Laudenbach Singverein – Botschaft von Frieden und Freundschaft verbreitet

Januar 2020 (Weinheimer Nachrichten) Mit Jubiläumsmatinee ins 150. Jahr des Bestehens gestartet / Laudenbacher Chöre feiern mit vielen Gästen im Festsaal der Sonnbergschule / Zahlreiche Ehrungen.

 

Laudenbach. Viel Lob und Anerkennung wurde den Verantwortlichen des Singvereins 1870 für die Art der Durchführung der Jubiläumsfeier zum 150-jährigen Bestehen zuteil. Trotz zweieinhalbstündiger Dauer mit zahlreichen Reden und Grußworten gelang ein kurzweiliges Programm mit viel musikalischer Umrahmung durch die beiden Chöre unter Leitung von Thomas Wind, und Andreas Luca Beraldo und ein bestens aufgelegtes Streichquartett aus Lehrkräften der Musikschule Weinheim mit Olga Levinson und Carolina Blumenschein (Violine), Kathrin Lustig (Viola) und Ingibjörg Schwarze (Violoncello). Sie boten „Andante festivo“ von Jean Sibelius, das „Menuett“ von Luigi Boccherini und zum Abschluss den bekannten Strausswalzer. „An der schönen blauen Donau“, wie Ehrenvorsitzender Karlheinz Bangert in seinen Schlussworten sagte und auch gleich erläuterte, was es damit auf sich hat. Es war das erste Stück, das der langjährige Chorleiter Gerhard Wind mit dem Singverein einstudierte, und es war auch das letzte Stück, das der Chor bei dessen Abschiedskonzert sang.

Erinnerung an die Gründung

Die Veranstaltung wurde durch den Männerchor mit dem bekannten Lied „Die Gedanken sind frei“ stimmgewaltig und mit glänzender Klavierbegleitung von Albrecht Wunderle eröffnet. Vorsitzender Friedhelm Stiller erinnerte in seiner Begrüßung der Ehrengäste, unter ihnen auch der künftige Bürgermeister Benjamin Köpfle, eine stattliche Gemeinderatsdelegation sowie Abordnungen aus Llanelli und Weimar, an den historischen Kontext bei der Gründung seines Vereins mit dem Deutsch-Französischen Krieg, der Reichsgründung und der Bismarck’schen Kanzlerschaft. Seitdem habe der Verein – wie in der Festschrift ausführlich dargestellt – viele Höhen und Tiefen durchlaufen. Er freute sich über den großartigen Besuch, den man sich auch für das Jubiläumskonzert am 16. Mai, den Liederabend mit dem Trentiner Bergchor am 17. und das Freundschaftssingen am 18. Oktober sowie das Weihnachtskonzert mit dem Philharmonischen Chor Weimar am 19. Dezember erhoffe.

Husarenritt durch die Geschichte

Der Verfasser der Festschrift, Herbert Bangert, unternahm einen „Husarenritt“ durch die 150-jährige Vereinsgeschichte. Er beleuchtete aber auch die Anfänge der Männerchorbewegung vor Gründung des Singvereins und stellte sie in Zusammenhang mit dem Eröffnungslied „Die Gedanken sind frei“. Kein anderes Lied habe die Geschichte dieses Landes in den beiden letzten Jahrhunderten mehr begleitet; es stehe sinnbildlich für die beginnende Chorbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seinerzeit sei diese fortschrittlich geprägt gewesen und habe die bürgerlich-liberale Idee eines deutschen National- und Verfassungsstaates wesentlich mitgetragen und beeinflusst. Beim berühmten „Hambacher Fest“ 1832 sei das Lied von den Burschenschaften gesungen worden. Nach der Reichsgründung 1871 hätten sich die Sänger in ihrer großen Mehrheit von einer eher oppositionellen Kraft hin zu Stützen des Kaisertums gewandelt. Bangert gab auch einen Einblick in die Entstehung der Festschrift, bei der er große Unterstützung durch seine frühere Assistentin im Mannheimer Rathaus, Sabina Scipio, Sven Olthoff, seinen Bruder und Ehrenvorsitzenden Karlheinz Bangert und Norbert Luber erfahren habe.

Ansprache in drei Sprachen

Nach dem „Adiemus“ des Frauenchors Cara Mia gab es die Festansprache des wegen eines operativen Eingriffs verhinderten Schirmherrn Eifion Thomas, langjähriger Chorleiter des Partnerchors „Meibion Llanelli“ – in dreifacher Ausführung: Peter Thomas, früherer Vorsitzender des Partnerchors, trug sie in englischer, seine Ehefrau Linda als Kurzfassung in walisischer und Singvereins-Vizechef Heinz Hannemann in deutscher Sprache vor. Thomas führte aus, dass 150 Jahre Singverein für 150 Jahre Musizieren und Pflege von Freundschaften stehe. Er bedauerte den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU als „falschen Weg in die Zukunft“. Die Mitglieder des Singvereins hätten durch ihr Singen im Chor die Botschaft von Frieden und Freundschaft in der Welt verbreitet. Er erinnerte an den ersten Besuch seines Chors 1975, als man sofort empfand, dass Laudenbach eine Gemeinde der Liebe, Freundschaft und Hoffnung sei, sowie an den Abschluss der Chorpartnerschaft 1979.

Es erfülle ihn mit Stolz, als Schirmherr zu dem besonderen Anlass gratulieren zu können. Er unterstrich das Leitmotto des Vereins „Uns alle verbindet das Lied“, das die Vereinsfahne ziert und an diesem Vormittag als Bühnendekoration diente.  Europäischer Gedanke

Bürgermeister-Stellvertreterin Dr. Eva Schüßler überbrachte die Grüße des bei einer Bürgermeistertagung weilenden Ortsoberhauptes und stellte fest, dass Singen glücklich mache. Dies gelte sowohl für die Singenden wie auch für die Zuhörer. Der Singverein sei als Kulturträger aus dem Gemeindegeschehen nicht wegzudenken. Er pflege aber auch die Geselligkeit und trage zum bürgerschaftlichen Leben beispielsweise durch das Betreiben der Kerwescheuer bei. Er habe sich immer wieder in den Dienst der Gemeinde gestellt und sich schon früh dem europäischen Gedanken mit Kontakten in die Niederlande, nach Wales, ins Trentino und in die Normandie, wo man wiederholt in der Partnergemeinde Ivry-la-Bataille konzertiert habe, verschrieben. Man sei also sowohl in der Völkerverständigung wie auch bei der Wiedervereinigung aktiv gewesen, attestierte Schüßler mit Blick auf die Verbindung mit Weimar.

Vorsitzender Stiller dankte der Gemeinde für die Unterstützung und Zusammenarbeit, auch zur besonderen Freude von Pfarrerin Birgit Risch, mit einem Gutschein für die Begrünung des neu zu gestaltenden Platzes vor der alten Dorfkirche. „Gabriellas Song“ des Frauenchors leitete über zum Grußwort des Vorsitzenden des Sängerkreises Weinheim, Rudi Neumann. Er sah Musik als Menschen emotional verbindendes Element, das Sprachbarrieren überwinde und das Leben bereichere. Der Singverein 1870 sei ein herausragender Repräsentant des Chorwesens, dessen guter Ruf weit über die Gemeindegrenzen hinausreiche. Er überbrachte auch die Glückwünsche des Badischen und Deutschen Chorverbandes und überreichte entsprechende Urkunden.

Grußworte

Nach dem zeitgenössischen Chorsatz „Vivat Musica“ des Männerchors überbrachte Marko Zöllner die Grüße des Philharmonischen Chors Weimar und sah es als großen Gewinn, Freunde zu haben, die die Liebe zur Musik verbinde. Man blicke mit großer Vorfreude auf das gemeinsame Weihnachtskonzert zum Jubiläumsabschluss. Hans-Joachim Gottuck gratulierte für die in der „Arbeitsgemeinschaft Laudenbacher Vereine“ zusammengeschlossenen Vereine und Organisationen und attestierte dem Singverein, sich seiner Tradition bewusst, aber auch auf Gegenwart und Zukunft ausgerichtet zu sein.

In seinem Schlusswort beleuchtete Ehrenvorsitzender Karlheinz Bangert die aktuelle Situation der Chorbewegung, die sich zwar nicht in einer Krise befinde, die aber von Nachwuchssorgen geplagt sei. Den Chören sei aber auch weiterhin große Bedeutung beizumessen, indem sie eine kultur-, sozial- und gesellschaftspolitische Funktion erfüllten. Er warb für einen Beitritt in die Singvereinschöre oder die Unterstützung als förderndes Mitglied. Bevor es zum Umtrunk ging, beschlossen Männer- und Frauenchor gemeinsam mit „We Are The World“ die Matinee. hb

Ehrungen beim Singverein

  • 25-jähriges Singen im Chor: Harald Dilchert, Dieter Kremmin und Edmund Müller.
  • 50 Jahre: Heinz Hannemann und Siegfried Quednau.
  • 60 Jahre: Edmund Schmitt.
  • 70 Jahre: Otto Felz
  • 25-jährige Vereinszugehörigkeit: Udo Dember, Alexander Giegrich, Sylvia Hack, Bernd Hauptfleisch, Karl Leitwein, Ortwin Schümmer und Fritz-Eckart Wandel (Weimar).
  • 40 Jahre Mitgliedschaft: Reinhard Unger.
  • 50 Jahre Mitgliedschaft: Berthold Bingen, Willi Ehrhardt, Otto Felz, Heribert Hain, Herbert Helly und Robert Kessler.
  • 60-jährige Vereinstreue: Kurt Noe.

Der Singverein zeichnete in seiner Jubiläumsmatinee zum 150-jährigen Bestehen zahlreiche Mitglieder aus. BILDER: PHILIPP REIMER

Für ein kurzweiliges Programm mit viel musikalischer Begleitung sorgte unter anderem der Männerchor des Singvereins.