Weinheim Kammerchor – Die komischen Vögel des Schlossparks

Mai 2017 (Weinheimer Woche) Jubiläumskonzert des Weinheimer Kammerchors

 

(df). 1947 gab der Weinheimer Kammerchor sein erstes Konzert. Nun feierte er sein 70-jähriges Bestehen mit einem Konzert in der evangelischen Stadtkirche.

„Chrysolophus amherstiae, Psephotus Haernatonus“ – was zunächst klingt wie die Darbietung eines gregorianischen Chores spiegelt eine recht ungewöhnliche Komposition des Chorleiters des Weinheimer Kammerchors, Norbert Thiemel, wieder. Inspiriert von den Vögeln in der Voliere des Weinheimer Schlossparks schuf er eine eigene Komposition für Chor und Streichorchester und stellte musikalisch dar, wie er die charakterlichen Eigenschaften der dortigen Vögel fühlt, etwa das pummelige Erscheinungsbild der Erdwachtel. Wer die Augen schloss und dem Gesang und Spiel der Akteure lauschte, konnte versuchen, diese Eigenschaften herauszuhören und für sich fühlbar zu machen. Mit insgesamt zwei Kompositionen – ein weiteres

mit der klanglichen Darstellung diverser Pflanzen aus dem Hermannshof – war Chorleiter Norbert Thiemel im Jubiläumskonzert des Kammerchors vertreten und folgte damit der Tradition des „komponierenden Dirigenten“, die seine Vorgänger begründet hatten. Aber auch eine Uraufführung konnte an diesem Abend genossen werden.

Mit dem Auftragswerk „Notturno“, dass der Komponist und Musikvermittler Johannes Voit schrieb, wurde ein Gedicht des Chorgründers Fritz Oberst vertont. Heraus kam ein ungewöhnliches, faszinierendes Stück für Chor und Streichorchester. „Jedes Mal anders klingen, wie die Natur“, sollte das Arrangement und schuf diesen Freiraum in einer Partitur, die Sänger und Musiker vor große Herausforderungen stellte, wie Voit verriet. Weitere Stücke waren aus einer Umfrage unter den Chormitgliedern selbst in das Repertoire des Abends aufgenommen worden, obgleich sich das Thema Natur in vielen Stücken widerfand. Da wechselten die wunderschönen Klänge von Monteverdis „Ecco mormorar l‘onde“ oder Mendelssohn – Bartholdy’s „Abschied vom Walde“ mit der gruselig, mystischen Erzählung „Die traurige Krönung“ von Hugo Distler.

Insgesamt 13 Stücke aus den letzten 500 Jahren gestalteten die rund 90 Minuten, bevor mit der Zugabe, dem französischen Trinklied „Tourdion“, dass gerne zu später Stunde bei Chorfeiern gesungen wird, zum feierlichen, inoffiziellen Teil des Abends übergeleitet wurde.

Kammerchor und Kammerorchester – beide unter der Leitung von Norbert Thiemel.    Foto: df