Weinheim Cantus-Vivus – Stimmgewaltiges Bekenntnis zum Frieden

November 2015 (Weinheimer Nachrichten) „Krieg und Frieden“ wird durch Cantus Vivus Bergstraße und Christian Brückner zu einem von Hoffnung getragenen und die Seele treffenden Hörerlebnis

 

WEINHEIM. Da Krieg, Terror, Gewalt in dieser Welt allgegenwärtig sind muss das Bekenntnis zum friedlichen Miteinander umso stimmgewaltiger sein. Gemeinsam mit dem Rezitator Christian Brückner ließ der Konzertchor Cantus Vivus Bergstraße seinen musikalisch-lyrischen Vortrag „Krieg und Frieden“ am Samstag zu einem die Seele treffenden Hörerlebnis werden; das künstlerische Arrangement des Konzertes wurde ebenso brillant wie ausdrucksstark umgesetzt und war in seiner Botschaft bis zum letzten Ton eindringlich: „Schenke uns den Frieden“ („Dona nobis pacem“).

Doch am Anfang war Stille. Eine ernste Stille, die sich in der Markuskirche breitmachte, um der Toten der Anschläge in Paris zu gedenken. Es war der bittere Auftakt, der dem Programm des Konzerts seinen aktuellen Stempel aufdrückte, gefolgt von einem dieser Tragik äußerst zugewandten Wechsel zwischen Chorstück und Gedicht, wenngleich der textliche Anteil im Gegensatz zu den epochenübergreifenden Kompositionen vorwiegend dem 19. und 20. Jahrhundert entstammte.

Dem Grundthema war das einerlei, denn alle Gewalt trägt das gleiche hässliche Gesicht und aus all dem Hässlichen erwachsen einzigartige künstlerische Meisterwerke. Unter der Gesamtleitung von Wolfram Schmidt und begleitet vom Streichorchester der Kurpfalzphilharmonie gelang es den Vortragenden, diese Werke differenziert auszugestalten. Und der wunderbaren Akustik in der voll besetzten Markuskirche war es mitzuverdanken, dass die starke Gefühlswelt, die den Stücken innewohnt, jeden Winkel für sich einnahm. Dass das Expressive an diesem Abend stilistisch so vielschichtig geriet, zeugt von gründlicher Vorbereitung und darf als Verdienst Wolfram Schmidts angesehen werden, der die 70 Chorstimmen des Cantus Vivus Bergstraße durch sein glänzendes Dirigat mitten ins Herz der Zuhörer geleitete; und das zielsicher.

Keine Einzelheit der Intonation verhallte ungehört. Mit ebensolcher Präsenz in der Intonation und einzigartigem klanglichen Charakter agierte Christian Brückner. Es herrschte konzentrierte Andächtigkeit, als der Adolf-Grimme-Preisträger der Lyrik mit seiner Stimme Strophe um Strophe Leben einhauchte. Die geistlichen Choräle von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn­Bartholdy „Verleih uns Frieden“ ergänzte Brückner um Dringlichkeit, indem er den Krieg mit Georg Heyms gleichnamigem Gedicht als Ungeheuer in schwarzer Gestalt enttarnte.

Mit Erich Kästners „Auf den Schlachtfeldern von Verdun“ mahnte er um, ein besseres Gedächtnis. Und er richtete mit Kurt Tucholsky den Appell: keiner Ideologie in den Krieg zu folgen, denn der Dank des Vaterlands nützt weder Toten noch Hinterbliebenen. Stattdessen gelte: „Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben.“ Dem folgten Chorpassagen, die von Hoffnung getragen sind. Einsetzend mit Mendelssohn­Bartholdy „Wie lieblich sind die Boten, die den Frieden verkünden“, und Beethovens „Friedenshymne“. Auch mit „Somewhere“ schafften es Chor und Pianistin Johanna Götz, Bernsteins Pathos wirkungsvoll in den Raum zu tragen: „We’ll find a new way of living“, um dann mit John Lennons „Imagine“ zu antworten: “And the world will be as one“,

So bildete letztlich der Gesamteindruck bis zu Peteris Vasks beeindruckender Pacem-Interpretation den Höhepunkt. Chor, Rezitator sowie Streichorchester nahmen sich der Kunst um „Krieg und Frieden“ in voller Eintracht an. Jedes Detail fügte sich ein in ein harmonisches Ganzes: Furios, ergreifend, mit einem Moment der Stille zum Schluss. Erst dann dankte das Publikum mit viel Applaus. groe

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Im Gedenken an die Opfer der Attentate von Paris erstrahlte der Altarraum der Markuskirche am Samstagabend in den Farben der Trikolore, der französischen Nationalflagge. Das Konzert unter dem Motto „Krieg und Frieden“ war von Hoffnung getragen. BILD: GUTSCHALK