Laudenbach Singverein – Düstere Wolken über Chorpartnerschaft

August 2019 (Weinheimer Nachrichten) Nach Unstimmigkeiten beim walisischen Cor Meibion Llanelli Trennung von Chorleiter Themas / Kein Besuch zum Jubiläum

 

LAUDENBACH. Es war eigentlich als fester Bestandteil des Jahresprogramms zum 150-jährigen Singvereinsjubiläum eingeplant: das Gastspiel des Partnerchors aus Llanelli zu Pfingsten, der bei seinen Besuchen seit 1975 in Laudenbach stets großartige Chormusik bot und seine Zuhörer begeisterte. So ist das Bedauern groß bei den Aktiven des Singvereins, insbesondere jenen, die die Kontakte von der ersten Stunde an miterlebt, getragen und befruchtet haben, dass die Gäste jetzt abgesagt haben und der Singverein nunmehr umplanen muss.

Erfreulich ist indessen, dass dessen Chorleiter Eifion Thomas, von Anbeginn an eine der Säulen der Freunde und Partnerschaft, die ihm angetragene Schirmherrschaft übernehmen und nach Laudenbach kommen wird.

Zur Geschichte der 44-jährigen Freundschaft und 40-jährigen Partnerschaft: Als 1975 die Bundesgartenschau in Mannheim stattfand, suchten Stadt Mannheim und Kurpfälzer Sängerkreis Mannheim einen Chor, der sich in der Lage sah, dem Cor Meibion bei dessen Gastspiel ein guter Gastgeber zu sein. Es erwies sich für den Singverein 1870 als Glücksfall, dass auf diesem Weg die ersten Kontakte geknüpft wurden. Schon ein Jahr später war der Singverein zum Gegenbesuch in Wales; die Kontakte wurden seinerzeit derart vertieft, dass die Idee geboren wurde, eine förmliche Partnerschaft zu begründen. Sie wurde beim zweiten Aufenthalt 1979 in Laudenbach, unter dem Leitsatz “Uns alle verbindet das Lied” feierlich besiegelt.

Seit dieser Zeit haben sich beide Chöre in den Jahren 1985, 1992, 1995, 2004 und 2010 in Laudenbach sowie 1982, 1988, 2006 und 2014 in Llanelli getroffen. Stets standen herausragende und unvergessliche Konzerte im Mittelpunkt der jeweiligen Aufenthalte. Großartiger Höhepunkt war 1996 die Mitwirkung des Singvereins beim London Welsh Festival of Male Choirs in der vollbesetzten Royal-Albert-Hall in London, wo man gemeinsam mit 17 renommierten Chören mit insgesamt rund 900 Sängern auf der Bühne stand und ein Konzert mitgestalten durfte, das unzweifelhaft einen der Höhepunkte in der 150-jährigen Singvereinsgeschichte markiert.

Dieses Gastspiel war insbesondere dem Chorleiter des Cor Meibion, Eifion Thomas, zu verdanken, der sich bei den Organisatoren für die Mitwirkung des Singvereins eingesetzt hatte. Zwei Jahre später traf man sich erneut in London, als bei diesem Festival dann Eifion Thomas selbst die musikalische Gesamtleitung hatte. Ihm verlieh der Singverein aufgrund seiner großen Verdienste um die Partnerschaft beim letzten Besuch in Llanelli 2014 die Ehrenmitgliedschaft. Er fungierte bereits beim 125-jährigen Jubiläum 1995 als Festpräsident, ein Amt, das beim 110-jährigen Bestehen 1980 dem Präsidenten des Cor Meibion, Richard Englert, vorbehalten war.

Im Frühjahr 2019 wurden Dissonanzen zwischen Chorführung und Chorleiter bekannt, die dazu führten, dass Eifion Thomas sein Amt als Chorleiter aufgab. Damit verbunden war eine Aufspaltung der Sängerschaft. Dennoch hielt der Chor zunächst an seiner Zusage fest, im Jubiläumsjahr Laudenbach zu besuchen, ehe den Singverein vor wenigen Tagen die Nachricht erreichte, dass man an der Zusage nicht festhalten könne. Quo vadis, Partnerschaft? Die Zukunft scheint ungewiss, zumal die jetzigen Verantwortlichen in Llanelli die Entstehung der Freund- und Partnerschaft und das Wachsen und Gedeihen der offiziellen und persönlich-familiären Kontakte selbst nicht miterlebt haben, sodass die emotionale Basis, die diese Beziehung über Jahre neben der gemeinsamen Pflege des Chorgesangs getragen hat, dort leider nicht mehr vorhanden erscheint. Der Singverein, dessen Chöre derzeit Sommerpause haben, wird sich nach der Froschkerwe intensiv mit der neuen Situation befassen. hb

2010 war der Cor Meibion aus Llanelli das letzte Mal in Laudenbach. Unser Archivbild zeigt ihn bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Singverein in der Laudenbacher Bergstraßenhalle. Es dirigierte Eifion Thomas. ARCHIVBILD: MARCD SCHILLING