironisch „Wir sind die alten Säcke“, ehe sie zusammen mit Tanja Neuthinger-Gärtner mit „Time To Say Goodbye“ die eine oder andere Träne in die Augen zauberten.

Einem unter dem Zeichen des Abschieds stehenden Abend tat auch ein Blick in die Zukunft gut. Den gab es gleich zum Programmauftakt, als Ulrike Klötzke-Demuth mit dem Chor der Carl-Orff-Grundschule und den Liedern „Das singende Känguru“ und „Twist Annabelle“ gleich eine ansteckende Freude am Chorgesang in den Saal brachte. Das Fieber, das Ludwig Reinhard vor 50 Jahren für den Gesang erfasste, ist längst nicht erloschen. dra

Daten zu Reinhards Wirken

Am 17. Januar 1966 leitete Ludwig Reinhard seine erste Singstunde in Sulzbach.

Unter seiner Dirigententätigkeit wuchs der „Liederkranz“ von 26 auf zeitweise über 50 aktive Sänger an.

Reinhard war in den 50 Jahren bei fünf großen Sängerfesten des Vereins Festdirigent.

Unter ihm errang der „Liederkranz“ Sulzbach 99 Mal l. Plätze bei Sängerwettstreiten. Fünfmal gab es Tagesbestleistungen.

Dreimal, nämlich 1995, 2001 und 2009 errang er mit seinem Chor den Titel „Meisterchor im badischen Sängerbund“.

Bei seinem Abschied umfasst der Männerchor 46 Sänger mit einem Altersdurchschnitt von 50 Jahren.

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Musikdirektor FDB Ludwig Reinhard ist seit Samstagabend auch Ehrenchorleiter des MGV „Liederkranz“ Sulzbach und des Sängerkreises Weinheim. Vereinsvorsitzender Jochen Weber (links) und Sängerkreisvorsitzender Rudi Neumann (rechts) überreichten Reinhard die Urkunden und würdigten auch seine Ehefrau Helga für die Begleitung und Freundschaften in den vergangenen 50 Jahren. BILD: GUTSCHALK