Weinheim Kammerchor – Statt Fußball – wunderbare Kammermusik in Vollendung

Juni 2016 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: In der St. Laurentiuskirche präsentiert der Weinheimer Kammerchor ein großes Hörerlebnis

 

WEINHEIM. Angesprochen auf den Anpfiff des EM-Spieles Deutschland gegen die Ukraine am Sonntagabend, sagte ein Zuschauer in der St. Laurentiuskirche: „Fußballfans gehören nicht unbedingt zum Klientel der Kammermusikfreunde“. Wenn

diese Meinung auch nicht ganz nachvollziehbar war, so hätte man sich doch an diesem Sonntag einen früheren Konzertbeginn als 19.30 Uhr gewünscht. Dass die bei Chorkonzerten fast immer voll besetzte Laurentiuskirche sehr schwach besucht war, zeigte, dass wohl doch einige Musikliebhaber dem Fußball den Vorzug gegeben hatten.

Großes musikalisches Ereignis

Diejenigen jedoch, die gekommen waren, erlebten mit dem Weinheimer Kammerchor, dem Weinheimer -Kammerorchester und dem Chor der evangelischen Kirche Nußloch ein wahrhaft: großes musikalisches Ereignis. Denn wann kommt man schon einmal in den Hörgenuss des selten aufgeführten, zeitgenössischen Komponisten Morton Lauridsen. Sein „Lux Aeterna“ für Chor und Orchester führte die Zuhörer in eine geheimnisvolle Klangwelt aus Motiven des gregorianischen Gesanges und der italienischen Renaissance, durchsetzt mit sphärischen Klängen, sodas mitunter ein filmmusikartiger Sound entstand.

Unter der Leitung von Norbert Thiemel vermittelte der Weinheimer Kammerchor mit seinen engelsgleichen Sopranen, den glasklaren Tönen und vollendeten Harmonien zusammen mit den sensiblen Einsätzen des Kammerorchesters geradezu paradiesische Eindrücke. Morten Lauridsen hat sein fünfsätziges „Lux: Aeterna“ (ewiges Licht) 1997 zum Tod seiner Mutter geschrieben und dafür lateinische Texte vertont. Der Kammerchor schöpfte dabei ein schier endlos scheinendes Potenzial an Klangfarben und dynamischen Abstufungen aus.

Mit einem strahlenden „Halleluja“ und einem verhaltenem „Amen“ in zarten Klangfarben ließ der gemischte Chor das Werk der Hoffnung auf das Ewige Leben, sachte wie ein Hauch ausklingen.

Es folgte Joseph Haydns Konzert für Orchester und Solo-Oboe in C­Dur. Theresa Freund dirigierte das Weinheimer Kammerorchester und konnte den Zuhörern mit dem virtuosen Solo-Oboisten Benjamin Mahla ein wohl einzigartiges Hörerlebnis schenken. Zusammen mit dem Orchester realisierte Mahla mit seiner Oboe ausgeprägte Figurenspiele, die tänzerische Elemente

enthielten, wobei ein lebendiges Rondo für einen rasanten Kehraus sorgte.

Der dritte und letzte Teil des Abends gehörte der Romantik. Für die G-Dur-Messe für Chor, Solisten und Orchester von Franz Schubert vereinten sich der Weinheimer Kammerchor, der evangelische Kirchenchor Nußloch und das Weinheimer Kammerorchester, unter der Leitung von Norbert Thiemel, zu einem einzigen großen Ensemble. Solisten waren Hanna Mahla (Sopran), Christoph Mahla (Tenor) und Maurice Rütters (Bass).

Werk des Wunderknaben

Mit gerade einmal 18 Jahren schrieb Franz Schubert diese Messe innerhalb von sechs Tagen. Im gleichen Jahr führte der Wunderknabe sein Werk in der Pfarrkirche in Lichtental, einem Vorort von Wien, höchstpersönlich auf. In der volltönenden Fassung mit Oboen, Fagotten, Trompeten und Pauke bescherte das Kammerorchester die perfekte Komponente zu der Homogenität und der Klangschönheit des gewaltigen Chores.

Das Kyrie begann in ruhigem G-Dur, wunderbar dabei der Dialog zwischen Chor und Solisten. Eindrucksvoll gelingt dem Chor der Übergang zum kraftvollen Gloria in wunderbarem Wechsel zwischen Piano und Forte, im Kontrast zum Gloria das innig gekehrte Credo.

Wie in all seinen Messen vermeidet Schubert beim Glaubensbekenntnis den antiquierten Begriff „heilige, katholische Kirche“. Nach einem Benedictus mit gut abgestimmten Vokalisten begann der letzte Satz, das Agnus Dei, mit einer der schönsten Melodien aus dem Fundus der Schubert – Messen.

Das Publikum bedankte sich am Ende mit lang anhaltendem Applaus für ein rundum großes Konzerterlebnis. Nicht größer hätte der anschließende Kontrast auf, dem Marktplatz mit all den aufgedrehten Fußballfans sein können.   rav

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Hochkonzentriert: Die Musiker und Chorsänger bescherten den Besuchern der St. Laurentiuskirche am Sonntagabend ein großes Konzerterlebnis.   BILD: SCHILLING