Viernheim Liederkranz – Die heimliche Hauptstadt Bayerns

Juli 2017 (Viernheimer Tageblatt) MGV Liederkranz: Fünftägige Sängerreise nach Regensburg / Unterkunft im Vier-Sterne-Hotel „Best Western Premier“

 

Viernheim (oh) – Vom 15. bis 19. Juni unternahm der MGV Liederkranz seine diesjährige Sängerreise nach Regensburg. Pünktlich um 8 Uhr erfolgte die Abfahrt vom Bürgerhaus. Mit einem Bus der Firma Kollerer begaben sich die Sänger Richtung Regensburg. Nach zwei Stunden wurde eine Rast eingelegt, bei dem das Liederkranz-Frühstück eingenommen wurde. Im Anschluss ging es weiter nach Wiesent. Der Nepal-Himalaya-Pavillon ist der ehemalige nepalesische Ausstellungspavillon der Expo 2000 in Hannover. Er wurde von einem Mäzen gekauft und im oberpfälzischen Wiesent im Landkreis Regensburg wieder aufgebaut. In zwei Gruppen wurde der Pavillon samt Führung besichtigt. Im Februar 2000 wurde der nepalesische Pavillon für die Expo 2000 aufgebaut, die in Hannover vom 1. Juni bis zum 31. Oktober 2000 stattfand und an der 178 Nationen und internationale Organisationen teilnahmen. Er trägt einen vergoldeten, 22 Meter hohen Turm und zahlreiche detaillierte Schnitzereien. Diese wurden von 800 nepalesischen Handwerkern handgeschnitzt. Der nepalesische Bau war einer der beliebtesten internationalen Pavillons der Weltausstellung, den etwa 3,5 Millionen Menschen besuchten.

Nach dem Ende der Ausstellung kaufte der Fabrikant Heribert Wirth den Pavillon. Das Gebäude wurde in seine Einzelteile zerlegt und im oberpfälzischen Wiesent originalgetreu wieder aufgebaut. Seit dem 15. Juli 2003 ist er dort für die Öffentlichkeit zugänglich. Nach Angaben der Betreuer ist es das einzige Gebäude, in dem Schreine von Buddhisten und Hindus zusammen in einem Bauwerk zu finden sind. Es ist von verschiedenen Gartenanlagen umgeben. Dazu gehören ein Teehaus, ein nepalesisches Glockenspiel und ein großer Teich mit überlebensgroßer Buddha-Figur.

Im Anschluss erfolgte die Weiterfahrt nach Regensburg ins Vier-Sterne-Hotel „Best Western Premier“. Der Tag klang mit einem Abend­Buffet aus.

Befreiungshalle Kelheim

Am zweiten Tag führte es die Sänger nach Kelheim zur Befreiungshalle, wo eine Führung stattfand. Die von König Ludwig I. in Auftrag gegebene Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 wurde von Friedrich Gärtner in Anlehnung an antike und christliche Zentralbauideen begonnen und 1863 von Leo von Klenze nach geänderten Plänen vollendet. Die Strebepfeiler der Außenfassade bekrönen 18 Kolossalstatuen als Allegorien der deutschen Volksstämme. Die Zahl 18 versinnbildlicht auch das Datum der Völkerschlacht bei Leipzig (18. Oktober 1813), an dem die Truppen Napoleons von der Koalition vernichtend geschlagen wurden. Danach begab sich die Viernheimer Gruppe zur Schiffanlegestelle Kelheim, von wo aus mit dem Schiff zum Donaudurchbruch und Kloster Weltenburg ging. Auch der zweite Abend klang mit einem Abend-Buffet aus.

Eines der bedeutendsten deutschen Nationaldenkmäler des 19. Jahrhunderts

Am dritten Reisetag ging es um 9.30 Uhr zur Walhalla, wo erneut eine Führung inklusive war. In hoher, die umliegende Landschaft beherrschender Lage erhebt sich nahe bei Regensburg die Walhalla über der Donau. Mit diesem klassizistischen Bau in Gestalt eines von Säulen umgebenen Tempels entstand hier im Auftrag des bayerischen Königs Ludwigs I. (Regenschaft 1825 bis 1848) eines der bedeutendsten deutschen Nationaldenkmäler des 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund des als schmachvoll empfundenen Siegeszugs der napoleonischen Armeen wuchs in Ludwig, damals noch Kronprinz, ab 1807 die Idee für einen Gedächtnisort, an dem verdiente deutschsprachige Männer und Frauen gewürdigt werden sollten. Unter Einfluss des Historikers Johannes von Müller, der auch eine erste Auswahl zu ehrender Persönlichkeiten traf, wurde der Name „Walhalla“ mit Bezug auf das gleichnamige Kriegerparadies der germanischen Mythologie gewählt. Errichtet wurde der Bau durch den bevorzugten Architekten Ludwigs 1., Leo von Klenze (1784-1864), einen der wichtigsten klassizistischen Baumeister des 19. Jahrhunderts. 1830 erfolgte die Grundsteinlegung, zwölf Jahre später, am 18. Oktober 1842, konnte die Walhalla feierlich eröffnet werden. Die entscheidende Inspiration für seinen Entwurf lieferte Klenze der berühmte Parthenon auf der Athener Akropolis aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Diese Anregung verband Klenze mit weiteren historischen Motiven und kombinierte sie mit den modernen Errungenschaften der zeitgenössischen Bautechnik zu einer eigenständigen Architekturschöpfung.

Der innen und außen mit kostbarem Marmor verkleidete Tempel erhebt sich über dem gewaltigen gestuften Unterbau. Er sollte ursprünglich die sogenannte Halle der Erwartung mit Büsten der zukünftig noch zu ehrenden Personen aufnehmen. Im Inneren sind entlang der Wände die Büsten und Gedenktafeln der von Ludwig I. und seinen Beratern ausgewählten „Walhallagenossen“ aufgereiht, eine Zusammenstellung der in 19. Jahrhundert als vorbildlich erachteten Herrscher, Feldherren, Wissenschaftler und Künstler. Der darüber umlaufende Figurenfries Martin von Wagners entwirft eine ideale Geschichte der Germanen von den ersten Einwanderern bis zur Christianisierung im frühen Mittelalter. Seit 1962 werden die ursprünglich 96 Büsten in Abständen von fünf bis sieben Jahren wieder ergänzt. Die Auswahl erfolgt durch den bayerischen Ministerrat auf Empfehlung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Walhalla wird seit 2016 von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut.

Stadtrundfahrt in einer Bimmelbahn

Gegen 12 Uhr begab sich die Viernheimer Gruppe nach Regensburg, um per Stadtrundfahrt in einer Bimmelbahn die „heimliche Hauptstadt Bayerns“ zu erkunden. Die Vorstellung, dass Regensburg die, Hauptstadt von Deutschland ist, mutet heute eher kurios an, doch vor knapp 150 Jahren wurde diese Möglichkeit ernsthaft diskutiert. Dass die historisch einmalige Chance ungenutzt verstrich, lag nicht an den Regensburger Bürgern … Sommer 1848. Die Märzrevolution hat den jahrzehntelang durch die Restauration unterdrückten Nationalismus wieder freigesetzt-in einem Volksaufstand, der alle Bevölkerungsschichten umfasste. Deutschland ringt um die Einheit. Der deutsche Partikularismus und die politische Ohnmacht des Deutschen Bundes sollen beseitigt, die Deutschen in einem Staatsgebilde mit einer Zentralregierung vereinigt werden. Die nationale Frage verbindet  alle politischen Gruppierungen. In Frankfurt sucht die Nationalversammlung nach einem Sitz für die Zentralregierung des neuen Staatsgebildes. Auß0er Frankfurt wurden eine Reihe weiterer Städte in Erwägung gezogen. Auch Regensburg stand zur Diskussion. Im Laufe der letzten Monate des Jahres 1848 hatte sich auch die gesamtpolitische Lage grundlegend verändert. Bayern trat auf Grund der zentralistischen Tendenzen der provisorischen zentralen Reichsgewalt in schärfer werdenden Gegensatz zu Frankfurt. Osterreich zog sich zunehmend aus der deutschen Einigungsbewegung zurück, wodurch die kleindeutsche Lösung unter preußischer Hegemonie immer wahrscheinlicher wurde. Damit aber rückte Regensburg an den Rand des konzipierten kleindeutschen Nationalstaats und damit entfiel auch das Interesse der Habsburger Monarchie die Reichsversammlung oder die Reichsregierung nach Regensburg zu verlegen.

Über 1500 denkmalgeschützte Gebäude

Regensburg verfügt über 1500 denkmalgeschützte Gebäude. Davon bilden 984 im historischen Kern das Ensemble „Altstadt mit Stadtamhof“, welches 2006 von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Sie ist die größte mittelalterliche Stadtanlage nördlich der Alpen. Regensburg verfügt mit den Städtischen Bühnen über ein vollständig ausgestattetes Dreispartentheater und bietet so ein Programm von Oper, Operette, Musical, Schauspiel und Ballett. Das offizielle Museumsportal der Stadt Regensburg listet 22 Museen und Dauerausstellungen auf. Dazu gehören neben städtischen Museen solche der Religionsgemeinschaften, sonstiger öffentlicher Träger und Privatsammlungen. Die Steinerne Brücke mit dem Brückturm wurde 1135 bis 1146 gebaut. Sie gehört zu den bedeutendsten Brückenbauwerken des Mittelalters und war unter anderem Vorbild für die Prager Karlsbrücke. Das Alte Rathaus mit dem Reichssaal war Sitz des Immerwährenden Reichstages. Der Herzogshof mit Römerturm am heutigen Alten Kornmarkt bildete die frühere Herzogspfalz der agilolfingischen Herzöge. In Regensburg gibt es eine Vielzahl historischer Kirchen und mehrere teils ehemalige Klöster. Der Dom St. Peter ist das Hauptwerk der Gotik in Bayern. Nach mehreren Vorgängerbauten dürfte der gotische Dom bald nach 1260 begonnen worden sein. Ein vorläufiger Abschluss ist mit dem Jahr 1520 anzusetzen. Von 1859 bis 1872 erfolgte erst der Ausbau der Turmhelme und der Querhausgiebel. Die letzte große Innenrenovierung fand von 1985 bis 1988 statt.

Nach der Stadtrundfahrt konnte Regensburg auf eigene Faust erkundet werden. Der Tag klang erneut mit einem Abend-Buffet aus.

Falkenhof Schloss Rosenburg bei Riedenburg

Am vorletzten Reisetag ging es zum Falkenhof Schloss Rosenburg bei Riedenburg. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burganlage bei Riedenburg bietet für die Vögel eine perfekte Kulisse. Bei einer gemütlichen Besichtigung wird dem Besucher die Geschichte der Burg mit Schautafeln näher gebracht. Ganz nebenbei konnten die Sänger die Flugkünste von Adler, Geier und Falken aus nächster Nähe bestaunen.

Danach erfolgte die Weiterfahrt zu Kuchlbauers Bierwelt und Kuchlbauers Turmführung inklusive Bierverkostung. Der Kuchlbauer Turm ist das Wahrzeichen von Kuchlbauers Bierwelt. Er ist ein Architekturprojekt des weltbekannten Künstlers Friedensreich Hundertwasser, geplant,“ geändert und bearbeitet von Architekt Peter Pelikan. Der ursprüngliche im Jahre 1999 von Hundertwasser für Leonhard Salleck erdachte Entwurf für einen 70 Meter hohen Turm, konnte in dieser Form nicht realisiert werden. Er diente nach Hundertwassers Tod als Inspiration für seinen langjährigen Freund und Mitarbeiter Peter Pelikan und dessen eigenständige Bearbeitung und Neuplanung (2007 bis 2010). Angenehme runde Formen, tanzende Fenster, unebene Böden und organische Linien, Zwiebeltürme und Baummieter – das sind die typischen Elemente von Hundertwassers menschengerechterem Bauen im Einklang mit der Natur. Weltweit einzigartig ist der Kuchlbauer Turm zudem innen und außen eine Hommage an das bayerische Bier.

Lars Schmitt beim Schinkenschätzen siegreich

Durch den Abschlussabend am Sonntag führte Schrift- und Geschäftsführer Peter Weiröther mit Witz und Esprit. Auf die Melodie „Die holde kleine Müllerin“ fasste er die Ereignisse der letzten Tage zusammen. Die Reiseteilnehmer sangen kräftig mit und manche lachten laut als ihre eigene Anekdote zur Ansprache kam. Der Höhepunkt des Abends war das Schinkenschätzen. Stundenlang wurde im Geiste gewogen und geschätzt. Den ersten Platz belegte Lars Schmitt vor Horst Ringhof und Martina Niebier. Der zweite Vorsitzende Walter Kempf dankte Peter Weiröther sowie dem Vorsitzenden Werner Sindermann für den gelungenen Abend und Reiseverlauf.

Am Tag darauf wurde nach dem Frühstück die Heimreise angetreten. Nach Rast und Pausen kamen die Sänger wohlbehalten und glücklich in Viernheim an.

Geselligkeit und gute Laune waren Trumpf während der fünf Tage in Bayern bei den Reiseteilnehmern des MGV Liederkranz. Fotos: Beyer