Laudenbach Singverein – „Stille Nacht“ hallt im Gotteshaus

Dezember 2018 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Singverein begeistert die Zuhörer am letzten Adventssonntag in der katholischen Kirche

 

LAUDENBACH. Gemessenen Schrittes, vorbei an den dicht besetzten Reihen der katholischen Kirche bis hin zur Empore, folgt die königlich gekleidete Kinderschar feierlich dem Stern von Bethlehem. Denn „Gloria, es ist Sternsingerzeit“. Es war ein ergreifender Moment, als die Sternsinger unter freundlicher Anleitung von Jutta Basler und Andrea Heffungs die erwartungsfrohe Menge mit ihren Liedern zum weihnachtlichen Konzert des Singvereins am letzten Adventssonntag begrüßten.

Dankbar ob des ungeahnten Besucheransturms wünschte Friedhelm Stiller, Chef des bald 150-jährigen Traditionsvereins zu diesem mit großem Aufwand vorbereiteten Konzert „entspannte Stunden“, überließ die Moderation aber seinem auch in dieser Hinsicht bewährten Vize Heinz Hannemann. Mit „Mariä Wiegenlied“, einer wunderschönen romantisch-schlichten Weise, eröffnete die Sopranistin Anabelle Hund in Begleitung von Albrecht Wunderle am Klavier den Reigen dieses vorwiegend dem kirchlichen Chorgesang gewidmeten Konzerts.

„CaraMia“, der 20 Damen zählende Frauenchor des Singvereins, bestätigte das strahlend und geradezu fröhlich unter der Stabführung seines Dirigenten Andreas Luca Beraldo mit dem ohrwurmverdächtigen „Gloria“ der Jubellieder singenden Engel. Etwas weniger weihnachtlich, weil prinzipiell bei den Wallfahrtsliedern angesiedelt und uns Heutigen im Text einigermaßen verwirrend, begleitete der Chor Maria auf deren dornenreichen Weg durch jenen Wald, der „in sieben Jahrn kein Laub getragen“ hat. „Kling Glöckchen“ jedoch führte in dem vom Chorchef gewählten Arrangement nahezu buchstäblich und hörbar „klingend“ in diese stille und friedvolle Zeit zurück, in der das Christkind Einlass begehrt. In seinem Oratorium „Messias“ hat Georg Friedrich Händel anhand von Bibeltexten die christliche Glaubenslehre vertont.

Mit „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ prophezeit der Messias die Erlösung und sammelt seine Lämmer in der Arie „Er weidet seine Herde“.

Der tragende Sopran von Anabelle Hund, hell klingend im hohen Kirchenschiff zauberte mit diesen beiden Liedern ihr Publikum in eine andere – barocke – Welt. Auch „CaraMia“ widmete sich zunächst G. F. Händel bei dessen Kantate „Tochter Zion“, wagte aber auch den mutigen Schritt in die Moderne, „Adiemus“, das Musikprojekt des walisischen Komponisten Karl Jenkins verwendet in harmonischem Chorgesang eine Sprache, die es nicht, gibt erfundene Silben und Wörter. Was für ein genialer Einfall, der manchen albernen Liedtext überflüssig machen und stattdessen die Sprache der Musik betonen könnten diesem Sinn lieferten die Damen von CaraMia ein Opus des New Age ab, das in magischer, ja überirdischer Musik tatsächlich jeden „vernünftigen“ Text ad absurdum geführt hätte: „A­ra-va-re tu-e va-te“. Das Erlebnis wurde mit heftigem Beifall honoriert und mit dem „Hollies“ – Hit „He ain’t heavy, he’s my brother“ aus den sechziger Jahren abgerundet. Harter Schnitt: Der Männerchor eröffnete seinen Auftritt mit „O komm Emmanuel“ in einer Bearbeitung seines früheren Dirigenten Gerhard Wind, dem Vater des heutigen Chorleiters Thomas Wind. Er führte die rund 40 Sänger zu großartiger Leistung, unüberhörbar bei „Improvviso“, einem klangvollen italienischen Choral, der in poetischen Worten jenen Moment besingt, in dem der Sonnenuntergang in majestätischem Stolz unversehens dem Dunkel weicht. Doch Wind ist nicht „nur“ der dirigierende Mann am Pult. Er verfügt auch über eine veritable Baritonstimme, mit der er den Chor im Wechselgesang bei einer „Ave Maria“-Version von Franz Biebl führte.

Ein gewaltiger Chor mit großen sängerischen Gesten, ein Ereignis. Eher weltlich kam „Jul, stralende jul“, die schwedische Ode an das Fest mit den leuchtenden Kerzen. Es war trotz nordischer Schwermut gewissermaßen der Vorbote zum emotionalen Höhepunkt dieses bemerkenswerten Konzerts: Anabelle Hund feierte eines der zweifellos schönsten Weihnachtslieder, „Cantique de Noel“, getragen vom nachdrücklich seelenvoll einsetzenden Männerchor – Gänsehaut und feuchte Augen beim Publikum inklusive. „Ukuthula“ ist ein südafrikanisches Friedensgebet, mit dem Komponist und Chordirigent Andreas Luca Beraldo mit dem Frauenchor in einem vielgliedrigen Zyklus die Schlussphase eröffnete. „Für die korrekte Aussprache kann ich keine Garantie übernehmen“ warnte Heinz Hannemann vorsorglich, doch die Damen entledigten sich des schwierigen Parts auch in solistischen Einlagen mit Schwung und aller gebotenen Sorgfalt.

Entsprechend antwortete der Männerchor mit zwei Gospels, bevor Thomas Wind und Andreas Beraldo ihre Dirigentenautorität von den beiden Chören auf das Publikum lenkten: „Stille Nacht“, das Lied, das an diesem Heiligabend seinen 200. Geburtstag feierte, hallte mächtig durch das Gotteshaus, als hätten die Chöre und ihre Gäste wochenlang geübt. He

Der kirchliche Chorgesang stand im Mittelpunkt des Weihnachtskonzerts des Singvereins Laudenbach in der katholischen Kirche. Unser Bild zeigt den Frauenchor „CaraMia“. BILD: THOMAS RITTELMANN