Laudenbach Cantabile – „Lichter“ Gesang vertreibt die Dunkelheit

Dezember 2018 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: TGL-Chor Cantabile Bergstraße beweist mit Advents- und Weihnachtsliedern sein Können in der katholischen Kirche

 

LAUDENBACH. „Mache dich auf und werde licht“ – in diesen beiden suggestiv wiederholten Textbausteinen mahnten die 27 Damen von „Cantabile Bergstraße“, „licht“ zu werden, hell und offen für Gott. Also machte sich der Frauenchor der Turngemeinde Laudenbach (TGL) zur Eröffnung seines Konzerts am Sonntagabend auf den Weg, vorbei an den dicht besetzten Reihen der katholischen Kirche bis zur Empore.

Schon dieser Auftakt wies auf das Programm hin, mit dem sich der Chor unter Leitung seines Dirigenten Tobias Freidhof christlichen Advents- und Weihnachtsliedern, Gospels und Spirituals widmete. Folge – richtig leiteten die Sängerinnen die besinnliche Abendstunde mit einem Blick auf die Ewigkeit und das ewige Licht ein: „Lux aeterna“. Schon immer hätten sich die Menschen danach gesehnt, es gebraucht und daraus Hoffnung geschöpft, sagte Freidhofs Gattin Henriette in ihrer Begrüßungsansprache. Denn Licht habe die Macht, die Dunkelheit zu vertreiben, die uralte Sehnsucht der Menschen nach Klarheit und Orientierung zu stillen.

So darf auch der erste Liedbeitrag von „Cantabile“ verstanden werden. „Der Morgenstern ist aufgegangen“ – die Komposition des Hofkapellmeisters Michael Praetorius von 1609 atmet den Geist von Renaissance und Barock. Uns Heutigen freilich bleiben gefällige Melodien wie „You Raise Me Up“ eher im Ohr. Die Damen zelebrierten den Gospel gefühlvoll, blieben in der Moderne

mit „Run“, Garry Lightboys traurigen Worten vom Abschied, aber auch mit dem Licht der Hoffnung, dem sie mit „Sunny Light Of Bethlehem“ den letzten Fixstern dieser ersten Liedfolge setzten. Im Text und im übertragenen Sinn bereitete die zehnjährige Nora Wellach mit klarer, kräftiger Stimme „Freude im Himmel und überall“. Hariolf Meier, von dessen einfühlsamer Begleitung auch „Cantabile“ profitierte, ebnete der jungen Nachwuchssängerin am Klavier die rhythmische Richtung.

Tobias Freidhof hatte ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt und den Damen allerhand zugemutet. So war es sein persönlicher Lohn, dass es der erst seit fünf Jahren bestehenden Chor schaffte, dem Publikum in der voll besetzten Kirche Begeisterungsstürme abzutrotzen. Das gelang im zweiten Block womöglich noch eindrucksvoller. „Hebe deine Augen auf“ (Mendelssohn Bartholdy) kündet, ganz romantik-geprägt, von der Hilfe, die von den Bergen kommt, aber auch „All Night, All Day“ spricht nicht minder tröstlich von der Wachsamkeit der Engel, auf gleicher spiritueller Ebene wie in der frohen Botschaft bei „Angels Carol“.

Bluenotes springen in die Bresche

Schmerzlich, dass der an dieser Stelle vorgesehene Männerchor Rippenweier wegen Erkrankungen absagen musste. „Lückenbüßer“ waren die „Bluenotes“, ein 20-köpfiger gemischter Chor aus Heidelberg, der nicht nur aufgrund seines mächtigen Klangkörpers für Gänsehaut sorgte. Tobias Freidhof hatte aus seinem reichhaltigen Chorfundus für den fulminanten „Ersatz“ gesorgt, der diesem Konzert ganz besondere Noten verlieh. Der Chor stellte sich mit einem Bruckner­Choral vor, bevor er das endlose, gleichwohl harmonisch als auch rhythmisch sündhaft variantenreiche „Kyrie Eleison“ anbot, zornig und versöhnlich, rasch und tragend. Schwere Kost, die mit „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ nicht mehr gar so schwer verdaulich war und bei Händels „Joy To The World“ ihren harmonischen Höhepunkt fand.

Begeisterter Beifall des sachkundigen Publikums begleitete die „Bluenotes“ auf den Heimweg, bevor sich die elfjährige Lara Kaup auf dem Klavier an einen Walzer, von Frederic Chopin wagte. Mit bejubeltem Erfolg für die junge Pianistin, wenn man bedenkt, wie vertrackt Chopin die anspruchsvollen Läufe ins Verhältnis zum Dreivierteltakt gesetzt hat.

Henriette Freidhof leitete das Konzertende mit einer Lesung zur Entstehungsgeschichte eines der bekanntesten und beliebtesten Weihnachtslieder ein: „Macht hoch die Tür“. Georg Weißel zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Pfarrer in Königsberg, sei durch die Aufforderung des Domküsters, auf der Flucht vor einem Unwetter „durch das Tor des Königs aller Könige“ einzutreten, zu dem Lied inspiriert worden. Am vierten Adventssonntag des Jahres 1623 sei es vor dem Gartentor des hartherzigen Kaufmanns Sturgis erstmals gesungen worden, worauf jener das Tor aufsperrte und nie wieder verschloss. Gerührt sangen die Konzertbesucher das Lied gleichsam als Einleitung zu Variationen für „Gloria“ und „Alleluja“, Lieder, mit denen die Damen von „Cantabile“ unmissverständlich die beeindruckende Bandbreite ihres Könnens bekräftigten. Das Publikum dankte es den Akteuren mit schier endlosem Beifall. he

Anspruchsvolle Chorliteratur: Die 27 Damen des Chors Cantabile Bergstraße trugen bei einem Konzert in der katholischen Kirche Advents- und Weihnachtslieder vor.  BILD: PHILIPP REIMER