Oberflockenbach Sängerbund – Wenn Stimmen Tore öffnen

November 2019 (Weinheimer Nachrichten) Der Sängerbund Oberflockenbach beschenkt zu seinem 130. Geburtstag Zuhörer mit einem glanzvollen Auftritt und dem überragenden Gastchor „Sonat Vox“

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Drawitsch

 

OBERFLOCKENBACH. Langsam lassen die 16 Sänger von „Sonat Vox“ unter Dirigent Justus Merkel das göttliche Licht im Lied „Lux Aurumque“ des amerikanischen Komponisten Eric Whitacre aufsteigen, Wie ein sanft über Wasser schwebender Nebel erreichen die Stimmen die hintersten Reihen der voll besetzten katholischen Kirche. „Machet die Tore weit“, war das Konzert zum 130-jährigen Bestehen des Sängerbunds Oberflockenbach überschrieben. Wenn es überhaupt zuvor verschlossene Türen gegeben haben sollte: „Sonat Vox“, 1. Preisträger des zehnten Deutschen Chorwettbewerbs, stieß sie sperrangelweit auf.

Ganz und gar dem Gesang hatte der Sängerbund das gesamte Wochenende gewidmet. Auf ein Konzertsingen mit befreundeten Chören am Freitagabend in der Heinrich-Beck-Halle in Leutershausen folgte am Samstagnachmittag an gleicher Stelle der hochkarätig besetzte erste Weinheimer Männerchortag mit Workshops. Höhepunkt war am Samstagabend das Konzert in der Kirche. Es wird durch die Qualität der Darbietungen und der außergewöhnlichen Programminhalte einen besonderen Platz in der Vereinsgeschichte einnehmen.

Da war der herausragende, im Februar 2015 gegründete Gastchor, der mit dem ersten Stück, Rudolph Mauersbergers „Herr, lehre doch mich“ mit herausragender Präzision in Gleichklang und Variabilität der Stimmen seine außergewöhnliche Qualität hören ließ. Dass Mauersberger, der Komponist des ersten Stückes, im Jahr 1889, dem Gründungsjahr des Sängerbundes, geboren wurde, mag Zufall oder eine Reminiszenz von „Sonat Vox“ an Oberflockenbach gewesen sein.

Es folgte mit Liedern des Litauers Vytautas Miskinis, des Niederländers Albert de Klerk und des Engländers Edward Bairstow eine musikalische Reise durch Europa. Harmonische und rhythmische Finessen wie sie Alwin M. Schronen in seinem tragenden Stück „Es geht ein dunkle Wolk‘ herein“ verlangt, verstehen diese, von Kindheit an geschulten Sänger, nicht als Aufgabe, sondern als Würze für ihren Vortrag.

Der Männerchor des Sängerbundes Oberflockenbach hätte nachdiesem fulminanten Auftritt den zur Bühne gewordenen Altarraum mit erheblichen Bedenken betreten können. Doch er tat es, nach einem Übergang von Organistin Hedwig Appold-Kohl, die Leon Bellmanns „Suite Gothique“ sanft und präzise erklingen ließ, mit berechtigtem Selbstbewusstsein. So ist das, wenn man von einem Chorleiter wie Hans-Joachim Karl dirigiert wird und der Chor mit 32 Sängern eine Altersmischung aufweist, die keine Nachwuchssorgen erkennen lässt. Es passte gleich zu Beginn bei Alwin M. Schronens „O Sacrum Convivum“ in allen Stimmlagen. Später folgten Tenor- und Bassstimmen ihrem sorgsam dirigierenden Chorleiter auch durch wellenartige Passagen in Josef Swiders „Pax“ und hoben zusammen mit der Organistin kraftvoll in der Uraufführung von „Psalm 24“ von Pascal Martine die Tore für den König der Könige. Dafür spendierte der Komponist persönlich zum Abschluss auf offener Bühne Applaus. In einem Lied sorgte Saxofonist Rüdiger Horst für zusätzliche musikalische Farbtupfer.

Der Sängerbund Oberflockenbach war schon immer für Außergewöhnliches gut. Diesmal überraschte der Verein mit mehreren gespielten Szenen, die an wichtige historische Daten des 9. November erinnerten. Die Ausrufung der Republik, die Novemberpogrome der Nationalsozialisten und der Fall der Mauer vor 30 Jahren, verbunden mit der deutschen Einheit, wurden von Darstellern aus den eigenen Reihen, auch von Frauen und Kindern, als Szenen zwischen den Liedern eingebaut. Aren Hahn hatte die Texte dazu geschrieben und wurde in den abschließenden Dank von Vereinsvorsitzendem Klaus Dennenmoser ebenso einbezogen wie alle Protagonisten eines besonderen Abends. Er endete mit dem von beiden Chören gesungenen Lied „Schöne Nacht“ als Zugabe.

Einen Auftritt, der den Feierlichkeiten zum 130-jährigen Bestehen voll und ganz würdig war, legte der Männerchor des Sängerbundes Oberflockenbach unter seinem Leiter Hans-Joachim Karl am Samstag in der katholischen Kirche des Ortes hin. BILD: MARCO SCHILLING