Viernheim Liederkranz – Chorgesang vom Feinsten, gekonnte Instrumental-Klänge und ein ausdrucksvoller Solist

Oktober 2018 (Viernheimer Tageblatt) Nachlese: Tolles Jubiläumskonzert 130 Jahre MGV Liederkranz 1888 e.V. Viernheim im Museumsgarten

Von Dieter Augstein

 

Viernheim – Gerhard Wind, langjähriger Chorleiter zahlreicher Chöre, darunter auch der MGV Liederkranz 1888 e.V. Viernheim, der ihn dann auch zu seinem Ehrenchorleiter ernannte, hätte sich bestimmt sehr darüber gefreut, dass zu seinem Gedenken (er ist vor zwei Jahren, im gesegneten Alter von 88 Jahren, gestorben) beim Finale des Jubiläumskonzertes im wunderschönen Ambiente des Museumsgartens des Historischen Museums vier Zauberhaften Lieder in seinem Arrangement erklangen und das Publikum begeisterten. Seine Nachfolgerin beim MGV Liederkranz, die charmante, dynamische und überaus engagierte Kreischorleiterin Edith Schmitt, welche die musikalische Gesamtleitung übernommen hatte, bat dazu den Jubelchor und den Frauenchor 1947 Viernheim e.V, unter seinem Dirigenten Hans Kaspar Scharf nach vorne, Albrecht Wunderle nahm wieder am Klavier Platz und noch einmal erschallte die ausdrucksvolle Tenorstimme des Solisten dieses schönen Konzerts, Martin Stefan, der aus der Nähe von Waldmichelbach kommt und einige Lieder bereicherte.

Und dann kamen gleich vier Höhepunkte dieses zauberhaften Nachmittags hintereinander. „Ich bete an die Macht der Liebe“, die immer wieder zum Mitsingen einladende englische Kult-Fußballhymue mit dem wunderschönen Hoffnung gebenden Refrain „You’ll never walk alone“, dann ein Grand Prix-Siegertitel vergangenerTage, das swingende „Halleluja“ der Gruppe „Milk & Honey“, das dann auch noch als Zugabe wiederholt wurde und die Gäste klatschten im Takt mit und ein Wunsch und ein Versprechen der Chöre für die Zukunft „Gott mit euch“ (bis wir uns wiedersehen).

Zwei Stunden zuvor hatte Werner Sindermann, langjähriger l. Vorsitzender des Jubelchors, die Gäste begrüßt, darunter auch Bürgermeister Matthias Baaß mit Gattin, den Stadtverordnetenvorsteher Norbert Schübeler, Pfarrer Eichler und den 1. Vorsitzenden des Sängerkreises Weinheim, Rudi Neumann, außerdein einige Vertreter der Chorgemeinschaft Schmitt, Z.B. vom MGV 1878 Sandhofen, die in diesem Jahr auch Jubiläum feiern und am 17.11. noch ihr großes Jubiläumskonzert vor sich haben.

„Gesang und Musik sind Ausdruck von Lebensfreude, das Gemüt verlangt nach der Musik, die Musik steht für sich allein, Fangen wir an“ – mit diesen Worten übergab er an den erfahrenen Moderator Harald Hofmann, der dann informativ und schwungvoll durch diese letzte Veranstaltung im „Monat des Ehrenamtes in Viernheim“ führte: Zweifellos ein perfekter Abschluss nach vielen bemerkenswerten Veranstaltungen in den letzten vier Wochen.

In zwei Blöcken ließ der MGV Liederkranz 1888 dann zunächst ein paar „Alte Meister“ gesanglich wiederauferstehen, später folgte zeitgenössische Komponisten, die sich intensiv dem Chorgesang gewidmet hatten. Den Anfang machte „Die Himmel rühmen“ von Beethoven, ihm folgten mit Schuberts „Räuberlied“, „Der Jäger Abschied“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und dem Chorklassiker „Abends im Walde“ von Friedrich August Kern drei Lieder, in denen die Natur besungen wird und schließlich eine Melodie aus dem hohen Norden, die „Landerkennung“ von Edvard Grieg, die erste beeindruckende Leistung des Tenorsolisten Martin Stefan.

Im zweiten Block erklangen sehr unterschiedliche Lieder, die allesamt begeisterten. Erneut ein Chorklassiker eines Vielschreibers „Die Tage der Liebe“ von Robert Pappert, „Weit, weit weg“, ursprünglich von Hubert von Goisern, in einer Fassung von Lorenz Mayerhofer, „Gürtel und Tüchlein“ und dann vor „Dona Maria“ von Johann Walter Scharf zwei absolute Höhepunkte dieses Konzerts (auch zwei Lieblingslieder des Schreibers dieser Zeilen), die traumhaft schöne Hymne der italienischen Alpinisten „Das Tal in den Bergen“ (Benia Calastoria) von Bepi de Marzi und ein leider immer noch hochaktuelles Lied, einer der eindrucksvollsten Texte, die je geschrieben wurde, Stephen Adams „Jerusalem“, die gewaltige Hymne auf die Heilige Stadt und das Volk ohne Land. Dabei bewies Martin Stefan sein großes gesangliches Können und es war ganz still im weiten Rund. Der Beifall fiel dann zurecht entsprechend stürmisch aus.

Für die ebenso gekonnt dargebotene Instrumentalmusik sorgte mit zwei Auftritten der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Jens Uhlenhoff. Zunächst mit modernen religiösen Liedern und einer flotten Eigenkomposition des Dirigenten „Du hast uns Herr gerufen“, dem „Sommerpsalm“ und „Rückenwind“, dann zwei sehr bekannte Melodien, den berühmten Marsch „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar und das in vielen Gesangsbüchern zu findende sehr beliebte und immer gern gesungene „Danke“ von Manfred Häberlein in einem ganz tollen Arrangement.

Zwischendurch war dann noch gesangliche Ladypower angesagt, vom tollen Frauenchor 1947 Viernheim unter ihrem kreativen Chorleiter Hans Kaspar Scharf, die im letzten Jahr ihren 70.Geburtstag feierten und in der letzten Zeit immer wieder begeistern. Vier Lieder von und für Frauen (und Männer). Zunächst zwei Songs aus dem wohl besten und erfolgreichsten deutschen Musical „Elisabeth“ die etwas anders erzählte Geschichte der berühmten „Sissi“. Das Liebeslied „Boote in der Nacht“, bei der es eine kleine Überraschung gab, denn Moderator Harald Hofmann bewies auch sein Gesangstalent, er wirkte mit gefühlvoller Tenorstimme als Solist mit (mit kleiner Krone auf dem Haupt) und dann ein Bekenntnis das direkt von „Sissi“ stammen könnte, das starke leidenschaftliche „Ich gehör nur mir“. Dann wurde es ein wenig humoristisch mit dem sehr hübschen direkt aus dem Leben gegriffenen und allen Damen im Publikum aus dem Herzen sprechenden „Für Frauen ist das kein Problem“ (sowas machen wir mit links, alles machen wir parallel und sehen immer gut dabei aus) und das Liedchen um den Kampf mit den Pfunden der Gesangsgruppe „Die Mütter“, das herrlich ehrliche Liedchen von der „Hefe“ (die Hefe geht auf – unser Lebenslauf). Glückwünsche für den Jubelverein überbrachten der Frauenchor (dickes Buch mit hochprozentigem Inhalt), der ebenfalls jubilierende Musikverein „Die Herolde“ und Rudi Neumann für den Sängerkreis Weinheim.

Wirklich ein sehr unterhaltsamer gesanglich-musikalischer Cocktail unter der musikalischen Gesamtleitung von Chordirektorin Edith Schmitt mit tollen Gästen, der das Publikum zwei Stunden lang im besonderen Ambiente des Museumsgartens begeisterte und man sich nun schon wieder auf das nächste Konzert des Jubelchors freuen, der hoffentlich noch einige Jubiläen feiner darf.

Beachten Sie hierzu auch unsere Foto-Impressionen.

Impressionen vom Jubiläumskonzert des MGV 1888 Liederkranz zum 130. Bestehen im Museumsgarten                                                                                                             VT 06.10.2018