Sonstiges – Alle gemeinsam singen „Oh du fröhliche“  

Dezember 2019 (Weinheimer Nachrichten) St. Petersburger Knabenchor und evangelischer Posaunenchor begeistern in der Katholischen Wallfahrtskirche / Über 600 Zuhörer

 

Leutershausen. Eine schönere Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsfest kann es kaum geben als das Konzertereignis am Samstagabend in der Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist: Der evangelische Posaunenchor Leutershausen und der Knabenchor aus St. Petersburg berührten und begeisterten die rund 600 Zuhörer im voll besetzten Gotteshaus gleichermaßen. Es war eine Neuauflage des Konzertes von 1999.

Veranstaltungen einst und jetzt sind mit dem Namen von Walter Brand untrennbar verbunden. Dem Mann, der den russischen Knabenchor 1998 zum ersten Mal hörte und seitdem tatkräftig unterstützt, wo er nur kann, ist es gelungen, die herausragenden Sänger einmal mehr in die Bergstraßengemeinde zu holen. Am Samstag übernahm er darüber hinaus in gewohnt gekonnter Manier und voller Herzblut die Moderation des mitreißenden Konzertes. Mit Händels „Feuerwerksmusik“ eröffnete der Posaunenchor unter der Leitung von Christiane Binz das Konzert mit einem jubelnden, feierlichen Stück. Ebenso ins Ohr gehend der Siegesmarsch aus Händels Oratorium „Judas Maccabaeus“, gefolgt von der „Intrada“ des evangelischen Komponisten Melchior Franck.

Der 1992 vom damals erst 18-jährigen Wadim Ptscholkin gegründete Knabenchor setzte gleich mit den ersten beiden Stücken – dem Volkslied „Glocken der Heimat“ und der russischen Volksweise „Einsam klingt ein Glöcklein“ – Akzente und sorgte für Gänsehaut bei den Zuhörern. Insbesondere das traditionelle russische Lied war voller Gefühl und ja fast möchte man sagen „Weltschmerz“. Aber zu keiner Zeit rutschte man ab ins Folkloristische. Überwältigend der „Gefangenenchor“ aus Verdis „Nabucco“, bei dem nicht wenige im Publikum mit den Tränen der Ergriffenheit kämpften. Ein Gefühl, das auch beim Largo (Winter) aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ Bestand hatte, das der Posaunenchor im Anschluss so mitreißend intonierte.

Mit dem Orgelvorspiel von Christian Sprenger begann Bachs Choralsatz „Nun kommt der Heiden Heiland“, eine Kantate, die der Komponist 1714 in Weimar für den 1. Advent komponiert hatte. Nun war es wieder am Knabenchor, die Zuhörer zu begeistern mit dem wohlklingenden „Excultate Deo“ von Scarletti, Mendelssohn Bartholdys „Richte mich, Gott“ und Tschaikowskys „Vater unser“.

Mit dem „Hallelujah“ aus Georg Friedrich Händels „Messias“, einem der ganz großen Werke barocker Chormusik, folgte der nächste Höhepunkt. Die glasklaren Stimmen der rund 40 jugendlichen Sänger jubilierten durch das Gotteshaus. Die Jüngsten sind gerade einmal zehn, elf Jahre alt, die Stimmen aller hervorragend ausgebildet. Und nicht nur das: Es stimmt nicht nur die Technik, die Kinder und Jugendlichen singen auch voller Gefühl. Was sie darbieten, kommt aus dem Innersten, es ist nicht „nur“ einstudiert und technisch einwandfrei vorgetragen. Es ist viel mehr. Der richtige Zeitpunkt im Konzert, um das Friedenslicht aus Bethlehem willkommen zu heißen in der katholischen Kirche. Zwei Chorknaben – Iwan und Zachar – tragen es herein. Gustav Weber formuliert seine Gedanken zum Thema Frieden, erläutert den Ursprung des Friedenslichtes, das in diesen Tagen von Pfadfindern in 20 Nationen getragen wird. „Mut zum Frieden“ so lautet das Motto. Das Friedenslicht soll „ein leuchtendes Zeichen sein für eine tolerante Gesellschaft“, so Weber von der katholischen Gemeinde. „Weihnachten ist das Fest des Friedens und für viele auch der inneren Einkehr und der Besinnung“, so Moderator Brand. Entsprechend auch die Musikauswahl.

Der evangelische Posaunenchor begeisterte mit „Tochter Zion, freue dich“, hier durfte das Publikum sogar mitsingen, gefolgt von „Es kommt ein Schiff geladen“ nach einem Bläsersatz von Matthias Nagel. Gänsehautfeeling einmal mehr beim „Abendsegen“ aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Nicht wenige, die mit geschlossenen Augen der berührenden Melodie folgten. Und noch einmal brillierte der Knabenchor aus St. Petersburg mit seiner stimmlichen Brillanz sowie ausgefeilter Präzision und Dynamik. Auch schwierigste Chorsätze wurden mühelos gemeistert.

Ergriffenheit und Begeisterung bei Schuberts „Ave Maria“ und Brahms „Wiegenlied“, Weihnachten zum Greifen nah bei „Alle Jahre wieder“ und dem Lied, das an Weihnachten in über 300 Sprachen auf der ganzen Welt gesungen wird: „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Und schließlich intonieren alle gemeinsam – evangelischer Posaunenchor, St. Petersburger Knabenchor und das restlos begeisterte Publikum – „O du fröhliche“. Der Rest sind stehende Ovationen und nicht enden wollender Applaus. awa

Rund 600 Zuhörer waren begeistert vom Konzert des St. Petersburger Knabenchors und des evangelischen Posaunenchors in der katholischen Wallfahrtskirche am Samstagabend. BILD: THOMAS RITTELMANN