Weinheim Kammerchor – Musik zur Völkerverständigung

Juli 2018 (Weinheimer Nachrichten) Konzert: Mit „Europa Cantat“ laden Kammerchor und -orchester zur Klangreise durch Europa ein

 

WEINHEIM. Am Samstagabend lud der Weinheimer Kammerchor unter der Leitung von Norbert Thiemel zusammen mit dem Kammerorchester, dirigiert von Teresa Freund, zur musikalischen Reise „Europa Cantat“ ein. Trotz Hitze kamen so viele Besucher in den Gemeindesaal St. Marien, dass noch zusätzliche Stühle benötigt wurden.

Wieder einmal begeisterte der 30-köpfige Kammerchor durch seinen harmonischen Klang mit Ausschnitten aus der vielfaltigen europäischen Chormusik. Die Qualität des Chores wurde schon beim Beginn der „Tour d’Europe“, in Großbritannien, klar, als die Stimmen beim „My soul, there is a country far above“ des Komponisten Charles Hubert Parry (1848-1918), glasklar und wohl akzentuiert durch den Raum schwebten. Während dieses Lied die Schönheit des Paradieses beschrieb, ging es bei „I Seraillets Have“ des Dänen Wilhelm Stenhammer mehr um die irdischen Freuden. Mut gegen die Angst vor der langen Dunkelphase des skandinavischen Winters drückte das 1992 von Karin Rehnqvist geschriebene Lied „Hab keine Angst vorm Dunkel“ aus. In diese verhaltene Stimmung, die so ganz dem strahlend blauen Sommerhimmel draußen widersprach, fügte sich das Kammerorchester Weinheim mit der tiefen Melancholie der „Elegischen Melodien“ des Norwegers Edvard Grieg ein. Die zarte Poesie und der dichte Klang des mit Hingabe musizierenden Orchesters waren umso beeindruckender, weil hier engagierte Laien und professionelle Musiker gemeinsam spielen.

Bei Bela Bartöks 1931 komponierten „Tänze aus Siebenbürgen“ begeisterte das Kammerorchester sowohl durch seine rhythmische Präzision als auch seine feinen Klangfarbenunterschiede. Um Tiere ging es anschließend beim Kammerchor. Auf das freche „Rabenlied“ aus Island folgte „El grille“, der lautmalerisch gesungenen Gesang der Grille, 1505 komponiert vom gebürtigen Belgier Josquin Desprez.

Seine vielseitige Stilistik zeigte der Kammerchor beim Madrigal (mehrstimmiges Vokalstück) „Ecco mormorar Fonde“ von Claudio Monteverdi. Mit einem großen Sprung ging die Reise ins kroatische Medjimurje und dem Volkslied „Vuprem oci“. Großartig, dass das Ensemble die sprachlich vielseitigen Stücke ganz ohne unterstützende Instrumente sang und dabei stets den Stil der traditionellen Chormusik wahrte.

Aus dem schweizerischen Graubünden stammte das anschließend interpretierte rätoromanische Abendlied „Sut steilas“, Cesar Geoffray, der französische Mitbegründer der internationalen Chorbewegung „Europa Cantat“, Namensgeber des Programmes, schuf den Kanon „Reunis aujourd’hui“, womit der Kammerchor mit seiner schwungvollen Vortragsweise ein weiteres Glanzlicht setzte. Mit Tschechien und dem Komponisten Antonin Dvoräk gelangte der Chor mit dem Lied „Es zog manch Lied ins Herz mir ein“ zur vorletzten Station der facettenreichen Klangreise durch Europa. Auch hier bestach der Kammerchor mit seinem voluminösen Klangbild, in dem die einzelnen Stimmlagen hervorragend aufgeteilt waren.

Die musikalische Tour endete in Deutschland mit der Motette von Heinrich Schütz (1585-1672) und den Worten Martin Luthers „Verleih uns Frieden gnädiglich“, eine Botschaft, die auch nach fast 400 Jahren aktueller denn je ist.  rav

Der Weinheimer Kammerchor reiste zusammen mit dem Weinheimer Kammerorchester musikalisch durch Europa   BILD: FRITZ KOPETZKY