Leutershausen MGV 1884 – Neues Image und klassisches Outfit

Juli 2018 (Weinheimer Nachrichten) Männergesangverein: Vorstand geht neue Wege, um sich für die Zukunft fit zu machen / Hilfe bei Marketingleiter geholt / Gespräch mit Brand und Stangl

Von unserem Redaktionsmitglied Hans-Peter Riethmüller

 

LEUTERSHAUSEN. Die ausgetrampelten Pfade zur Rettung der Musikvereine will der MGV 1884 Leutershausen nicht beschreiten. Erst wird der reine Männerchor mit einem Frauenchor ergänzt. Dann wird ein gemischter Chor gebildet und englische Songs einstudiert und am Ende steht man doch vor einem Scherbenhaufen. Nein, in dieses Lied möchten Vorsitzender Harald Brand und Schriftführer, Matthias Stangl keineswegs einstimmen: „Wir sind und wir bleiben ein Männerchor. Und wir werden unser Repertoire nicht ändern, sondern ergänzen“, betonen beide. Dennoch wissen die zwei MGV-Verantwortlichen eines ganz genau: Dem Chorgesang und den Musikvereinen an der Bergstraße stehen gravierende Änderungen bevor. Die Leutershausener mit ihren 280 Mitgliedern, darunter 40 aktive Sänger, stellen sich dieser Herausforderung seit mehreren Jahren. Schon seit dem Dirigentenwechsel von Gerhard Wind im Jahre 2010 beschäftigt den MGV dieses Thema. Unter dem Punkt „Verschiedenes“ hieß es bei den Hauptversammlungen immer wieder: „Beim Thema Marketing müssen wir etwas machen.“ Die Frage lautete fortan, was genau geschehen soll. Der Verein stellte alles auf den Kopf und nahm laut Stangl einen Paradigmenwechsel vor: „Früher machten wir uns immer Gedanken darüber, wie wir neue Sänger bekommen. Jetzt gehen wir anders vor. Wir zeigen, was wir können. Bitte Leute, schaut euch den Verein an. Wir müssen den Menschen sagen und auch zeigen, was wir Tolles machen“, erläutert Stangl. Die positive Ausstrahlung sei für ihn immens wichtig.

Die ersten Schritte

Ein erster Schritt weg vom „verstaubten Image“ der Männergesangvereine und Männerchöre erfolgte 2015, als an alle Haushalte CDs verteilt wurden. „Wir bekamen viele positive Kommentare“, freut sich MGV-Chef Brand. Doch unterm Strich blieb nichts hängen. Es kam kein neuer Sänger dazu.

„Das können wir nicht selbst stemmen. Der Verein benötigt Hilfe bei seinen neuen Plänen. Er braucht etwas, was Hand und Fuß hat“, lautete das Fazit der damaligen Aktion. Externe Hilfe musste also her und ein Projekt, welches auf mehrere Jahre angelegt. Zudem war ein stimmiges Konzept gefragt.

Mit Gunther Linke, früher Marketingleiter bei Procter & Gamble, fanden die MGV-Verantwortlichen genau den Richtigen. Bei einem Ganztagsworkshop wurde alles besprochen, um die MGV-Marketing-Idee und das neue Image zu entwickeln.

Linke forderte dazu auf, ein Leitbild zu erstellen. Was wollt ihr? Was ist euch wichtig? waren zentrale Fragen. Eine neue Außendarstellung des Vereins und der Sänger musste her. Und vor allem ein Maßnahmenkatalog, wie der MGV dies alles umsetzen will. „Wir mussten weg von planlosen Aktionen hin zu einem richtigen Konzept“, ergänzt Brand, dem vor allem die Außendarstellung sehr wichtig ist: „Wir wollten nicht mehr aussehen wie die anderen Gesangvereine mit weißen Hemden und schwarzen Jacken.“

Folglich tragen die MGV-Sänger jetzt Vintage-Look mit Hosenträgern und Schiebermützen – erstmals zu sehen bei der Veranstaltung im Olympia-Kino Ende April. Und genau mit diesem Look wollen sie auch zukünftig für Aufmerksamkeit sorgen: „Wir müssen etwas tun, was andere nicht machen“, glaubt in Stangl.

Dazu gehört das oben erwähnte Kinoerlebnis, bei dem der MGV Fußball, Bier und Essen unter einen Hut brachten. Zu Beginn des Fußball-Männer-Abends sang der Männerchor in seinem neuem Outfit. „Über die sensationelle Stimmung waren wir wirklich überrascht“, freut sich Stangl.

Auch beim jüngsten Heisemer Straßenfest am Freitagabend wurde das neue MGV-Konzept am Stand in der Kreuzgasse/Ecke Mittelgasse und im Bletzer-Hof umgesetzt, denn der Männerchor trat auf. So soll das künftig immer sein, verrät der Schriftführer: „Es gibt keine Veranstaltungen mehr, bei denen wir nicht singen.“

Mehr Präsenz am Ort

„Doch mit der neuen Kleidung allein gewinnst du keine neuen Sänger“, erzählt Brand. Soziale Medien und neuer Internetauftritt sind in der heutigen Zeit genau so wichtig. Und mit der Fotografin Janine Metzger traf sich der MGV zum Fotoshooting im Carl-Benz-Museum in Ladenburg. Außerdem wurden Plakate, wie das mit Martin Stöhrer, erstellt, die am Ort aufgehängt werden. Klar, dass die MGV-Verantwortlichen auch den Rest des Vereins mitnehmen wollten. Es gab drei Infoabend, bei denen das neue Image und die Umsetzung erläutert und besprochen wurden.

Das neue MGV- Konzept trägt bereits erste Früchte. „Wir haben acht neue Sänger im Alter zwischen 40 und 60 Jahren gefunden. Also genau die Zielgruppe, die wir haben wollten. Männer ab 40 Jahre und Familienväter“, sagt MGV-Chef Harald Brand.

Ü-40-Party am 27. Juli

Das derzeitige MGV-Projekt „Zukunft“ ist übrigens auf mehrere Jahre ausgelegt. Es endet 2019 mit einem großen Open-Air-Konzert im Schloss. Comedy, Chorgesang und Musik stehen dabei im Mittelpunkt. Das Schlossfest soll voraussichtlich im Juni oder Juli 2019 stattfinden.

Doch so lange müssen die Musikfreunde nicht warten. Der MGV 1884 Leutershausen lädt im Rahmen des Hirschberger Musik- und Kultursommers am Freitag, 27. Juli, ab 19 Uhr zur Ü-40-Party mit den Ladenburger Altstadtmusikanten auf dem Rathaus-Vorplatz ein. Der MGV wird beim Open-Air-Konzert natürlich wieder in seinem neuen Outfit auftreten.

Der MGV erfindet sich neu und will sich zukünftig in neuem Outfit zeigen: Extra hierfür gab es ein Fotoshooting im Carl-Benz-Museum in Ladenburg. BILD: JANINE METZGER