Leutershausen MGV 1884 – Das starke Geschlecht glücklich gemacht

April 2018 (Weinheimer Nachrichten) Olympia-Kino und MGV Leutershausen: Premiere des „Männerkinos“ ein voller Erfolg / „Das Wunder von Bern“, Bier und Gesang sehr gut angekommen

 

LEUTERSHAUSEN. Es war keine Fußball-Sternstunde, als die Titelverteidiger bei der WM 1978 mit 2:3 gegen die Niederlande untergingen. Doch dafür blieb die Nationalelf als Backgroundchor von Udo Jürgens in Erinnerung; mit Schlaghose, Hundeblick und Mörderkoteletten schmalzte er „Buenos dias, Argentina“ – ein Lied, das jetzt der MGV Leutershausen in einer deutlich peppigeren Version wieder auflegte. Beim „Männerkino“ war der Schlager über Senoritas, die Pampa und La Plata der Auftakt eines kleinen Konzerts und zugleich eine Premiere: Noch nie gastierte ein Männerchor im alt ehrwürdigen Vorführsaal, sagt Renate Keppler-Götz vom Kino-Förderkreis.

Auch das Format, zu dem noch zwei weitere Programmpunkte gehören, war neu: Mit Gesang, Fußball und Bier wollen die Veranstalter das starke Geschlecht glücklich machen. Es macht dabei sehr gerne mit: Das Kino ist ausverkauft, schon früh am Abend bildet sich eine Menschentraube vor dem Kino, die Straße ist abgesperrt. Hauptsächlich sieht man Männer in der Menge, die eine oder andere weibliche Begleitung ist auch dabei, aber mehr als 20 „Quotenfrauen“ dürften es kaum sein. „Wenn du mal Männer gucken willst, musst du nur zum Männerkino gehen“, gibt eine breit grinsend zu Protokoll, während am Stand der „Lobdengau-Brauerei aus großen Zehn-Liter-Fässern Gerstensaft gezapft wird. „Das ist ein Märzenbier“, sagt Kai Müller über das kräftige Getränk, das seinen Namen dem Brauch verdankt, im Frühjahr zum letzten Mal ein Bier zu machen. „Denn früher durfte man wegen der Brandgefahr im Sommer kein Bier brauen“, erklärt der Braumeister. Er hat insgesamt 210 Liter Bier mitgebracht: Als Nächstes wird ein mächtiges Weizenbock mit sieben Prozent Alkoholgehalt und Rauchnote ausgeschenkt – „ein Schinken zum Trinken“, sagt Müller -, dann kommt ein rötliches Lager ins Glas, dessen Farbe von: einer speziellen Hopfensorte herrührt; sein frischer Geschmack und der leicht zitronige Duft kommen so gut an, dass mancher gleich noch ein zweites Glas ordert.

Dazu servieren die Sänger ein deftiges Essen aus dem Gasthaus „Zum Löwen“: Während man Kartoffel- und Krautsalat, Frikadellen und Rindfleisch genießt, hat man noch die letzten Töne der beiden „Comedian Harmonists“-Hits im Ohr, die gerade verklungen sind. „In voller Mannstärke angetreten“, wie MGV-Vorsitzender Harald Brand eingangs bemerkt, haben sich die Sänger an den schwierigen Chorsatz von „Ein Freund, ein guter Freund“ gewagt, der aber ebenso leicht und entspannt rüberkommt wie „Die Liebe der Matrosen“.

Als hätten sie sich speziell dafür eingekleidet, passt auch noch die neue Chorkleidung perfekt dazu, die mit Schiebermütze und Hosenträgern eine Hommage an die goldenen Zwanziger ist. Nun noch ein „Nachtisch-Bier“, und es kann losgehen mit dem Film. „Das Wunder von Bern“, für manche neu, für andere ein willkommenes Wiedersehen, erzählt nicht nur die Geschichte einer Ruhrpott-Familie, sondern auch die der Weltmeisterschaft von 1954. Damals hatten die Deutschen mehr Erfolg als 1978 und besiegten im Finale die gegnerische Mannschaft aus Ungarn mit 3:2. „You’ll never walk alone“, singt der MGV anschließend, „Du bist nicht allein unterwegs“, was das Thema der 11 Freunde genauso gut aufgreift wie Queens „We are the champions“, Überall wird jetzt mitgesungen und gefeiert, alle fühlen sich als Sieger, und noch in die letzten Takte hört man die ersten „Zugabe“ -Rufe. Gerne kommen die Sänger dieser Bitte nach und enden ihren Auftritt mit dem Paityknaller „Rock mi“. Dirigent Michael Kuhn übernimmt die Rolle des „Vorsängers“ und mutiert von Strophe zu Strophe mehr zur Rampensau; alle machen mit, und am Ende weiß man gar nicht mehr, wo der Chor aufhört und das Publikum anfängt – „jetzt fängt die Nacht erst richtig an“, heißt es weiter im Text.

Und das tut sie auch beim „Männerkino“. Denn das wird zu vorgerückter Stunde noch für ein letztes frisches Pils nach draußen an die Markthalle verlegt. stk

Der MGV hatte zum „Männerabend“ im Olympia-Kino die passenden Lieder und das passende Outfit. Schiebermütze und Hosenträger waren eine Hommage an die goldenen Zwanziger. BILD: MARCO SCHILLING