Bergstraße Männerquartett – Ein „musikalischer Markenartikel“ geht

Mai 2018 (Weinheimer Nachrichten) „Männerquartett Bergstraße“: Verein ist aufgelöst / Vermögen fließt zu gleichen Teilen in die Musikerziehung der beiden Hirschberger Grundschulen

 

LEUTERSHAUSEN. Sie sangen Spirituals, Traditionelles aus Russland, Pop, aber vor allem verstand sich das „Männerquartett Bergstraße“ als „lebendiger Archivar volkstümlichen Chorgesangs“. So legten es die Gründer 1983 fest, als sich das Ensemble aus dem fünf Jahre älteren „Silcher -Quartett“ gründete. Bald wurden erste Auftritte vorbereitet, es folgten Konzerte, Sängerwettbewerbe und Chorreisen nach Ungarn, Finnland, in die USA und die Türkei, nach Russland, Tirol und Österreich. Längst war das Quartett kein Quartett mehr – in Spitzenzeiten gehörten über 20 Männer dazu, mit denen die Chorleiter Platten aufnahmen, im Radio und im Fernsehen auftraten. Zum 25-jährigen Jubiläum 2008 wurde ein Album herausgebracht; im Booklet dieser „klingenden Festschrift“ fielen lobende Worte für den „musikalischen Markenartikel der Region“, und mancher Grußworte-Schreiber fragte sich, welche Erfolge die Zukunft wohl noch bringen würde.

Wenige, leider. Denn 2010 erfolgte nach einer emotionalen Sitzung der Beschluss, den Sängerbetrieb einzustellen. „Es ist uns wirklich viel verloren gegangen, aber man kann gewisse Dinge in der heutigen Zeit nicht erzwingen“, bedauerte Bürgermeister Manuel Just: Das Ende kam wegen Nachwuchssorgen. Der Altersdurchschnitt, erinnerte sich der einstige Vizevorsitzende Dr. Nikolaus Steinebach, habe sich „knapp über 70“ bewegt. Der zum Quartett gehörende Verein sei in den letzten Jahren noch „dahingewabert“, so Just; im vergangenen Dezember kam dann die endgültige, formale Auflösung.

Weil das Vereinsvermögen in diesem Falle laut Satzung an die Gemeinde Hirschberg gehen sollte, setzten sich der ehemalige Vorstand und „Ehrensänger“, Altbürgermeister Werner Oeldorf, mit Just in Verbindung, und es wurde beschlossen, dass das Geld je zur Hälfte den Hirschberger Grundschulen zugutekommen soll. Genauer gesagt, der dortigen Musikerziehung, auch unter sozialen Aspekten, erklärte Steinebach.

Deren Leiterinnen, Kyra Hermann-Bläß (Grundschule Großsachsen) und Sabine Keuthen-Brandt (Martin-Stöhr-Schule Leutershausen) wussten vor dem gestrigen Pressetermin noch gar nicht, was da auf sie zukommen würde – die Überraschung gelang. Es gehe um einen Betrag von exakt 2712,18 Euro, bilanzierte Karl-Heinz Öhlenschläger, einer der letzten Vorsitzenden und am Ende „Liquidator“ des Vereins. In Großsachsen werden damit sowohl die Chor-AG unterstützt als auch Instrumente angeschafft; in Leutershausen steht der Wechsel in einen neuen Musiksaal an, außerdem werde der Bestand an schuleigenen Instrumenten überprüft, so die Rektorin.

So sorgte der an sich traurige Anlass, wie Just bemerkte, nicht nur für das berühmte weinende, sondern auch für ein lachendes Auge: Traurig ging es ohnehin nicht zu bei der Spendenübergabe; zunächst überlegte Steinebach laut, ob wohl die einstigen „Chor-Devotionalien“, Pokale, Noten und Urkunden, irgendwann mal einem Heimatmuseum ausgestellt werden könnten. Später wurden Erinnerungen an Ausflüge und Reisen wach, Anekdoten erzählt und Oeldorf kurzerhand der – vorläufig noch inoffizielle – Titel eines „Botschafters für den qualitätvollen Chorgesang“ verliehen. Alles in allem geriet die Spendenübergabe zu einem schönen und, wie es sich die Sänger gewünscht hatten, würdevollen Abschied vom „Männerquartett Bergstraße“. stk

Das Vereinsvermögen des aufgelösten Männerquartetts Bergstraße geht an die beiden örtlichen Grundschulen. Unsere Aufnahme zeigt (von links: Bürgermeister Manuel Just, Rektorin Sabine Keuthen-Brand, Nikolaus Steinebach, Karl-Heinz Öhlenschläger, Werner Oeldorf und Rektorin Kyra Herrmann-Bläß. BILD: MARCO SCHILLING