Laudenbach Singverein – „Freunde, versammelt euch im Kreise“

April 2018 (Weinheimer Nachrichten)  Laudenbacher Singverein und MGV Singverein Schönau treten zusammen in der Festhalle der Sonnbergschule auf

 

LAUDENBACH. Der Singverein lässt nichts unversucht, den Personalbestand der aktiven Sänger mit möglichst jungem Nachwuchs auf Niveau zu halten. Konsequent verspricht sich die 40-Mann-Truppe um Vorsitzenden Friedhelm Stiller den werbewirksamsten Effekt von ihren Konzerten und holt sich dazu gern auch Schützenhilfe aus der Nachbarschaft. So wie am Freitagabend, als sich die Sangesfreunde vom MGV Singverein 1889 Schönau, kaum ihrem Bus entstiegen, um den wartenden Flügel im Festsaal der Sonnbergschule scharten, um den verblüfften Besuchern schon vor Beginn des eigentlichen Konzerts einen kleinen Aperitivo aus ihrem Programm zu servieren.

Man(n) singt“ titelten die Organisatoren das Doppelkonzert, und Dirigent Thomas Wind, Herrscher über beide Chöre, tat sein Bestes: „Frauenchöre sind schön und gemischte Chöre sind schön, aber am schönsten sind Männerchöre“. Was jedenfalls an diesem Abend ohne Widerspruch blieb, als die beiden Chöre eine hinreißende Werbung für den Chorgesang ablieferten. Bürgermeister Hermann Lenz, etliche Gemeinderäte und Rudi Neumann, Vorsitzender des Sängerkreises Weinheim, waren davon ebenso überzeugt wie das Publikum im dicht gefüllten Auditorium.

Die Laudenbacher Sänger stiegen im ersten der drei Programmteile behutsam in die traditionelle und moderne geistliche Chormusik ein mit „Komm Trost der Welt“, einem versöhnlichen Abgesang auf die Widrigkeiten des schwindenden Tages. Nichts passte dazu besser als „Wanderers Nachtlied“ mit Ruhe über allen Gipfeln. Heftig und aufwühlend dagegen der Schrei aus den Tiefen, der Hilferuf aus dem 30. Psalm „De profundis clamavi“. Der Chor zelebrierte ihn, jetzt auch von Albrecht Wunderle am Flügel begleitet und angestachelt von Thomas Wind, in verzweifelter Inbrunst. Der polnische promovierte Komponist Pjotr Janczak hat es in den Neunzigern geschrieben, ebenso wie das folgende „Kyrie“, das den spärlichen Text in kompositorischer Meisterleistung und Endlosschleife wiederholt – eine kräftezehrende Herausforderung für die nicht mehr ganz jungen Aktivisten des Laudenbacher Männerchors.

Doch davon hat Thomas Wind auch seine Schönauer Schützlinge nicht verschont. „Miserere“, gehört zu jenen geistlichen Chorwerken, die als Pflichtstücke bei internationalen Chorwettbewerben die Spreu vom Weizen trennen. Doch zuvor glänzten die rund 30 Männer vom Singverein in Mendelssohn Bartholdys „Beati Mortui“ mit enorm starken Stimmen vor allem im Tenorsatz. Und sie verpassten dem Publikum Gänsehaut mit dem zeitgenössischen „Ave Regina praeclara“ des polnischen Komponisten Andrzey Koscewsky, einer Melange aus Gregorianik und mittelalterlicher Harmonie.

Als „Schubertiade“ bezeichnete die gediegene Bürgerschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts musikalische Zusammenkünfte, bei denen man die von Dichtem und Librettisten verfassten Texte in der Musik von Franz Schubert genoss. Vier thematisch verwandte Lieder hatte Chordirektor Wind aus der Sammlung der Schubertiade gewählt; Er selbst überraschte mit tragendem Bariton bei „Freunde, versammelt euch im Kreise“. Beifall unerwünscht, nicht aus schierer Bescheidenheit, sondern weil der Lärm – und sei er noch so verdient – die Stimmung des „Abendfriedens“ und ganz besonders des „Abschieds“ ruiniert hätte. Der Männerchor des Singvereins übertraf sich selbst, das Publikum wähnte sich still lauschend beim Hauskonzert der Sonnleithners in Wien.

Ganz schwere Kost dagegen Schuberts Vertonung des 23. Psalms, ein rhythmischer Kraftakt, dem sich nun die Männer aus Schönau mit bewundernswertem Erfolg stellten, freilich aber auch ein Chorsatz, der (junge) Nachwuchssänger vermutlich nicht von den gängigen Charts wegzulocken vermag. Sicher gilt das auch für das „Räuberquartett“, das als Teil von Schuberts unvollendeter Oper „Die Bürgschaft“ frech tänzelnd wie ein Scherzo daherkommt.

Der MGV Schönau zeigte sich dieser Anforderung gewachsen und beschloss mutig und mit vollem Körpereinsatz den zweiten Teil mit dem „Nachtgesang im Walde“, galt es doch, neben dem vierstimmigen Gewaltmarsch die von Schubert geforderten vier Hörner zu ersetzen. Erholung gab es in der Pause beim Gläschen Schampus und danach in der eher volkstümlichen Abteilung, die die Gastgeber mit dem „Lindenbaum“ und der traurigen Mär vom ungetreuen Liebchen mit dem zerbrochenen Ringlein betraten. „Nobody knows the trouble I’ve seen“ führte in einer Fassung des legendären Musikdirektors Gerhard Wind ebenso in die USA wie „Down by the riverside“, Kein Wunder, dass es eben diese ohrwurmigen Beiträge waren, die dem begeisterten Publikum heftigsten Beifall abnötigten.

Die Freunde aus Schönau setzten noch einen drauf und konterten mit einer Reminiszenz an Perkeo, den Zwerg vom Heidelberger Schloss bis zu dessen mollgeschwängertem Ende in einer Kellergruft. Nach alledem war selbstverständlich niemand bereit, ihnen zu widersprechen, als sie behaupteten, dass man „Männer eben mag“. Denn auch im gemeinsamen Schlussauftritt lag ihnen die Damenwelt (jedenfalls an diesem Abend) zu Füßen. Was zu der Hoffnung berechtigt, das Friedhelm Stillers Herzenswunsch in Erfüllung gehen möge und „der eine oder andere Mann“ vielleicht doch seine Liebe zum Chorgesang entdeckt. he

Der Männerchor des Singvereins Laudenbach trifft sich zur regelmäßigen Chorprobe donnerstags ab 18.30 Uhr; der Frauenchor probt mittwochs ab 20 Uhr. Die Proben finden im Sängerheim, Weimarer Straße 5 statt. Interessenten sind jederzeit willkommen.

„Man(n) singt“ hieß es bei einem Konzert der Männerchöre des Laudenbacher Singvereins und des Singvereins Schönau. BILD: SASCHA LOTZ