Laudenbach Singverein – Der älteste Verein am Ort feiert 150. Geburtstag

Januar 2020 (Weinheimer Nachrichten) Rückblick auf wechselvolle und erfolgreiche Geschichte / Am 26. Januar Matinee im Festsaal der Sonnbergschule

Von Herbert Bangert

 

Laudenbach. Der Singverein 1870 ist nicht nur der älteste Verein am Ort, er hat in seiner 150-jährigen Geschichte auch nachdrücklich unter Beweis gestellt, dass er besonderes Gewicht innerhalb des kulturellen und bürgerschaftlichen Lebens der Gemeinde einnimmt. Nach der Generalversammlung am Dreikönigstag startet er am kommenden Sonntag, 26. Januar, um 10.30 Uhr im Festsaal der Sonnbergschule mit einer Jubiläumsmatinee in sein Jubiläumsjahr, bei der mit der Vorstellung der Festschrift auch ein Streifzug durch die wechselvolle Vereinsgeschichte unternommen wird.

Der Beginn der Vereinsgeschichte fügt sich ein in die Entwicklung des deutschen Männerchorwesens insgesamt. Dieses war im 19. Jahrhundert zunächst eine fortschrittliche Bewegung; die die bürgerlich-liberale Idee eines deutschen National- und Verfassungsstaates wesentlich mittrug und beeinflusste. Auch infolge des deutsch-französischen Kriegs und der Reichsgründung vollzog sich ein Wandel von der eher oppositionellen zur staatstragenden Kraft und es war der patriotische Geist, der im Jahr 1870 animierte, den „Männergesangverein Laudenbach“ zu gründen. Man wollte den „heimkehrenden siegreichen Kriegern“ des deutsch-französischen Krieges nämlich einen würdigen Empfang bereiten. Am 4. September 1870 wurde die Gründung durch die Herren Johannes Bassauer, Valentin Ehret, Stephan Keßler, Adam Leitwein, Michael Stein und Hermann Wolff vollzogen und nach Kriegsende erfuhr der Verein durch den Eintritt einer Reihe von jungen Männern einen spürbaren Aufwind. Eine handschriftliche Niederschrift über eine Friedensfeier in Laudenbach vom 5. März 1871 gibt Zeugnis eines frühen, vielleicht sogar des ersten Auftritts des Gesangvereins, der diese Feier – ganz im Sinne der Gründungsintention – umrahmte. 1874 veranstaltete der Verein ein großes Fest und weihte seine erste Fahne.

Als im Jahr 1895 ein zweiter Gesangverein im Ort mit Namen „Concordia“ gegründet wurde, entwickelte sich zwangsläufig eine Konkurrenz, die dem Chorgesang im Ort allerdings zu hoher Blüte verhalf. Das 25-jährige Jubiläum wurde mit einjähriger Verspätung im Mai 1896 gefeiert. Die Berichterstattung im „Weinheimer Anzeiger“ bestätigte seinerzeit ein gelungenes Festgeschehen.

Tiefe Einschnitte

Der Erste Weltkrieg brachte einen Bruch der bis dahin günstigen Entwicklung beider örtlicher Gesangvereine. Viele Mitglieder wurden zum Kriegsdienst eingezogen, der Gesang lag mehr oder weniger brach und beide Vereine hatten Opfer zu beklagen. Nach Kriegsende waren es insbesondere die von Leid und Not geprägten Umstände, die 1919 zur Vereinigung der beiden Vereine führte. Nach der vorläufigen Benennung „Vereinigte Männergesangvereine“ verständigte man sich auf den bis heute geltenden Namen „Singverein 1870“. Das 50-jährige Bestehen 1920 konnte aufgrund der Kriegsfolgen nicht würdig gefeiert werden. Als 1925 Michael Bürner die Vereinsleitung übernahm, wurde eine stetige Aufwärtsentwicklung eingeleitet, die auch durch den damaligen Chorleiter, Musikdirektor Emil Sieh aus Mannheim, mitgeprägt wurde. So wurde 1926 beim Preissingen in Pforzheim die Tagesbestleistung im „erschwerten Volksgesang“ errungen. Das 60-jährige Bestehen 1930 wurde mit Festbankett, Wettsingen, Festzug und Bällen und einer Volksbelustigung begangen. Nachdem die Nazidiktatur 1933 Einzug gehalten hatte, litt auch das Vereinsleben beispielsweise durch drastische Beschnitte der Chorliteratur. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bedeutete dann das Ende jeglicher Chorarbeit; viele Sänger wurden Opfer.

Neugründung 1946

Einem Häuflein von Idealisten gelang es ungeachtet aller Schwierigkeiten im Jahr 1946, die Wiederzulassung zu erwirken, die Neugründung zu vollziehen und den Chorbetrieb wieder aufzunehmen. 1950, wurde das 80-jährige Bestehen gefeiert. Die Festtage, nicht zuletzt ein Verdienst des zwischenzeitlich verpflichteten jungen Chorleiters Gerhard Wind, wurden mit Festbankett, Freundschaftssingen, Festzug und Festakt zu einem herausragenden Ereignis für Verein und Bürgerschaft. Ein Jahr später übernahm Rudolf Hagen den Dirigentenstab, Er führte den Verein von Erfolg zu Erfolg. Als er zur Bundeswehr überwechselte, gelang es 1959, erneut Musikdirektor Gerhard Wind zu verpflichten, der den Chor im Anschluss über 50 Jahre leitete und ihn zu weithin beachtetem Niveau führte. Nur ein Jahr nach seiner Verpflichtung wurde das 90-jährige Bestehen zu einem großen Erfolg. Die „Weinheimer Nachrichten“ titelten ihre Berichterstattung mit „Die ganze Gemeinde feierte mit dem Singverein 1870 Laudenbach und würdigten das festliche Gewand“, in dem sich Laudenbach über das Festwochenende präsentiert hatte.

Nachdem 1961 mit Heinrich Zehnter ein Mann mit viel Organisationstalent und auch persönlicher Ausstrahlung die Vereinsführung übernommen hatte, gelang dem Verein ein weiterer Aufwärtstrend. 1967 nahm der Chor erstmals im Ausland an einem Gesangswettstreit teil. Im niederländischen Boskoop sorgte er bei dem seit 1947 bestehenden Wettbewerb für die höchste Punktwertung in der Geschichte der Veranstaltung. Ende der 60er-Jahre gab es einen großen Zustrom jugendlicher Sänger, die in der Folge auch Verantwortung im Verein übernehmen sollten.

1970 war der Chor zum 100-jährigen Jubiläum auf 95 aktive Sänger, darunter 29 Jungsänger, angewachsen. Das Jubiläum, zu dem der Verein mit der Zelterplakette bedacht wurde, wurde insbesondere mit einem Festabend und einem „bunten Abend“ mit seinerzeit aus Funk und Fernsehen bekannten Stars gefeiert.

Ära Nagler mit neuen Impulsen

Nach der erfolgreichen Bewältigung des 100-jährigen Bestehens übernahm 1971 mit Alfred Nagler ein unvergleichlicher Idealist den Vorsitz. In seiner Ära wurde die Tradition der Waldgrillfeste begründet, es wurden die Kontakte nach Boskoop vertieft und eine neue Verbindung nach Llanelli in Wales eingegangen. 1974 fand erstmals zum Fasching ein „Jungsängerabend“ statt. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Mannheim weilte der walisische Chor „Meibion Llanelli“ 1975 erstmals in Laudenbach. Ein Jahr später fand der Gegenbesuch in Llanelli, die bis dahin größte Unternehmung in der Vereinsgeschichte, statt.

1977 übernahm mit gerade einmal 27 Jahren Karlheinz Bangert die Vereinsführung, nachdem er zuvor bereits zehn Jahre als Schriftführer die Geschicke mitbestimmt hatte. Auch andere führende Positionen wurden mit jungen Sangesfreunden besetzt. Die dynamische und zielstrebige Vereinsführung wurde zu einem weithin geschätzten Team, das sich großen Herausforderungen stellte und diese allesamt mit Bravour bewältigte. So wurde 1979 eine Chorpartnerschaft mit den walisischen Freunden begründet und 1980 zum 110- jährigen Bestehen ein Chorwettbewerb bewältigt. 1982 wurde erstmals die Straußwirtschaft zur Kerwe bewirtschaftet, zwei Jahre später ein Wechsel der Vereinsgaststätte von der bisherigen Heimstätte „Einhorn“ in die „Krone“ vollzogen.  Unmittelbar nach dem Mauerfall wurde Kontakt zum Philharmonischen Chor in Weimar aufgenommen und bereits 1990 fanden die ersten Begegnungen statt.

Das Jahr 1995 stand im Ort ganz besonders im Zeichen der 1200-Jahrfeier der Gemeinde. Den Höhepunkt der Chorgeschichte markiert dann ein Jahr später die Mitwirkung beim „London Welsh Festival of Male Choirs“ in der Royal Albert Hall in London vor 7000 Besuchern; unter Schirmherrschaft von Prinz Charles. Das 130-jährige Bestehen wurde im Jahr 2000 insbesondere mit einem Open-Air-Konzert begangen. 2003 startete das „Jungsängerprojekt“, drei Jahre später das Frauenchorprojekt, sodass man in der Hochzeit über drei Chöre mit 130 Aktiven verfügte. Das 140-jährige Bestehen 2010 war mitgeprägt von der Verabschiedung von Gerhard Wind und Karlheinz Bangert, die den Verein von Höhepunkt zu Höhepunkt geführt hatten. Die letzten zehn Jahre waren mitgeprägt von einem zweifachen Wechsel in Vereinsführung und Chorleitungen.

Auf Bangert folgte zunächst Hendric Freyberg und 2015 Friedhelm Stiller. Als Chorleiter des Männerchors wurde Diplom-Kapellmeister Otto Lamade verpflichtet, der 2015 von Thomas Wind abgelöst wurde. Im Frauenchor übernahm nach Diplom-Kapellmeister Tobias Freidhof 2012 Friedemann Stihler und 2017 Andreas Luca Beraldo den Dirigentenstab. 2015 ergab sich für den Verein die glückliche Fügung, das bisherige Vereinsheim des Brieftaubenvereins „Heimatliebe“ übernehmen zu können, sodass der Verein seitdem über ein eigenes Zentrum seiner Vereinsarbeit verfügt, die derzeit ohne einen eigenen Jungsängerchor geführt wird. Mit dem Projekt, „Wir können auch anders“ ist es allerdings gelungen, neue Sänger an den Verein heranzuführen, sodass man zuversichtlich in das Jubiläumsjahr geht.

Der Männerchor des Singvereins Laudenbach erfreut die Zuhörer immer wieder bei Konzerten wie hier im Festsaal der Sonnbergschule. 2020 feiert der älteste Laudenbacher Verein sein 150-jähriges Bestehen. ARCHIVBILD: SASCHA LOTZ

Der Frauenchor des Singvereins bei dem viel umjubelten Konzert 2018 in der katholischen Kirche. ARCHIVBILD: THOMAS RITTELMANN