Großsachsen Sängerbund – Ein neues Cafe und ein grüner „Ruhepol“

Juni 2018 (Weinheimer Nachrichten) Großsaasemer Gasseflohmarkt: Gut besuchter Markt / 110 Stände, Rahmenprogramm mit Theater und Musik

 

GROSSSACHSEN. „Alles im grünen Bereich.“ Eugen Münd vom Gemeinde-Vollzugsdienst und seine Kollegin haben gerade die erste Runde des Tages über den Gassenflohmarkt gedreht und sind guter Dinge: Es gab keine Beschwerden, keine Autos standen im Weg, und der Aufbau der 110 Stände verlief problemlos. Ein kurzes Händeschütteln mit Christian Würz von den „Großsaasemer Buwe“, die das Fest organisieren, und schon sind die beiden verschwunden für ihren nächsten Rundgang.

Der CDU-Gemeinderat wirkt tiefenentspannt. „Wir bereiten uns am Stand erst noch auf den großen Ansturm vor“, sagt er und meint den späten Vormittag, wenn die ersten Hungrigen für Steak, Bratwürste oder die „Buwespitzle“, „Schupfnudeln mit Speck und Kraut“, zur „Buwe-Klause“ kommen. Morgens geht es da gemächlich los, erst einmal wird in aller Ruhe der Grill angeheheizt.

Da ist das Flohmarktgeschäft längst in vollem Gang: Ab 7 Uhr werden die ersten Stände aufgebaut und sind frühe Schnäppchenjäger unterwegs. Bücher und Kleidung gibt es da, hin und wieder bleibt der Blick an etwas Unerwartetem hängen: Ein Mann verkauft Bohrmaschinen, Kreissägen und einen gebrauchten Rasenmäher, im Hof der Fotografin Jo Goertz hängen eigene, großformatige Aufnahmen, und ein Mann löst offenbar seine Sammlung Bierhumpen auf. Anderswo sieht man verschnörkelte Antiquitäten oder Spielzeug: In einem lila Plastikregal warten quietschbunte „Filly“-Pferdchen auf kleine Käuferinnen, eine Straße weiter grinst einem eine grüngesichtige Spuk-Barbie von der „Monster High“ entgegen.

Noch ist nicht jeder zufrieden mit dem Umsatz, ein Mann sagt: „Es ist weniger los als sonst.“ Ob das am parallel stattfindenden Weststadt-Flohmarkt in Weinheim liegt? Allmählich füllen sich jedoch die Gassen, an manchen Ständen herrscht bereits Gedränge; es scheint, als ob viele abgewartet haben, ob es trocken bleibt. Das Wetter „hält“ und auch der Kundenstrom nimmt zu.

Sen dem Morgen ist der MGV Sängerbund mit dem „rollenden Frühstück“ unterwegs. Gut gelaunt ziehen zwei Frauen ihren Karren, auf dem die belegten Brötchen im Styroporkarton allmählich weniger werden; sie schenken Kaffee und Sekt aus und machen sich auf den Rückweg, um in der Straußwirtschaft im Mayer-Hof Brezeln nachzufüllen. Dort kommen die ersten Mitglieder mit verlockend aussehenden Erdbeertorten und Käsekuchen an, die das Buffet zu einem Anziehungspunkt machen sollen.

Erstmals gehört auch die Luisenstraße zum Marktgebiet. An den Kreuzungen sind Stände aufgebaut, dazwischen klafft eine Lücke. Weiter hinten spielt jemand Gitarre, und das verlockt die meisten zum Weitergehen. Sie werden nicht enttäuscht, denn ab halb elf lädt das „Cafe Luise“ ein zur Kaffeepause. Susanne Böhm-Schwarz und Eva Böhm-Neußer haben im Innenhof ein schnuckliges Gartenlokal gezaubert: Man kann sich an runden Tischen niederlassen und dabei den Blick über selbst gemalte Bilder schweifen lassen; sogar der aus Hygiene gründen erforderliche „Spuckschutz“ vor dem Kuchenbuffet ist schön anzusehen. „Das fiel mir noch letzte Woche ein“, sagt Böhm­Schwarz über den goldenen Bilderrahmen mit Glas, der die Theke abtrennt.

Frisch gestärkt, kann man sich draußen bei Volker Neußer noch mit selbst eingekochten Marmeladen und Chutneys eindecken. Wenn die Taschen voll und die Kinder quengelig sind, ist für Unterhaltung gesorgt: Auf Einladung der Landfrauen gastiert die Gruppe „Theaterta“ mit dem Stück „Die kleine Raupe“ im evangelischen Gemeindehaus; am Nachmittag verwöhnen die Landfrauen ihre Gäste beim Seniorencafe mit Musik vom Alleinunterhalter, Kuchen und Torten. Mitten im Trubel wartet aber auch eine Art Ruhepol auf die gestressten Einkäufer: Hermann Stöhrer hat seinen Garten geöffnet und führt Besucher herum. Aus dem sechs Ar großen Stück Land hat der Hirschberger in den letzten 20 Jahren ein grünes Paradies geschaffen, in dem unzählige Blumen blühen. Hier kann man zwar nichts kaufen, aber sehr viel sehen. Und entspannen.   stk

Gebrauchte Kleidung, Bücher und manche Kuriosität liegt auf den Ständen beim Großsachsener Gasseflohmarkt.   BILD: MARCO SCHILLING