Schriesheim Eintracht – Alljährliche Ehrenpflicht im Angesicht des Todes

November 2018 (Rhein-Neckar-Zeitung) GV Liederkranz und MGV Eintracht hielten am Sonntag Totengedenken ab – Pfarrer Kieren Jäschke ermutigte zu Ewigkeitsperspektive

 

Schriesheim. (kaz) „Wir werden euch nicht vergessen“ – das ist die Botschaft, wenn die beiden ältesten Gesangvereine Schriesheims am Totensonntag ihrer Verstorbenen gedenken.

Der „Liederkranz“ hat seinen Sängern, die in den beiden Weltkriegen fielen, schon in den Jahren 1921 und 1957 oberhalb der Strahlenburg zwei Gedenksteine gesetzt. Dort begrüßte Vorsitzender Klaus Urban rund 30 Mitglieder mit einem Gedicht von Christian Morgenstern: „Nebel, stiller Nebel über Meer und Land. Totenstill die Watten, totenstill der Strand. Trauer, leise Trauer, deckt die Erde zu. Seele, liebe Seele, schwierig und träum auch du.“

Urban schlug den Bogen zum „Nebel über den Erinnerungen“, nachdem es heute nur noch wenige Zeitzeugen der Kriege gibt. Die Feier für die Gefallenen, Vermissten, Kriegsversehrten und Vertriebenen sei eine „alljährlich wiederkehrende Ehrenpflicht“, sagte Urban und fügte an: „Wir können Gott dankbar sein, dass wir in unserer Heimat seit über sieben Jahrzehnten in Frieden leben.“ Im Anschluss verlas er die Namen derer, die die „Liederkranz-Familie“ verlassen haben: Heinz Sieber, Anneliese Hess, Anneliese Mühle, Peter Hartmann Senior, Robert Breodbeek, Helga Kretschner, Hilde Näher, Jens Bartsch, Albert Egler, Marianne Morast, Karl-Peter Forschner und Elsa Forschner.

Der Männerchor trug „Oh Herr, gib Frieden“ und „Herr, deine Güte reicht so weit“ vor. Die Hoffnung auf ein Jenseits in Gottes Hand kam auch beim Gedenken in der Friedhofskapelle zum Ausdruck, zu dem der MGV „Eintracht“ einlud. Etwa 60 Gäste kamen, der Männerchor sang unter anderem „So nimm denn meine Hände“ von Friedrich Silcher und „Vater unser“ von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow. „Viel Leid geschieht im Laufe eines Jahres in der Welt, manches in unserer unmittelbaren Nähe“, so Vorsitzender Helmut Hölzel. Der Verein verlor dieses Jahr vier Mitglieder: Irene Schröder, Gerd Siegmund, Jens Bartsch und Alfred Flößer. Auch die Opfer von Krieg und Terror, Naturkatastrophen oder Unfällen waren in das Gedenken eingeschlossen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir, die hier beisammen sind, sterben, liegt bei 100 Prozent“, sagte Pfarrer Kieren Jäschke. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, auf die Rückkehr ins himmlische Paradies erklärte Jäschke mit der Geschichte eines Zwillingspaars, das sich im Mutterleib über das Leben nach der Geburt unterhält. Ein Embryo kann sich nicht vorstellen, auf zwei Beinen herumzulaufen und mit dem Mund zu essen. Und eine Mutter, die immer „um einen herum“ da ist – wie soll die aussehen? „Du musst einfach ganz still sein. Dann hörst Du sie sprechen und singen und fühlst ihr Streicheln“, sagt der andere Zwilling.

Beim Innehalten sei die Nähe Gottes spürbar, so Jäschke. Er ermutigte die Besucher dazu, den Blick auf die Ewigkeit auszurichten.

Der MGV Eintracht gedachte in der Friedhofskapelle auch den Opfern von Krieg, Terror und Naturkatastrophen. Foto: Kreutzer