Weinheim Cantus-Vivus – Wenn Sakrales und Oper Hochzeit feiern

November 2017 (Weinheimer Nachrichten) Konzertchor Cantus Vivus Bergstraße, Kurpfalzphilharmonie und Tenor Thomas Ströckens brillieren mit Puccinis „Messa di Gloria“ sowie Werken von Mozart und Verdi in der St.-Laurentius-Kirche

 

WEINHEIM. Das Italienische hat manchen Literaten – zum Beispiel Goethe – und manchen Komponisten auf Reisen inspiriert. Auch der erst 14-jährige Wolfgang Amadeus Mozart kam 1770 schon früh auf den Geschmack von Dramatik und Verspieltheit, von Schönheit und Tragik, die in der Oper packenden und ergreifenden Ausdruck finden. So gesehen war schon die Auswahl der Werke vortrefflich, die der Konzertchor Cantus Vivus Bergstraße am Samstagabend in der voll besetzten St-Laurentius-Kirche am Weinheimer Marktplatz bot.

Da traf der späte Mozart in der Ouvertüre aus „Don Giovanni“ mit voller Dramatik in düsterem Moll auf ein vierstimmiges Lob mit Frauenstimmen auf die Muttergottes in Giuseppe Verdis Motette „Laudi alla Vergine Maria“, ehe ein unvergesslicher Konzertabend in das Strahlen der „Messa di Gloria“ von Giacomo Puccini mündete, sodass Kirchenmusik und Oper quasi Hochzeit feierten.

Dem Abend lag eine Erfolgsgeschichte zugrunde. Die glänzend aufgelegte Kurpfalzphilharmonie, besetzt mit Instrumentallehrern aus Musikschulen der Region und Musikern aus Berufsorchestern, lag mit „Cantus Vivus“ schon bei vorangegangenen Konzertprojekten auf einer Wellenlänge. An dem fast blinden Verständnis zwischen Chor und Orchester hat der musikalische Leiter Wolfram Schmidt einen besonderen Anteil. Und wenn alle Akteure, einschließlich des warmen, ausdrucksvollen Tenors Thomas Ströckens, schon Stakkato-Beifall erhalten, ehe der erste Ton erklingt, ist ein Auftakt nach Maß nicht überraschend.

Sofort auf Betriebstemperatur

Die Kurpfalzphilharmonie ist jedenfalls sofort auf Betriebstemperatur, zeigt sich auch meisterlich im Forte der Don Giovanni-Ouvertüre. Gleiches gilt auch für den Konzertchor, der das folgende Kyrie – ebenfalls in d-Moll – in all seinen klanglichen Schattierungen in den hohen Kirchenraum schickt.

Über Mozarts „Ave verum corpus KV 618“, das eine gnadenreiche Musik enthält, die tröstlich an das Ewige rührt, führt das Programm zu Verdi, in dem das punktgenaue Dirigat von Wolfram Schmidt beeindruckt und Sakrales ebenso wie Folkloristisches in der Motette des großen italienischen Komponisten zusammenfinden.

Längst hat die Musik das Publikum derart erfasst, dass es sich nicht mehr um Gepflogenheiten schert und nicht bis zum Ende eines Werkes wartet, sondern seiner Begeisterung sofort mit Beifall Ausdruck verleiht. Warum auch sollte es sich zurückhalten, wenn auch Giacomo Puccini im „Gloria“ der „Messa di Gloria“ in die Vollen geht, wenn sich Oper und Gotteslob in strahlendem Glanz verbinden und Chor und Orchester im Zusammenwirken einen Höhepunkt des Konzertes liefern.

Thomas Ströckens verbindet mit seiner Tenorstimme und szenisch stark in der Darstellung mit dem gesungenen Glaubensbekenntnis das Gloria mit dem Sanctus. Für einen Moment spielt das Orchester eine Musik, als würde die Sonne die Wolken durchbrechen, und doch folgt noch eine Schwere, ein Schatten, der nahelegt, dass Freude und Tragik bisweilen nahe

beieinander liegen.

Kein Zweifel: „Die Messa di Gloria“ ist ein dankbares Werk für einen Konzertchor und sein Zusammenspiel mit dem Orchester. Wolfram Schmidt geht mit seinem Taktstock förmlich auf angesichts der Melodienseligkeit Puccinis und dieser traumwandlerisch sicher agierenden Wand aus Sängerinnen und Sängern, die in entscheidenden Momenten die nötige stimmliche Zurückhaltung an den Tag legen, um schon im nächsten Moment bewegend hervorzubrechen und melodische Schönheit zu entfalten.

Als sich zum Abschluss Thomas Ströckens und Karl-Heinz Dumm (Bass) in einem leichten, beschwingten Duett treffen, brandet

anschließend minutenlanger Beifall auf, dem als Zugabe noch einmal das „Gloria“ folgt. Lobgesang und Oper hatten sich das „Ja-Wort“ gegeben. dra

Volles Haus in der Weinheimer St.-Laurentius-Kirche: Der Konzertchor Cantus Vivus Bergstraße mit seinen 70 Sängerinnen und Sängern bot unter der Leitung von Dirigent Wolfram Schmidt gemeinsam mit der Kurpfalzphilharmonie, Tenor Thomas Ströckens und Karl-Heinz Dumm (Bass) ein Konzert mit Werken von Puccini, Verdi und Mozart.  BILD: PHILIPP REIMER