Hemsbach Germania – Musik, die das Herz berührt

Juli 2018 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Hemsbacher Gospelchor zeigt sich in der restlos besetzten Christuskirche von seiner groovigen Seite

 

HEMSBACH. Einen Abend voller Emotionen hat der Gospelchor der Germania 1889 Hemsbach seinen Gästen bei seinem traditionellen Sommerkonzert beschert. „Gospel trifft Groove“ lautete das Motto des Konzertes, das von Dirigentin Peny Bauer gestaltet worden war. Um dem Publikum ein perfektes Erlebnis zu bieten, hatten sich die Chormitglieder seit vielen Wochen in unzähligen Übungsstunden und sogar einem Probewochenende im Schwarzwald auf den Auftritt vorbereitet. „Es ist uns wichtig, Altes zu bewahren, aber auch mit moderner Musik nachfolgende Generationen anzusprechen“, sagte Vorsitzende Petra Baumann und schwärmte: „Und es ist wirklich toll zu sehen, wie unser Chor immer weiter gedeiht, aber auch zusammenwächst, da wir uns immer besser kennenlernen.“ Der Chor hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erarbeitet, sodass immer mehr Leute mitmachen wollen. Und auch die Konzerte sind stets gut besucht – so auch am Sonntagabend.

Die Reihen in der Christuskirche waren trotz hoher Temperaturen restlos besetzt, sodass die Hausherrin, Pfarrerin Corinna Seeberger, witzelte: „Wir können wohl erst alle in unseren wohlverdienten Urlaub, wenn das Sommerkonzert des Gospelchores vorbei ist.“ Wenn es im Urlaub dann zu Sprachbarrieren komme, sei Musik eine perfekte Universalsprache, um sich zu verständigen. „Musik berührt das Herz, und zaubert ein Lächeln ins Gesicht, da kommt es nicht darauf an, dass man jedes Wort versteht, sondern, dass man den Groove spürt“, betonte die Geistliche.

Bürgermeister Jürgen Kirchner bezeichnete das Gospelkonzert als wohltuend nach all dem Fußball in den vergangenen Wochen und erklärte, dass er sich sicher sei, dass der Chor, im Gegensatz zur Nationalmannschaft, besser aufgestellt und fit sei – und das nicht nur durch das „Trainingslager“ im Schwarzwald. Er lobte aber auch das Engagement aller Sängerinnen und ihrer Chorleiterin: „Sie wecken Interesse und Begeisterung vor Ort und halten das Musikleben in der Stadt lebendig, auch wenn das Kraft und Engagement fordert.“

Ein großes Kompliment, das die Sängerinnen sichtlich freute. Diese liefen – alle in weißen Roben mit regenbogenfarbenen Akzenten gekleidet – singend in die Kirche ein. Begleitet wurde der Chor von Pianistin Renny Löffler am Klavier. Schnell wurde klar, auf welch hohem Niveau der Gospelchor musiziert und schon die ersten mehrstimmigen Töne sorgten für Gänsehaus. Das

Programm des Konzerts war eine bunte Mischung aus Spirituals, klassischen Gospels und groovigen Stücken, die zum Wippen und Mitschnipsen einluden. In einer kleinen Moderation sprachen Julia Kiß und Tina Meierhöfer über den Ursprung der Stücke und die verschiedenen Themenschwerpunkte. Denn Gospel ist eben nicht gleich Gospel.

Natürlich nahm die Kirchenmusik einen großen Teil des Abends ein. Der Chor sang „Do Lord, remember me“, intonierten „He’s got the whole world in his hand“ und sorgte mit „Son of a preacher man“ für einen ersten Höhepunkt. Wie gut der Zusammenhalt des Chores funktioniert, zeigten die freundlichen Blicke und das nette Lächeln, die sich die Chormitglieder gegenseitig beim Singen zuwarfen. Denn sie hatten einfach Spaß am gemeinsamen Musizieren. Durch die vielen Menschen und die warmen Temperaturen war die Christuskirche leider schon zu Hälfte des Konzerts so aufgeheizt, dass man die Musik nicht in vollen Zügen genießen konnte, das Fächern mit dem Programmheft half auch nicht besonders viel. Deshalb freuten sich alle umso mehr, über die ausgedehnte Pause im Programm, in der der Chor Erfrischungen im Freien bereit hielt.

Im zweiten Teil des Konzerts gab es neben den amerikanischen Gospels auch deutsches Liedgut, nämlich „Mehr will ich nicht von dir“ und „Könntest du doch wieder bei mir sein“. Verabschiedet wurden die Gäste mit einem Medley aus dem Film „Sister Act“ – wohl einem der bekanntesten Gospels der Welt, der die Stimmung noch mal richtig hochkochen ließ. Wie schon in den vergangenen Jahren hatten es die Sängerinnen wieder geschafft, ihren Gästen mit der Musik ein Lächeln auf Gesicht und Wärme in die Herzen zu zaubern. Denn Musik versteht jeder auch ohne Sprache, und sie vereint über Generationen hinweg. Soe

Ohne Sommerkonzert geht es nicht in den Urlaub: Alle Plätze in der Christuskirche waren beim Auftritt des Gospelchors besetzt.  BILD: SASCHA LOTZ