Weinheim Kammerchor – Zauberhafte Zwiesprache

Dezember 2017 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Weinheimer Kammerchor und das Gabrieli-Ensemble schüren in der Stadtkirche unter Leitung von Norbert Thiemel mit Chor- und Instrumentalmusik aus dem Frühbarock die Vorfreude aufs Fest

 

WEINHEIM. Wenn man so will, wird mit der Geburt Jesu an Weihnachten nicht nur die Menschwerdung Gottes, sondern auch die Zwiesprache zwischen Gott und den Menschen gefeiert. In gewisser Weise haben Komponisten des Frühbarock dieses – egal ob intuitiv oder mit Kalkül – in ihren Werken umgesetzt. Die Unterhaltung zwischen Chor und Instrumentalisten war denn auch

kennzeichnend für eine Reihe von Beiträgen des Konzertes, das der Weinheimer Kammerchor und das Gabrieli-Ensemble am Samstag in der voll besetzten Weinheimer Stadtkirche darboten.

Der musikalische Leiter Norbert Thiemel überraschte gleich zu Beginn das Publikum mit einer Besonderheit. Er dirigierte zum Programmauftakt das „Jauchzet dem Herren alle Welt“ von Heinrich Schütz von der Empore aus; links von ihm der Kammerchor, rechts bei der Orgel das mit unterschiedlichen Flöten besetzte Gabrieli-Ensemble, das wie ein Echo des Vokalchors agierte und dann im zweiten Stück des Abends, einer Canzone von Giovanni Gabrieli, in voller Besetzung bei komplexen Einsätzen der siebenstimmigen Komposition höchste Konzentration zeigte.

Thiemel erwies sich einmal mehr als ein besonnener, einfühlsamer Dirigent, der im weiteren Verlauf des Abends mal Chor und Instrumentalisten, mal Chor und zwei Favoritchöre zusammenführte, wobei der Weinheimer Kammerchor generell mit seinen adventlichen und weihnachtlichen musikalischen Appetitanregern aufs Fest seine seit der Gründung verfolgte Intention fortsetze: den klaren Ton zu feiern.

Längst war der mit gut 30 Sängerinnen und Sängern besetzte Kammerchor unten im großen Kirchenraum angekommen, als er, begleitet von warmem, anschmiegsamem Solo-Gesang und zarten Flötenklängen mit „Willkommen, süßer Bräutigam“ von Vincent Lübeck in den weihnachtlichen Programmteil einbog.

Dass sich der Weinheimer Kammerchor in schnelllebigen Zeiten nicht scheuen muss, auch Stücke in ein Programm zu nehmen, die schon unzählige Male in Weihnachtskonzerten gesungen wurden, liegt an außergewöhnlichen Arrangements, die Thiemel einstudiert.

Das „Maria durch ein Dornwald ging“ beispielsweise war ein Paradebeispiel dafür, wie man einem Evergreen der adventlichen Musik neue Klangreize und -schönheit gibt.

Mit Bachs Klassiker „Ich steh an deiner Krippen hier“ oder Raritäten wie der fünfstimmigen Motette „Hodle Christus natus est“ des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck sang sich der Chor zu Michael Praetorius „In dulci jubilo“, das ein Konzert von zutiefst inniglicher Prägung stimmlich vielfarbig und freudig beendete.

Als Zugabe sangen Chor und Zuschauer zusammen „Es ist ein Ros entsprungen“. dra

Der Weinheimer Kammerchor probt freitags von 20 bis 21.45 Uhr im Werner-Heisenberg-Gymnasium und freut sich über neue Sängerinnen und Sänger.Der Weinheimer Kammerchor und das Gabrieli-Ensemble erfreuten ihr Publikum in der voll besetzten Stadtkirche am Samstagabend mit Chor- und Instrumentalmusik zur Vorweihnachtszeit. Die Kompositionen stammten aus dem Frühbarock. BILD: MARCO SCHILLING