Weinheim Sängervereinigung-Germania – 70 Jahre als Sänger aktiv

Dezember 2015 (Weinheimer Nachrichten) Heinrich Bernhard sen. erhält vom Verband des Deutschen Chorgesangs eine besondere Ehrung

 

WEINHEIM. Damals waren ganz andere Zeiten: Der Krieg war erst einige Monate zu Ende, als Heinrich Bernhard im Alter von 17 Jahren in den Weinheimer „Gesangverein Sängervereinigung“ eintrat. Nach und nach nahmen die Gesangvereine wieder ihre Arbeit auf, lösten sich aus der Starre des Dritten Reiches.

Der Dirigent kam mit der OEG aus Mannheim zur Singstunde gefahren und wurde mit Gemüse aus Bergsträßer Gärten bezahlt. Viele Männer waren noch nicht wieder heimgekehrt von Krieg und Gefangenschaft. Manche würden für Immer fehlen. „Da fanden diese Chorsänger der ersten Stunde im Gesang auch Freude und Linderung der Mühen und Sorgen des Alltags“, so beschrieb Rudi Neumann, der Vorsitzende des Sängerkreises Weinheim, jene Zeit des Erwachsens im Herbst 1945. Das Vereinsleben habe die Bausteine für Verantwortung und Entschiedenheit geliefert.

Neumann war am Sonntag in Weinheim, um beim MGV Sängervereinigung/Germania, eine besondere Ehrung vorzunehmen: Heinrich Bernhard, Vater von Oberbürgermeister Heiner Bernhard, wurde für 70-jährigen aktiven Chorgesang geehrt – eine Auszeichnung, die es erst seit diesem Jahr gibt.

Die graue Eminenz

Entsprechend selten sind die Träger dieser Goldenen Ehrennadel des Verbandes des Deutschen Chorgesangs: man kann sie an einer Hand abzählen. Wie der heute 87-jährige rüstige Heinrich Bernhard sind es verdiente Männer in ihren Vereinen. Bernhard ist Ehrenvorsitzender, noch immer Vize-Dirigent, ältestes Chormitglied und „graue Eminenz“ im Verein, wie Neumann beschrieb. „Auf seinen Schultern ruhen verdienstvolle Jahre der Vereinsgeschichte „, bescheinigte der Kreisvorsitzende.

Der Geehrte selbst berichtete aus seinem Erinnern an die Wiedergeburt der Gesangvereine nach dem Krieg, zu deren Geburtshelfern er zählte. „Wir hatten nichts, und es gab nichts“, erzählte er. Die Singstunde musste im Rathaus stattfinden; dort war es wenigstens geheizt.

Und das war noch nicht alles: Der junge Heinrich Bernhard saß nächtelang zu Hause, zog mit einem Lineal unzählige Linie auf Lichtpauspapier, damit daraus Notenblätter werden konnten. Er zeichnete die Noten ein und den Text. Er tat es gern für seinen Verein, für die Sängerfreunde und das Gefühl, bei den Sängern zu Hause zu sein. „Wessen Herz voll ist, dessen Mund geht über.“ Mit diesem Zitat aus der Bibel hatte Heinrich Bernhard seine Dankesworte begonnen, die er im Namen aller Geehrten sprach.

Außer ihm wurden noch Kurt Güniker (60 Jahre aktiver Chorgesang), Wilhelm Gärtner (50 Jahre), Herbert Moll (40 Jahre) und Dirigent Walter Muth (10 Jahre Dirigent im Verein) geehrt.

Den Glückwünschen schloss sich auch Vereinsvorsitzender Michael Müller an. Heinrich Bernhard wünschte seinerseits dem Männergesangverein „der ein Teil meines Lebens ist, trotz aller Widrigkeiten, mit denen Chöre aller Art heutzutage zu kämpfen haben, eine gute und erfolgreiche Zukunft“.

Langjährige Mitglieder

Durch den Verein wurden langjährige aktive Mitglieder geehrt:

Für 30 Jahre Sängertätigkeit: Bernd Weihrich und Kurt Schöller

Für 40 Jahre: Herbert Moll

Für 50 Jahre: Wilhelm Gärtner

Für 60 Jahre: Kurt Güniker

Für 70 Jahre: Heinrich Bernhard

Für 10 Jahre Chorleitertätigkeit: Walter Muth

Fördermitglieder: Ilse Gärtner (25 Jahre), Girolamo Migliara (40 Jahre)

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Geehrt: Bei der Weihnachtsfeier des MGV Sängervereinigung Germania Weinheim wurden auch in diesem Jahr zahlreiche Mitglieder geehrt, darunter Heinrich Bernhard (Siebter von links), der Vater von Oberbürgermeister Heiner Bernhard, für seine inzwischen 70-jährige Mitgliedschaft. BILD: GUTSCHALK