Leutershausen Sängereinheit – Überraschende Ehrung für Karl Müller

Dezember 2018 (Weinheimer Nachrichten) Sängereinheit: Volles Haus beim Weihnachtskonzert in der evangelischen Kirche / Goldmedaille der Gemeinde verliehen / 60 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne

 

LEUTERSHAUSEN. Die Parkplätze waren alle belegt, die evangelische Kirche voll, die Programme vergriffen: Seit sieben Jahren hatte der GV Sängereinheit Leutershausen kein Konzert mehr gegeben, und nun konnten es die „Helsemer“ kaum noch abwarten, den Chor wieder zu hören. Was sie erlebten, war ein opulentes Weihnachts-Medley, Resultat eingehender Proben, die bereits im Sommer begannen.

„Ich habe mich dabei ertappt“, sagte Vorsitzender Michael Lang, „dass ich die Melodien nach der Singstunde vor mich hin gesummt habe.“ Beim Männerchor waren das Choräle wie „Es kommt ein Schiff, geladen“ und „O Heiland, reiß die Himmel auf“ oder das sehr eindringlich gesungene „Es ist ein Ros entsprungen“, die das Ensemble ohne Unterbrechungen nacheinander sang. Moderatorin Christine Pietsch-Lang bat das Publikum, mit dem Applaus zu warten, bis der letzte Ton von „Nun singet und seid froh“ verklungen war, und mit jedem neuen Lied baute sich eine immer feierlichere Stimmung auf.

Unterstützung bekamen die Sänger und ihr Dirigent, Musikdirektor Thomas Reiß, vom Streich-Quintett der Kurpfalz- Philharmonie, das besonders zum weniger bekannten Adventslied „Luleise Gottessohn“ einen schönen Instrumentalpart dazugab.

Nach einem Grußwort von Pfarrerin Tanja Schmidt und einem klangvollen „Lyrischen Andante“ von Max Reger, gespielt vom Quintett, ehrt Alfons Albrecht vom Sängerkreis Weinheim vier Sänger: Klaus Kubach wurde für 40 Jahre, Gerhard Hauck und Ernst Schmitt für 50 und Helmut Weber sogar für 70 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. „210 Jahre aktives Singen, verteilt auf vier kräftige Schultern“, bemerkte Lang, meinte vermutlich aber acht Schultern und lobte das Engagement von Hauck und Weber als Vizedirigenten; Kubach wurde nach 30 Jahren Arbeit im Vorstand zudem die Ehrenmitgliedschaft angetragen, Frauenchor -Gründungsmitglied Helga Bletzer wurde für 50 Jahre und Manuela Pietsch für 40 Jahre geehrt.

Dann übernahm Bürgermeister Manuel Just das Mikro, was manchen in der Kirche wunderte. In einer launigen Ansprache klärte er über den Grund auf: In nicht -öffentlicher Versammlung beschloss der Gemeinderat nämlich bereits vor einigen Wochen, Sängereinheits- Mitglied Karl Müller (Archivbild: Hasübert) die Goldmedaille der Gemeinde zu verleihen.

Fünf Jahre war er Orga-Leiter im Vorstand und ab 1994 für 18 Jahre Vorsitzender, eine Zeit, in die die Gala in der Heinrich- Beck­Halle fiel, ein Auftritt in der Alten Oper Frankfurt vor über 2000 Zuhörern sowie das Serenadenkonzert im Jahr 2002. Karl Müller führte sein Amt stets im Sinne der Sängereinheit“, erklärte Just, „strukturiert, organisiert, besonnen – eine Autoritätsperson im besten Sinne.“

Die Medaille sei eine Auszeichnung für besondere Kulturarbeit in der Gemeinde, mit der verdiente Bürger geehrt werden sollten. Unter Androhung einer Abmahnung habe er Müllers Sohn Christian, der im Rathaus arbeitet, zum Stillschweigen verpflichtet, bemerkte Just grinsend.

Müller junior hielt dicht, denn sein Vater war überrumpelt, bekannte: „Sie haben mich auf dem falschen Fuß erwischt, mir fehlen die Worte.“ Die brauchte er auch vorerst nicht, denn nun hatte der Frauenchor mit sieben andächtig gesungenen Weihnachtsliedern das Sagen: „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ oder „Schönstes Kindlein“ erklangen im stimmigen Zusammenspiel mit den Instrumentalisten.

Besonders feierlich geriet der Abend zu Beginn und am Schluss: Als nämlich knapp 60 Sängerinnen und Sänger gemeinsam auf der Bühne standen und den Kirchenraum mit einem beeindruckenden Klangvolumen füllten: „Brich an, du schönes Morgenlicht“, war das letzte Stück auf dem Programm. Bevor zu guter Letzt auch das Publikum mitsingen durfte und alle ein volltönendes „O du fröhliche“ anstimmten.  stk

Es dauerte Jahre, aber jetzt trat die Sängereinheit mal wieder in der evangelischen Kirche in Leutershausen auf und gab dort ein Weihnachtskonzert.  BILD: THOMAS RITTELMANN