Weinheim Eintracht – Klassiker, Modernes und ein ergreifender Liszt

November 2017 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Chorgemeinschaft MGV „Eintracht“ Weinheim/Männerchor Sulzbach und Sopranistin Imke Reinacher erfreuen mit hochkarätigem Konzert in der Ulner Kapelle

Von unserem Mitarbeiter Gerhard Jarosch

 

WEINHEIM. Strahlende Gesichter am Ende des Konzerts der Chorgemeinschaft MGV „Eintracht“ Weinheim / Männerchor Sulzbach. Das Konzert unter dem Motto „Herbstgedanken“ hatte alle Vorschusslorbeeren eingelöst in der voll besetzten Ulner Kapelle. Aus den beiden Chören ist vor über zehn Jahren ein wunderbares Klanggebilde entstanden, was nicht zuletzt der hervorragenden Chorarbeit von Dirigent Richard Trares zu verdanken ist. Anspruchsvolle Chorschöpfungen hatte Trares gesetzt, die den Zuhörern Freude bescherten. Mit dem klassischen Stück „Dank sei Dir, Herr“ von Georg Friedrich Händel aus dem Oratorium „Israel in Ägypten“ überzeugten die Sänger und Sopranistin Imke Reinacher unter Klavierbegleitung von Richard Trares schon zur Eröffnung des stimmungsvollen Abends. Hinsichtlich Dynamik und Stimmkultur der Sänger blieb kein Wunsch offen.

Aus Händels Oper „Rinaldo“, die 1711 in London uraufgeführt wurde, sang der Chor mit Brillanz das Stück „Lascia chio pianga“. Eine Delikatesse die folgende Arie „Lascia chio pianga“ der Sopranistin Imke Reinacher. Verblüffend ihre spielerische Verfügbarkeit von Spitzentönen, die stets unforcierte Vehemenz wie auch ihr Klangreichtum. Allein die Schönheit ihrer Stimme, die in allen Lagen dahinströmte, faszinierte.

Fein waren Abstufung und Übergänge des Chores auch bei den folgenden Werken „Veni Jesu“ von Luigi Cherubini und „Miserere“ von Piotr Janczak. Die Sänger meisterten alles ohne Noten – auch die A-Cappella-Sätze. Franz von Paula (Franciscus de Paula) ist ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche, um den sich Legenden ranken. Franz Liszt schrieb ein Klavierstück zu der Legende, in welcher der Heilige über das Meer wanderte. Das Stück schien dem Pianisten Richard Trares geradezu in die Finger geschrieben, brachte er doch die beseelten Seiten des Stückes zum Klingen. Jeder Ton saß, und Trares zeichnete sehr schlüssig nach in Wellen-, Pendelausschlägen und in mitunter krachenden Akkordschlägen – wie ein Ritt über die Meeresenge bei Messina; abgründig und schicksalhaft. So hat man ein Klavierwerk von Liszt noch kaum gehört. Die Stimmung klang beim Publikum nach. Aber dann ertönten frenetischer Applaus und Bravorufe.

Mit Franz Schubert folgte ein Spannungslöser. Großartig wie der Chor mit Textbezug zu Schubert „Ruhe, schönstes Glück der Erde“ und das feine Werk „Das Dörfchen“ mit ruhiger Bewegung aussang und wie die Sänger Klang und Melodie zu einer Einheit verschmolzen. Besteht doch auch die Wirkung eines Schubertliedes darin, dass es den Zuhörer unmittelbar in seine Stimmung hineinzieht.

Lautstark wurde danach die charismatische Sopranistin Imke Reinacher wieder auf dem Podium im Altarraum der Kapelle empfangen. Sie bot eines der bekanntesten Kunstlieder Schuberts. Sprühend vor Vitalität und leicht burschikos sang sie „Die Forelle“ nach einem Text von Christian Friedrich Daniel Schubart, Richard Trares war am Klavier ein kongenialer Partner.

Der Chor wechselte dann über zu leichterer Kost mit Rudi Kühns Werk „Wenn der Tag zu Ende geht“ und mit dem italienischen Volkslied (Liebeslied) aus dem Friaul „Cheste Viole“ von Andrea Miglio. Der Chor zeigte volles Klangvolumen und Sinn für leisere Töne. Wunderschön erklang die Canzone „Benia Calastoria“ von Bepi die Marzi (Das Tal in den Bergen), in der sich ein gehaltener Ton durch die ganze Canzone zieht. Stimmlichen und gestischen Ausdruck bot nochmals das Solo „Somewhere“ aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein.

Moderator Hermann Reisig meinte, dass der Chor aber auch englisch singen kann wie beim „All my sins“ von Robert Townsend,

„Roll, Jordan, roll“ von Franz Biebl mit Tenor-Soli von Oliver Schneller und mit „Down by the riverside“ mit Soli von Hans Müller und Karl Heinz Bienefeld. Das Publikum riss es von den Sitzen. Es gab „standing ovations“. Blumen und Präsente.

Als Zugabe sang die Sopranistin das „Ave verum“ von Mozart, das höchste Meisterschaft bedeutete angesichts kunstvoller Motorik.

Die Chorgemeinschaft MGV Eintracht Weinheim/Männerchor Sulzbach bot mit ihrem Dirigenten Richard Trares (am Klavier) und Sopranistin Imke Reinacher in der Ulner Kapelle beim Konzert „Herbstgedanken“ ein breites Repertoire an Liedern. BILD: MARCO SCHILLING